Saarkalender für das Jahr 1928 Derwälſchung der Dornamen. In Forbach ſaß vor einiger Zeit eine Frau mit ihrer Näharbeit vor der Türe. Da kam eine Nachbarin hinzu und die ſagte: „Guten Abend, Frau Müllern, was machen 'r denn do?“ „Na, der sſeht's jo, Frau Meiern, ich tu Sacktüchelcher auszeechne vor meine Kinner,“ war die Antwort. ,,Ia, der macht ja aber allfort de gleiche Buchſtabe, ich glaab, es iſch en S, baßt denn das für alle?“ – ,No ja, do iſch der S <h a n g un der S ch a k un der S ch or ſ < un's S ch o ſ e f ch e ; für die baßts doch?“ — ,,JIa, der hent aber aach e Määche, baßt's denn für die aach?“ — ,JJa, des iſch d' 3 o f i e ; für die baßt’s freilich net,“ verſetzte die wackere Frau Müller und beeilte ſich, noch ein ſchönes, römiſches Z in etliche , Sacktüchelcher“ einzuſticken. Dom alten Sanitätsrat Dr. Langguth, der noch lange in der Erinnerung leben wird, berichtet ein Sulzbacher Freund folgendes. Der reiche Bergrat R. hatte ſich auf der Iagd erkältet, die Folge war eine böſe Lungen- entzündung, die dem erfahrenen Arzte wohl viel Mühe verurſacht, aber er weiß ſie zurückzudrängen. Der Patient geſundet und ſendet mit der Begleichung der Rechnung ein wertvolles Geſchenk aus Dankbarkeit. Beide Herren treffen ſich beim Dämmerſchoppen. Langguth macht dem Bergrat Dorhaltungen über die ſplendide Art des Auftretens und weigert ſich zunächſt, das Dorgehen zu billigen. Schließlich gibt er nach mit den Worten: „Na, wenn's nun einmal nit anders iſt, bin ich einverſtanden, aber Sie haben dann bei mir noch eine Lungenentzündung gut.“ Ein etwas aufgeblaſener höherer Bergbeamte war allen als Ordensjäger bekannt und prahlte gerne mit ſeinen Erfolgen in dieſem Bemühen. „„Er iſt ein dummer Kerl,“ ſagte Langguth, „hat einen üblen , B a n d - w u r m“ und tut nichts gegen dieſe Krankheit.“ Der Alte erzählte öfter von einem Bergmann, der gerne an der Bierbank kleben blieb und an einem Leiden erkrankte. Bei einem Beſuch entſpinnt ſich dann folgender Dialog: „Ich habe Ihnen ein- für allemal verboten, Bier zu trinken. Ich hörte aber ſchon, daß Sie geſtern wieder gelumpt und zuviel getrunken haben. Wollen mal den Puls zählen. Eins-zwei-drei-vier-fünf-ſechs-ſieben-acht ~“. Patient: „Ne, ne, Herr Sanitätsrat, ſtimmt nit, es waren nure ſieben gewen und drei Schnäpſe.“ Dr. Langguth wird gefragt: „Glauben Sie, Herr Doktor, daß Sardinen geſund ſind?“ „„Man ſollte es wohl onnehmen“, meinte der Angeredete, „in meiner langen Praxis hat mich noch keine um Hilfe erſucht, keine über Krankheit geklagt.“ „Die Liebe, die Liebe iſt eine Himmelsmacht“, das gilt nicht nur in der Operette „Der Zigeunerbaron“", ſondern überall im Tal und auf den Höhen. Dort drückt man dieſe verwirrende Gemütsſtimmung allerdings etwas derber aus mit den Worten: „Die Liebe is wie „Bärendreck“*), man krieht ſie nit vum Herze weg!“ So ging es auch dem Lui, einem Bergmann auf der Bildſtocker Höh. Er liebte eine der Töchter ſeines Stammwirts ſo innig, daß es auch von ihm heißen konnte: ,„Iſt der junge Mann verrückt oder iſt er gar verliebt? Nein, er iſt verrückt verliebt!“ Aber er fand nicht den Mut, mit dem Mädchen zu ſprechen. Sein Leid klagte er ſeinem Freunde Hennrich mit nachſtehender wunderlicher Empfindung: „Wann eich das Made elo kriehn dhät, eich dhät m'r hunnert Bohneſtecke uff m Kopp ſpitze loſſen.“ Endlich explodierte die ſo lange zurückgehaltene Leidenſchaft und er ſagt zu der Geliebten: „Marei, wenn dei Dadder dich m'r elo gäfft, do freſſe eich vierzehn Dah mit eirer Katz vunn änem Teller!“ Gerührt erhörte ihn 's Marei und der Dater. Aber das erſehnte Glück fand er nicht. Dor einiger Zeit äußerte er: „Wann ich's Marei nit meh ſieh'n braucht, fräß ich mit der Katz vier Wochen vunn änem Teller.“ Der Saarbrücker Hofnarr. Wie heute der Bubikopf, war die große Mode einſt am Saarbrücker Fürſtenhof der Hofnarr. Selbſtverſtändlich ein armer Derwachsſener, der durch die ewigen Sticheleien ſeiner Kameraden von Iugend auf gelernt hatte, um ſich zu beißen und ſein Redetalent zu gebrauchen. War natürlich auch ſtets zu Nasführungen der andern bereit. Und einen ſolchen Knaben mußte, um hoffähig zu ſein, auch der Saar- brücker Graf ſich halten, einen Menſchen, der ,„außerdienſtlich“ als Küchenjunge und Feueranzünder benutzt wurde. Sonſt aber auch, da man dieſen Leuten in jener abergläubiſchen Zeit, als mit dem Böſen in gewiſſer Beziehung ſtehend, höhere Kräfte zuſchrieb, als Wahrſager. Um ihn zu uzen, hatte man ihm häufig naſſes Holz zum Feueranzünden hingelegt, das natürlich damals mit Stahl und Zunder nicht in Flammen zu bringen war. Sein Bemühen dabei rief dann ſchadenfrohe Heiterkeitsausbrüche beim ganzen gräflichen Hof hervor. „Mußt andermal t r o < n e s Holz nehmen!“ frozzelte man ihn. An einem Wintermorgen, als Ihro Gnaden, der Herr Graſ, aus dem Stroh kroch und gerne ein warmes Frühſtückszimmer zum Beginn ſeiner landesväterlichen Tätigkeit gehabt hätte, wars kalt, doch ſein Hofnarr ſeelenvergnügt. „Nanu,“ herrſchte er ihn an, ,„haſt wieder kein trocknes Holz?“ ,Doch,“ lachte der Narr, ,ſogar für 500 Florin trocknes Holz im Ofen, eine Flamme dabei und doch kein Brand!“ „Oho?!“ + Doch als der Graf nachſchaute, war es Wahrheit. Nur hatte der Filou ſeines Herrn neue Pariſer Geige in den Ofen geſteckt, die tatſächlich bare 500 FI. gekoſtet hatte, und eine brennende Kerze nebendran geſtellt. Einmal frug der Graf, wie lange noch ſein Lieblingshund, ein Windſpiel, I Icben würde. Unser Hofnarr nannte einen Tag und der Zufall wollte es, der Hund, der krank war, ging ein. Weil damals das Leben eines Haſen oder Hundes höher ſtand wie das eines Menſchen und der Graf, wütend wie er war, das Derenden ſeines Keilefs in irgend eine Beziehung mit der Bosheit ſeines Hofnarren brachte, beſchloß er, der Sache ein Ende zu machen und ſeinem Hofnarren den Kopf zwiſchen die Beine zu legen. Zuvor aber wollte er hören, ob er auch ebenſo ſicher ſein leßtes Stündlein erraten könnte, wie das des alten Hundes und ließ ihn ſuchen. Der, nichts Gutes ahnend, hatte ſich verkrochen. Endlich fand man ihn und ſchleppte ihn vor seinen Herrn. „Elender!“ knurrte der ihn an, „weißt du auch, wann du d e i n ſeliges Ende z'1 erwarten haſt?“ Dem blittte der Schalk aus den Augen, denn er kannte ſeinen Pappenheimer, überlegte nicht lange, ſondern ſagte: „Halten zu Gnaden, Herr Graf, aber ſo wahr ich hier vor Euch ſtehe, – drei Tage vor dem Euren!“ Von der Zeit an iſt noch kein Menſch ſo gehätſchelt und ,„ahnſchmaruzzelt“ worden, berichtet der Chroniſt, wie jener Hofnarr von Saarbrücken. T. Sch. *) Bärendreck, provinzieller Ausdruck für Lakritzen. pa D ÔZ òn ÖDÒg rÖPl°ÓD=nS Oÿnſtea r . . . .. r 167