Saarkalender für das Jahr 1929 iſlt der entſcheidende“, ſagte der Detter. Das Bild wurde abgesandt und ich wartete mit Nervosität die Antwort ab. Der Detter hatte mir das Bild meiner Zukünftigen bagelaſſen, und bei desſen täglicher Betrachtung ſtellte ſich heraus, daß ich mich gar nicht mehr gegen den Gedanken ſträubte, den Gegenſtand dieſes Bildes als meine Braut zu begrüßen. Die Antwort kam und erfreute uns durch ihre Promptheit. Mein liebenswürdiger Detter hatte natürlich auch da vorgearbeitet, und es wurde nach einigen Briefen, die wir nun ſelber wechſelten, ausgemacht, am Weihnachtstage morgens in der Frühe sollte ich abreiſen, auf meiner Reiſe bei ihr aussſteigen, die Feiertage bei ihrer Familie verleben und die Derlobung konnte dann bekanntgemacht und ge- feiert werden. Nun war das Städtchen, wo meine Braut wohnte, zwar. nur drei Stationen von meiner zukünftigen Heimatſtadt gelegen, aber es lag abſeits von der großen Linie, man mußte auf einer Zwiſchenſtation aussteigen und dort den Bummelzug nehmen. Mein Detter übernahm das Arrangement der Reise. Da er niemals eine Angelegenheit halb tat, ſondern auf das gründlichſte verfuhr, ſo ließ er es ſich nicht nehmen, ſich einzufinden, während ich die Koffer packte. „Nur kein Handgepäck“, ſagte er, „das ſieht so kleinſtädtiſch aus, alles tut man in die großen Koffer, die man aufgibt, eine lederne Handtaſche, den Schirm und ein paar Rosen, das iſt alles, den neuen Anzug auf die Reiſe, die anderen in den Koffer. Und dann will ich Dir noch einen guten Rat geben: Ueberdingen, so heißt nämlich die Umſteige- ſtation, iſt ein Knotenpunkt, ein Dorf mit einem elenden Wartesaal, Du haſt einen Aufenthalt von anderthalb Stunden. Das Gasthaus im Dorf iſt ſchlecht, der Warte- ſaal zur Weihnachtszeit vollgepfropft, da habe ich nun regelmäßig meine Zeit in Ueberdingen auf die beſte und nügtzlichſte Weiſe verbracht, indem ich in der gut- eingerichteten Badeanſtalt in der Nähe des Bahnhofs, Du kennſt ſie gleich an ihrer grünen Laterne, ein warmes Bad nahm.“ Ich wollte Einwendungen machen, aber mein Detter ſchnitt mir das Wort ab. „Geht nicht, wieſo? Der Zug kommt immer pünktlich an, Weg nach der Badeanſtalt fünf Minuten, und zu einem Bad gebraucht man in Ueberdingen auch nicht länger wie woanders, alſo Du stehſt in einer Stunde fix und fertig vor der Tür und wandelſt gemächlich zum Bahnhof, wo dann der Zug heranbrauſt. So macht der Gentleman ſich das Leben angenehm. Das Fräulein an der Kasse hat rotes Haar, Du kannſt ſie von mir grüßen“, setzte er hinzu. Der Plan des praktiſchen Detters leuchtete mir ein und ich fuhr am Weihnachts- morgen pünkttlichſt mit dem Zuge ab. Der Gedanke, daß meine Braut mich am Bahnhof abholen ſollte, ſtammte ebenfalls von meinem Vetter, denn er ſaagte ſehr richtig, „wenn Du ſie erſt im Kreiſe der Familie ſiehſt, gibt's kein Zurück mehr. Dann ſseid Ihr eingeheimſt. Der erſte Eindruck gehört nur Euch beiden, den müßt Ihr unbeeinflußt genießen. So nur kann man wählen.“ Nun konnte zwar nach dieſen Dorbereitungen von Wählen nicht mehr die Rede ſein, doch mir war dieſer Dorſchlag vernünftig erſchienen, und von angenehmen Gedanken bewegt, ſah ich aus dem Zug auf die beſchneiten Gegenden, die an mir vorüberzogen. Neben mir lag ein großer, duftender Strauß herrlicher roſa Nelken, . den ich von Zeit zu Zeit sorgfältig lüftete, um nachzusehen, ob sie noch friſch seien. Ich stellte mir vor, wie ſie wohl aussehen würde, was ihr erſtes Wort ſein würde, und dabei ſtellte ich feſt, daß der neue Anzug vortrefflich ſaß und die Bügel- ſalte tadellos ausgefallen war.