Saarkalender für das Jahr 1929 Selbstverſtändlich fehlte einſt ſo wenig wie heute die Berufung auf die glorreiche Fahne, das Sinnbild der ,hochherzigen Gedanken unserer großen Revolution“. Wir kennen im Saargebiet diese französische Hochherzigkeit seit zehn Jahren zur Genüge, es erübrigt sich, darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Den Schluß der Proklamation soll uns allen aber als ewige Wahrheit voranleuchten und den Geist aus den Niederungen erheben, in denen das deutsche Leben heute wandert. Die deutsche Zukunft wird es lehren: „Unüberwindlich iſt ein großes Volk, das für eine gerechte Sache in die Schranken tritt.“ A..Z:. „Wenn ihr auch Blut weinet, ſo kann euch dies nichts helfen!“ Von J. A. Weiß. Am 15. Januar 1794 kehrte General noch nicht vollständig entrichteten 50 000 Vincent mit seinen Scharen wieder nach Livres, nicht abgeliefert würden, die Forde- Zweibrücken zurück. Noch an demselben rung noch dürfte geſteigert werden. Man Abende verlangte er als Reſt der früheren sammelte aufs neue, wobei auch Mancher, Auflage eine Brandſchazung von 20 000 der bisher aus öffentlichen Atmoſen unter- Livres, 10 000 Pfund Brot, ebensoviele ſtützt wurde, sein Scherflein hilfreich bei- Rationen Hafer und Heu und 600 Paar trug. Allein es kamen kaum 1800 Livres Schuhe und eine gleiche Anzahl Hemden, zusammen. Als diese übergeben waren, unter Androhung militäriſcher Verfolgung. ließ jetzt der General die acht Gerber- Es wurde dies mit der Schelle in der Stadt meister der Stadt vor sich rufen und be- bekanntgemach, damit jeder Bürger fragte sie um ihre Ledervorräte. Nachdem zuſammenbringe, was er vermöge. Am ie ihre Vorräte angegeben hatten, erklärte folgenden Morgen wurden 600 Laib Brot, er sie als Gefangene, um von ihnen den 200 Hemden und 56 Paar Schuhe ein- fehlenden Reſt der Brandſchatzung zu er- geliefert. Wegen der Hrandſchatzung pressen. Die Frauen und Kinder der machte man ſchriftlihe Vorstellungen, Gefangenen eilten herbei und baten und welche auch den unbarmherzigſten flehten unter Tränen den unbarmherzigen Menſchen hätten rühren können, allein Dränger um Freilassung ihrer Gatten und ſie blieben ohne Erfolg. Die letzte Ant- Väter. Der General erwiderte mit Kälte wort des Generals war, daß, wenn nach- und Härte: „Wenn ihr auch Blut weinet, mittanſs 3 Uhr die auferlegten 20000 so kann dies euch nichts helfen!“ Livres, als Strafe der jüngst geforderten, P j Deutſch iſt die Amtssprache des Saarreviers! Unter den kümmerlichen Reſten von Rechten, die der Versailler Vertrag der Saar- bevölkerung heließ, befindet sich u. a. folgende Bestimmung: „Die Einwohner behalten unter Ue b erw a chung d es Re gi erun g s aus - ſc<h u ss e s ihre örtlichen Vertretungen, ihre religiöſen Freiheiten und ihre Sprache!“ Der Regierungskommission iſt alſo klar und deutlich die Pflicht zugewiesen, diese Rechte sicherzuſtellen. Was aber geschieht? Seit Jahren versendet die Abteilung des Innern dieſer Kommission unterschiedslos an deutsche und ausländische Empfänger ihrer Briefsendungen Umschläge mit dem Aufdruck COMMISSION DE GOUVERNEMENT TERRITOIRE Ds LA SARRE und das obwohl die saarländischen Tageszeitungen wiederholt auf die vertragsmäßige Un- zulässigkeit dieser französischen Firmierung einer Regierungsabteilung hingewiesen haben. Wenn Worte einen Sinn haben, so heißt die Beſtimmung des Versailler Vertrages „„Die Einwohner behalten ihre Sprache“, daß auch die d eut ſ ch e Amts sp r ach e beizu- behalten iſt. Darum ſind ja auch der ganze Schriftverkehr und die Verhandlungen des zum größten Teil ausländischen Saarlouiser Obergerichtes in deutscher Sprache gehalten. Es püre endlich an der Zeit, daß die Briefumſchläge der Abteilung Morize aus dem Ver-