Saarkalender für das Jahr 1927. gestellten Gegenstände hebt sich besonders wirkungsvoll der Saal der Plaſtiken heraus. Darin fallen zunächſt die beiden großen Hochgräber auf, die Gipsabgtüſſe darſbellen von den beiden gotischen Grabdenkmälern in der Stiftskirche zu St. Arnual, von dem Grabe Johanns I]]. von Nassau-Saarbrücken und seiner beiden Gemahlinnen und von dem gotischen Grabmal der Gräfin Eliſabeth von Lothringen, die man wegen ihrer Ueber- ſetzungen französischer Romane in die deutsche Sprache als die. erste deutſche Roman- ſchriftsſtellerin bezeichnet hat. Die übrigen Plaſtiken in dem Raunm, die faſt ausnahmslos religiöse Motive behandeln, geben recht wertvolle Aufschlüsse über die künſtleriſche Ent- wicklung von der gotischen Zeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in der Saar- gegend. Auch die bäuerliche Kunſt iſt durch einige wertvolle Stücke vertreten. Nur iſt gerade bei diesen Stücken die zeitliche Beſtimmung ihrer Entſtehung recht ſchwierig, wie z. B. bei der „Pieta aus Diefflen“ bei Dillingen, die vielleicht um 1400 anzusetzen ist. Mit besonderer Liebe hat der rührige Leiter des Museums die künſtleriſchen Erzeug- niſſe unserer einheimischen keramischen Industrie. gesammelt, die bekanntlich aus Loth- ringen in das Saargebiet vordrang. Saarbrückens bedeutendſter Fürſt Wilhelm Heinrich hat, wie so viele andere deutſche Fürſten, ebenfalls eine Porzellanfabrik in Ottweiler aufgemacht. Die Erzeugnisse dieser Fabrik sind heute äußerſt ſelten. Doch iſt es Herrn Keuth gelungen, mehrere Ottweiler Stücke für das Muſeum zu erwerben. Von den früher vorhandenen Porgzellanfabriken in Saarbrücken und Gersweiler, ſowie von den Steingutfabriken von Villeron & Boch ſind die typiſchen Ergeugniſsse dem Museum ein- gegliedert. Wieder andere Räume ſind mit einer Sammlung saarländischer Ofenplatten mit religiöſen oder allegoriſchen Darſtellungen ausgefüllt. Sie. ſtammen von den heute zum Teil nicht mehr vorhandenen Eisenhütten Geislautern, Nunkirchen, Neunkirchen, Fiſchbach, St. Ingbert, Dillingen und Brebach, und die meiſt eingezeichneten Jahreszahlen weiſen dieſe Ofenplatten in das 17. und 18. Jahrhundert. Ein besonders glücklicher Gedanke war es, die Eröffnung des Muſeums zu ver- binden mit einer Sonderausſtelung von Arbeiten des Saarbrücker Malers Dry ander, der als Hofmaler des letzten Fürſten von Saarbrücken eine umfangreiche künſtleriſche Tätigkeit entfaltet Hat. Die Nachkommen des Malers, die heute in Saar- brücken leben, hatten leihweise das ganze noch vorhandene Werk des viel zu wenig be- kannten Malers dem Mu"eum zur Verfügung geſtellt. Es sind Oelgemälde, Paſtellbilder, Zeichnungen, Silhouetten uſw., die für die Geschichte der Stadt Saarbrücken von aller- größtem Werte sind. Man sieht aus all den Arbeiten, daß die französiſche Revolution seiner künstlerischen Entwicklung eine ganz neue Wendung gegeben hat. Während er in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch ganz in der Welt des Rokoko lebt und malt, geht er nach der Revolutionszeit ~ er iſt 1812 geſtorben – gu einer viel größeren Sachlichkeit über. Leider ſind Heute nur wenige von ihm gemalte Bilder bekannt. Die vielen Bleiſtiftſkizzen von Persönlichkeiten aus Saarbrücken, sowie von französischen Offizieren wiesen darauf hin, daß er als Porträtmaler recht beliebt und bekannt gewesen sein muß. Es wird Sache der Stadt Saarbrücken, die ja dank der Mittel, die die Stadt- verordnetenverſammlung bewilligt hat, das ganze Muſeum aufgebaut hat, diese Werke des Saarbrücker Malers als Eigentum zu erwerben. Blicken wir auf das ganze Museum, so können wir mit großer Befriedigung feſt- stellen, daß hier wirklich aufbauende Kulturarbeit geleiſtet worden iſt und weiter ge- Teiſtet wird. Es sind ausgezeichnete, vielverſprechende Anfänge, die jetzt schon zeigen, daß hier eine bodenständige. rein deutsche Kultur lebte. Das neue Mwreum wird mit dezz beitragen. in den Saarländern die Liebe zu ihrer Heimat und ihrer heimischen ultur zu vertiefen. Amerikn über Frankreich. Der ſstürzende Franc blickt erſtaunt auf die ſtabili- Frankreich könnte ſchon tiefer in ſeine Taſche sierte Mark und fragt ſich, wer nun überhaupt den greifen, wenn es nicht einen Säbel in der Hand hätte. Urieg gewonnen hat. „Philadelphia Record“: „Weſt Palm Beach Paoſt“. % % Die franzöfiſche Sprache ſcheint die ſc<werſte zu Während des Krieges hat uns Frankreich immer ſein, um ſich darin über Schuldenrückzahlung unter- geſagt, daß wir ewig in ſeiner Schuld ſtänden, und halten zu können. nun regen wir uns darüber auf, daß es ſein Wort „WVinſton Salem Journal“. hält. „New York Sunday American“. „Die große, ſtarke Reichsmark begrüßt heute den jämmerlich zerſchundenen Franken mit den Worten: „Na, Kleiner, auch bald Billionär?“ „New Yorker Staatszeitung“. 144