Saarkalender für das Jahr 1930 n= . jl Zum Tode verurteilt! Jakob Johannes, cin Schuldkonto des franz. Kriegsgerichts zu Saarbrücken. Von A Z. Herbſt 1919, Sturm fegt durch die Täler und Bergwälder des Saarreviers, Sturm auch über die Herzen des vielgeprüften Landes. Es ſind die Tage des ſpartakiſtiſchen Aufruhrs, voll von drückender, verwirrender Sorge. Sie ließen für die Geſamtheit der ſaarländiſchen Bevölkerung die Affäre des Eiſenbahners Johannes. ein für Frankreich beſchämendes ECreignis, faſt unbemerkt vor- übergehen. Nicht in aufregender, rauher Kriegszeit, ſondern im Frieden wurde di2 Tat begangen in einem Volk, das allerdings die galliſche Eitelkeit durc ſtolze Abweiſung bitter enttäuſcht und gekränkt hatte. Wie einſt im Jahre 1793 zwei arme Bübinger Bauern von den Franzoſen zur Guillotine geſchleppt wur- den, um Furcht und Schrecken zu verbreiten, ſo ging es auch diesmal nicht ohne ein unſeliges Vorgehen ab. Nach der Tat verlor man aber anſcheinend den Mut, ſie vor aller Welt zu bekennen. Man erinnere ſich, daß die Zeitungen gezwitngen waren, jedes Urteil des Kriegsgerichtes zu ver- öffentlichen, aber vergeblich ſucht man nach der Tragödie vom 20. Oktober 1919. Die Preſſe war geknebelt, ihrer Frei- heit beraubt und troß ſtrengſter Vorzenſur oft genug auf Tage und Wochen verboten. Soweit ich mich erinnere, drangen damals über den Fall Johannes in die mit Arbeit und Sorgen aller Art überhäuften Redak- tionen nur Gerüchte, die bald beſtätigt, bald wieder als unwahr und erfunden bezeichnet wurden. Die ſich überſtürzenden Ereigniſſe politiſ<Ger und wirtſchaftlicher Art, eine quälende Notzeit des Ganzen und des Einzelnen, ließen eine bitter traurige An- gelegenheit, die von den meiſten heute noch angezweifelt wird, in den Hintergrund treten und vergeſſen. Die Stinkbomben | | aber, von Frankreich no<4 immer mit Vorliebe geſchleudert und jetzt von Belgien geworfen: trieben mic<ß erneut zur ernſten Erkundung des auf- regenden 3wiſchenſalles. Sie geſtaltete ſich zur Ehrenrettung eines Mannes, der als tapferer Soldat den Krieg mit all ſeinen Schrecken vom erſten bis zum letzten Tage ehrenvoll dur<kämpft und mir von ſeinen Kameraden als treu, geloſſen und menſchenfreundlich geſchildert wird. Jakob Johannes wurde unmittelbar nach dem Ausbruch des Weltkriege2s als Erſatz-Reſerviſi bei dem Inf.-Rgt. 174 eingezogen und erhielt dort ſeine kurze militäriſche Ausbildung. Er kam ſodann zu dem Regiment 166 und kämpfte in vielen Schlachten an der Weſtfront bis 1917. Dann führte ihn ſein Geſchick an die Oſtfront bis zum Ende des Kampfes 1918. Nad einer Ver- wundung vers er. kaum hergeſtellt, wieder an die Front zurück; für ſein tapferes Verhalten zeichnete ihn ſein Kommandeur mit dem Eiſernen Kreuze aus. Und dieſen Kämpfer riß in der Heimat ein tragiſches Geſchick aus dem Leben, ein Los, das uns in ſeinen Einzelheiten erſchüttert. -.*