Saarkalender für das Jahr 1928 Aus der Saarbrücker Fürſtenzeit. NMitgeteilt von Prof. Dr. h. c. Ruppersberg. Im Jahre 1784, in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar, stürzte die (allc) Brücker infolge ſtarken Hochwassers und Eisgangs cin. Die Saar ſtieg ſo hoch, daß man in den Straßen von St. Johann mit Nachen und Flößen herumfuhr, um Menſchen und Vieh Beiſtand zu bringen. Im Mai des nächſten Jahres ließ der Fürſt Ludwig der Neugaſſe (Wilhelm-Heinrichſtraße) gegen- üver eine Schiffbrücke anlegen, und jeder, der die Brücke überſchritt, mußte, außer wenn er in herrſchaftlichen Dienſten war, Brückengeld bezahlen, was bei Bürgern, Bauern und Fremden viel Unwillen her- vorrief. Damit niemand ohne Begahlung die Schiffbrücke überſchritte, wurde auf Befehl des Fürſten eine Schildwache auf- geſtellt, die nachts die Leute auf der Brücke anrufen mußte. Mit dem Wiederaufbau der Brücke wurde in demſelben Jahre der Anfang gemacht, und die Wiederhersſtellungsarbeit dauerte bis zum Jahre 1787. Mittlerweile wurde über die lästige Erhebung des Brücken- geldes fortwährend geklagt. „Weil nun,“ ſagt der Bürger Gottlieb in seiner Chronik, „beide Bürgerſchaften sich nicht gern mit ihrem Landsherrn in einen Prozeß ein- laſſen wollten, so haben sie zu den Koſten der Brücke einen freiwilligen Beitrag von 300 Louisd'or angeboten, womit Seine Durchlaucht auch zufrieden waren. Nach- gehends iſt aber ein Dekret ergangen, wo- rin dieſer freiwillige Beitrag nicht berührt, ſondern den Bürgern beider Städte und allen Einwohnern die Zahlung des Brücken- geldes in Gnaden erlaſſen worden iſt. Da- gegen mußten die Landbewohner und die Fremden dasſelbe noch fortbezahlen, bis sich auch das Land zu einem Beitrage ver- ſtand. Endlich haben die beiden Städte im Intereſſe des Commerciums (Handelsver- kehrs) für die Fremden noch 100 Louisd'or weiter gegeben, worauf das Brückengeld auch dieſen erlaſſen worden iſt.“ Obwohl nun die Bewachung der Schiff- brücke nicht mehr nötig war, ließ der Fürſt die Schildwache dort noch weiter ſtehen, welche die Vorübergehenden anrufen mußte. Doch manche machten sich ein Vergnügen daraus, an der Schildwache vorbeizu- ſchleichen und dieſe noch zu verhöhnen. Jeber einen derartigen Vorfall erstattete der fürſtlihſe Hauptmann Zimmermann folgenden Bericht an den Fürſten: „Durchlauchtigsſter Fürſt, mein gnedigster Fürſt und Herr! Ich hab die Sach sogleich unter Sucht. Der Musikant Jost iſt am Samstag nacht um 12 Uhr nach Haus kommen, Sacht Seine Frau, und hath Ein blauen Rock und Schwarze hoſsſen ange- habt und war Ser dunkel und hath Ge- recht. Der Amon hath auf Der Schild- wacht Geſstanden. Die ſchildwacht iſt aber Diswechen nicht frey. Die ſchildwacht Soll nachts an Ruffen und Soll wissen, wer bey Ihr vor bey Geht. So hab ich ihm zehn Vriegel geben laſſen, wann Es Jhro Hoch Fürſtliche Durchlaucht So guth Finden und ich So Recht gethan hab. Wern aber kein umſtenten Dabey gewesen, So hetle ich ihm 25 Geben lassen. Die Schildwach an der Schiffbrück beschwert Sich, Das die Leyt Nachts kein antwort Geben, wenn Sie an- geruffen, und So gar Spotten und Lachen. Wan Jhro Dungl. deten ausſchellen lassen und den Verbott geben, Das die ſchildwacht veſſer Reſbectiert wirten. Ich bin Ihr H. Durchlaucht Drey und uunlterthenigſster Knecht. St. Johann, 7. Dezember 1785. Zimmermann.“ Hierauf erfolgte Ordre vom Fürſten an die Regierung und KResolutio in consilio i Entschließung im Rat): Saarbrücken, 8. De- zember ans Peolizeiamt: ,,ausſchellen zu lassen, daß die zu Nachtzeit die Schiffbrücke Passierenden auf Anrufen der Schildwache Untwort zu geben haben oder gewärtigen müssen, zurückgewieſen zu werden.“ Der Hauptmann Zimmermann tand offenbar mit der deutſchen Rechtſchreibung auf demselben Fuße wie das Kätchen von Lebach in der Saargroßſtadtbrille in seinen Briefen an seine Großmutter. Der Fürſt Ludwig erlaubte ſich folgenden Scherz mit ihm und einem andern Offizier. Als die Kapitäns Zimmermann und von Welling den Musikanten und Tambours, die ihnen eine Neujahrsmusſik gebracht, kein Trink- geld gegeben, sondern ſie spöttiſch abge- wieſen hatten, ließ der Fürſt ihnen durch die Hirten beider Städte und drei Hunde- jungen mit Hörnern, Gießkannen, Klari- nette und Schelle eine Katzenmuſik bringen, daß den Nachbarn Hören und Sehen ver- ging. CE E SCR CEC T E CNS E E KAT H T HT 0 R M K s.