Staatengebilde überhaupt des ſittlichen Sinnes. Wenn es hierfür noh eines Beweiſes bedarf, ſo ſind wir alle deſſen Zeugen! Vollſtändig weſensfremd ſtehen ſich „Hindenburg- ſtraße“ und Volk in faſt allen bedeutungsvollen Fragen verſtändnislos gegenüber. Unſere Lebensader bleibt unterbunden, und ſo iſt, wie wir wiſſen, des Elends kein Ende. Wie das Glück des einzelnen nur an Heim und Herd gefeſſelt iſt und niemals in der kalten, liebloſen Fremde ruht, ſo ſucht und ſehnt ſi< die Saar, eine Opferflamme am Altar Germanias, nach der deutſchen Heimat. Der Fremdling erteilte uns erneut dieſe Lektion in der Geſchihte. Doh auch unſere Dornenkrone kündet eine Zeitenwende und wird uns zu neuem Geiſtesleben und Glück führen. Schon iſt der Widerſtand gegen unſere unnatürliche Lage in allen Geiſtern herangereift, ſie bilden eine unüberwindliche Phalanx, an der jede Gewalt ſcheitern muß. Dieſen Schwerpunkt in der Saarfrage hat Ruhmgier und Raffſucht der Franzoſen bis jetzt leichthin überſehen, doch an dieſem Damm werden die dur< den Sturm der Ruhmſucht aufgepeitſchten Wellen kraftlos zurückrollen. Der Geiſt ſiegte noh ſtets über brutalen Machtwillen, das lehrt uns die Geſchichte. An dem aufgeſ<hre>kten Weltgewiſſen ſind unſere Anklagen nicht ungehört verhallt, aber noh harren ſonnenklare Beſtimmungen des Verſailler Diktats über das Saargebiet vergeblich ihrer Erfüllung. Unſere Lage wäre längſt kataſtrophal, hätte das Reich niht mit hunderten von Millionen unſeren wirtſ<aft- lien Zuſammenbruch verhütet. Dies Moment verſchweigen natürlich die Franzoſen gefliſſentlich, ſo oft ſie in dem Sonnenbrand unſerer Wüſte ihre Fata Morgana, das Zukunftsglück unter dem Gockel, erſcheinen laſſen und ihre Trugbilder bengaliſch beleuchten. Wir alle wollen uns die nackte Wahrheit einhämmern: ohne die Hilfe des Reichs wären wir längſt ein verzweifelnder und verzweifelter Bettlerhaufen. Die Gewährung der Zollfreien Einfuhr eines 1roßen Teiles der Produktion der Saarinduſtrie in das deutſche Zollgebiet und die Zuſchüſſe zu den ſozialen Ver- ſicherungen haben uns vor dem Wirtſchaftstold gerettet. Die Saarverhandlungen ſind geſcheitert; wir wollten uns nicht zu einer dauernden Ausbeutekolonie berabwürdigen laſſen. Klares politiſches Denken führt das Kind zur hilfebereiten Mutter und verhindert unabſehbares Unheil in einem von Frankreichs un- gezähmten Macdhtgelüſten abhängigen Saarland. In ſeiner Zeitentafel ſtehen tief einge- brannt unſerer Grenztragödie Jahreszahlen 1635, 1673, 1681, 1792, 1814, 1918--19--? Im Laufe der Jahrhunderte lehrt uns jedes Blatt unſerer Geſchichte, daß der Franzoſe für unſere Heimat ſtets Korruption, Verarmung und Verfall be- deutet, den Aufſtieg aber und immer erneutes wirtſc<haftliches und kulturelles Blühen Deutſchland. „O, Gott vom Himmel ſieh darein und gib uns rechten deutſchen Mut, daß wir es lieben treu und gut!“ Vor uns liegt bis zur Erlöſung aus fremdem Bann und der Heimkehr zum Vaterland noch ein beſchwerlicher Weg, ſteinig und voller Dorngehege. Wir müſſen ihn wandern, es bleibt uns keine andere Wahl, aber wie eine Feuerſäule wird uns die Hoffnung und die Gewißheit voranleuchten, einſt die germaniſche Ehre unſeres Randgebietes rein und fleckenlos wieder unter den Schuß des deutſchen Reichsaldlers zu tragen. Und ſchlägt der Haß der Wunden viel, Es findet unſ'res Schiffes Kiel Den Hafen doh durch Well und Wind, Wo frei wir und geborgen ſind. „Doh harren unſere Brüder im Saargebiet der Rückkehr zum Mutterland, Wir grüßen heute deutſ<es Land und deutſches Dolk an der Saar aus tiefſtem Herzen und mit dem Gelöbnis, alles daranzuſetzen, daß auch ihre Wiedervereinigung mit uns bald Wirklichkeit -wird. Au< ihnen gebührt heute Deutſchlands Dank. Wir wiſſen, daß ſie ſtolz ihr Deutſ<tum bewahrt haben, und daß ſie ihre Rückkehr zum Mutterlande niht mit Bindungen erkauft wiſſen wollen, die den deutſchen Geſamtintereſſen widerſprächen.“ Hindenburg (aus dem Aufruf an das deutſhe Volk am 1. Juli 1930). 14