Saarkalender für das Jahr 1928 Zeittafel zur Geſchichte des Saargebiets vom 1. Juli 1926 bis 1. Juli 1927 ©) Zuſammengestellt von A. 53. Juli 1926. 1. Iuli: Die Preſſe meldet die Einweihung eines Erholungsheims am 26. Juni bei Daun in der Eifel. Das Haus ,, Friede“ wurde gegründet vom Daterländiſchen Frauen-Verein vom Roten Kreuz Saarbrücken-Cand. –~ Besondere Verdienſte er- warb ſich hierbei Frau Helene v. Vopelius. Unter ſtarker Teilnahme begeht die Freiwillige Feuerwehr von Merzig die Feier ihres 100jährigen Beſtehens. 1. Juli: Berichtet wird in der Preſſe über Woh- nungsfürſorge der Stadt Saarlouis im Iahre 1925. Durch ſtädtiſche und private Tätigkeit ſank der Prozentſazg der Wohnungſsuchenden von 9,8 im . Iahresanfang auf 3,9 der Geſamtbevölkerung, von 435 Familien mit 1587 Perſonen auf 159 Familien mit 636 Perſonen. Man rechnet damit, daß Mitte 1927 die Saarlouiſer Wohnungsnot be- hoben ſei. 1. Iuli: Bekanntgegeben wird Haushaltsplan der Regierungskommiſssion für 1926. Er ſchließt ab in Einnahmen und Ausgaben mit 363,15 Millionen Franken. Die Gehälter der Mitglieder der Re- gierungskommiſſion stellen ſich auf 687 000 Fr. Jedes Mitglied bezieht demnach ungefähr 125 000 Franken. Der Präſident erhält 187 500 Fr. Das Sekretariat in Paris iſt immer noch vor- handen und erfordert 36 284 Fr. – Für das Land- Jägerkorps ſind 14,1 Millionen Fr. vorgeſehen, für fakultativen franzöſiſchen Sprachunterricht in Dolksſchulen 132 000 Fr., aber für Volksſchulen und Volksbüchereien nur 7000 Fr. Zu erwähnen bleibt noch u. a.: Zentralverwaltung 11 700 062 Franken, denen in Einnahme gegenüberſtehen 1 365 500 Fr., hierfür allein bleiben aus Steuern zu decken 10 334 562 Fr., Generalfinanzkontrolle, eine Einrichtung lediglich im franzöſiſchen Inter- eſſe, erfordert 1 132 886 Fr., Polizeiverwaltung 18 375 745 Fr., der Oberſte Gerichtshof in Saar- Tlouis, an dem 10 fremdl. Richter tätig ſind, 1 312 905 Fr. uſw. uſw. 1. Iuli: St. Ingbert zählt En d e I uni 1926 20 831 Seelen, Bürgermeiſterei Uchtelfangen 18 269, Bürgermeiſterei Biſchmisheim 21 377, Püttlingen 19 566, Mittelbexbach 6491 und Bürgermeisterei Dölklingen 34 760 Einwohner. 1. Iuli: 50 ſaarländiſche Philologen reichten Ur- Ilaubsgeſuche um einen Tag ein zur Teilnahme an dem KRkheiniſchen Philologentag. Die Schul- abteilung geſtattete es nur drei Philologen. Die Ablehnung erfolgte in letter Stunde. Die Preſſe geht wegen dieſes Dorgehens mit den Ceitern der Schulabteilung ſcharf ins Gericht. *) Die Zeit von 600 bis 26. Februar 1920 ſiehe Saarkalender 1923; vom 26. Februar 1920 bis 31. Auguſt 1923 ſiehe Saarkalender 1924; vom 1. September 1923 bis 1. Auguſt 1924 ſiehe Saarkalender 1925; von 2. Iuli: Madame Blanche, die Privatſekretärin Raults, verläßt Saarbrücken. Regierungskom- miſſion bewilligt ihr das Gehalt der Besoldungs- gruppe 16 (Oberregierungsrat) bis 1. April 1927. Außerdem erhielt die Frau eine Abfindungsſumme von 110 000 Fr. aus der Landeskaſſe. „Und ward nicht mehr gesehn!“ 4. Juli: 50. Stiftungsfeſt des Turnvereins Burbach. ~ 25. Generalverſammlung des Verbandes der Bergarbeiter Deutſchlands. Dor Beginn Maſſen- demoſtration von 32 000 Mitgliedern des Der- bandes durch Saarbrücken als Proteſt gegen un- zureichende Löhnung und ſozialpolitiſche Rückſtän- digkeit. – SGrundſteinlegung zur neuen evange- liſchen Kirche in Dölklingen. –~ In der Nacht zum 4. Juli ſchoß nach einem Wortgeplänkel ein fran- zöſiſcher Sergeant auf einen Ziviliſten, der an der Derleßzung ſtarb. Der Sergeant hatte mit einem Kameraden und einem Schutzmann gezecht. Letterer wurde über ſolch Derhalten von Ein- heimiſchen zur Rede gestellt, worauf der un- beteiligte Franzoſe zur Waffe griff. 11. Juli: Stadtrats- und Gemeinderatswahlen im Saargebiet. In Saarbrücken: Zentrum 17 Sitze, Sozialdemokraten 13, Deutſch-Saarländiſche Volks- partei 9, Kommuniſten 8, Wirtſchaftspartei 6, Deutſchnationale 5, Demokraten 2 Sitze. 17. Juli: Hauptverſammlung der Rheinl.-Weſtf. Buch- händler (17., 18. und 19. Juli). 18. Juli: Die Regierungskommiſssion überreicht dem Landesrat drei neue Steuergeseßentwürfe, der Haushaltsplan müſſe durch neue Steuerquellen er- gänzt werden: 1. Erhöhung der Umſsatzſteuer von 1,3 auf 1,6 Prczent, 2. Erhöhung der Stempel- ſteuern, 3. Erhöhung der indirekten Steuer für Benzin und einer Steuer für mineraliſche Schwer- öle. 18. Juli: Die Regierungskommisſion gestattet nicht die Abhaltung einer Sammler-Woche für Zeppelin- Eckener-Spende, erlaubt aber Straßenſammlung mit Blumentag und Hausſammlung am 18. Juli. -- Einweihung des Kriegerdenkmals in Differten. 18. Iuli: Auf dem Kreiskriegerverbandsfeſt in Neun- kirchen überfielen Rote Frontkämpfer, die am gleichen Tage einen Demonſtrationszug abhielten, den Feſtzug der alten Krieger und ſchlugen mit Stöcken und Knüppeln auf diese ein. Zerfetßt wur- den fünf Kriegervereinsfahnen. Orden und Ehren- zeichen wurden abgeriſſene. Einem Veteran von 1870 durch Steinwurf Zähne zerſchlagen uſw. Es gab eine beträchtliche Anzahl Derwundeter. Ein Deteran aus Mittelbexbach erlag nach einigen Tagen den Derletzungen. 1. Auguſt 1924 bis 1. Juli 1925 ſiehe Saarkalender 1926 und vom 1. Auguſt 1925 bis 1. Juli 1926 ſiehe Saarkalender 1927. O