„Na, das läßt ſich ja hören! =- Was ich noh ſagen wollte, haben der Herr Superintendent noch nichts gehört, was man ſich ſo in der Stadt erzählet, daß unſer gnädiger Herr geſonnen ſei, die Bezüge der Geiſtlichen zu kürzen?“ „Ja, da habe ich auch ſchon etwas läuten hören. Aber es dürfte doch wohl nicht zutreffen. Mit uns Pfarrern und mit den Lehrern da erlaubt man ſich ja ſo allerhand. Aber von dem wenigen noch abziehen? Nein, das wird man doch wohl nicht tun. Da ſollte man zunächſt einmal ein paar Hofſchranzen zum T - - -- jagen.“ Wi Weldras Bei ſolch ho<hwichtiger Unterhaltung ging die Zeit angenehm dahin. Zwei- mal ſchon hatte die Kirhenuhr den Ablauf einer vollen Stunde verkündet, als ſic die vielwiſſenden Herren, die zur geiſtigen und geiſtlichen haute volee des Landes gehörten, trennten. In munterem Trabe fuhr am nächſten Sonntagmorgen der Wagen vor dem Hauſe des Herrn Dr. Werner vor, um erſt dieſen und alsdann den Herrn Superintendenten aufzunehmen. Der Fahrer knallte luſtig mit der Peitſche, daß alle in der Schloßſtraße die Köpfe zu den Fenſtern herausſtreckten, um zu ſehen, wer ſchon in aller Herrgottsfrühe einen ſolchen Heidenlärm vollführte. Der Wagen ratterte über das Pflaſter, daß die hohen Herren nur ſo anein- ander ſtießen. „Ein Saupflaſter =- Verzeihung, Herr Superintendent, daß ich das Wort gebrauchte, aber es trifft vollkommen zu.“ „Mein lieber Doktor“, ſprach Keller in prophetiſcher Weiſe, „das wird mit dieſem Pflaſter auch nie anders!“ Bald ging es über die Brücke hinüber und durch das mählich erwachende St. Johann auf Dudweiler zu. Frohen Gemütes unterhielten ſich die beiden über den glißernden Tau in den Wieſen, über die warmſcheinende Sonne, über Ernteausſichten, Beſoldungsfragen, Steuerverordnungen, Beförderungen und Verſetzungen, neue Bücher, über die beſte Weiſe, Sauerkraut einzumachen und Tonpfeifen anzurauchen, über den Wert des Nachmittagsſchläfhens, über poli- tiſches Allerlei, ſo etwa über Vorgänge am Zweibrücker Hof oder in anderen benachbarten Reſidenzen; Stoff genug, um keine Langeweile aufkommen zu laſſen. Und noch kaum, daß ſie dachten, einige Worte geſpro<hen zu haben, waren ſie am Dudweiler Pfarrhaus angelangt, wo ſie der Pfarer vor der Tür erwartete und ſogleich begann, ſein Sprüchlein aufzuſagen: um