Saarkalender für das Jahr 1926 mittel schritt die Ausführung des Bergschulplanes nur langsam voran. Jedenfalls hatte der französische Staat schon damals den Gedanken, möglichſt großen Nutzen aus unsern unterirdischen Kohlenschätzen zu ziehen. Dies beweist auch der Umstand, daß Napoleon auf seiner Durchreiſe nach Rußland im Mai 1812 die Ingenieure der Geislauterner Grube nach Saarbrücken kommen ließ, um ihren Vortrag über die Unterſuchung des Bodens nach Kohlenſchichten und über die zweckmäßige Ausbeutung der reichen Kohlen- vorräte zu hören. – Jedoch der Sturz Napoleons und das Ende der Franzoſen- herrſchaft in unserer Saarheimat ließen die Weiterführung des großgügigen Planes nicht mehr zu. Als Preußen (1815) von den Saarbrücker Landen Besitz genommen hatte, war von dem Bergschulgebäude erſt derjenige Flügel beendet, in dem sich der große Lehr- und Hörsaal befand. Als einziges Wahrzeichen dieſes französischen bergmännischen Planes steht heute noch der Anfang des Bergschulgebäudes in der Villa des Mühlen- beſsitzers Schäfer-Geislautern vor uns. Schon gleich nach Besitzergreifung unserer Heimat durch Preußen faßte die preußi- sche Bergverwaltung die Gründung einer Ausbildungsanstalt für Grubenbeamte ins Auge. Den französischen Plan und dessen begonnene Ausführung zu Geislautern ließ d:e Saarbrücker Verwaltung völlig außeracht. Es sollte Ende des Jahres 1816 eine Beroſchule in Saarbrücken gegründet und der Unterricht zu Beginn des Jahres 1817 auſgerommen werden. Nach dem durch das Rheinische Oberbergamt zu Bonn genehmig- ten Vorschlage des Saarbrücker Bergamtes ſollte der Unterricht durch Bergbeamte an junge Bergeleven in den Anfangsgründen der Mathematik, Markſcheidekunſt und im Zeichner erteilt werden. Die Saarbrücker Schule sollte nach dem Plane der Bergschule zu Eisleben ausgebaut werden. Da jedoch im Jahre 1819 nur zwei und dazu noch ſchlecht î vorgebildete junge Bergschüler im Bezirke vorhanden waren, so war an die Einrichtung einer Schule mit dem umfangreichen Lehrplane nach dem Vorbilde der Eislebener nicht zu denken; man mußte sich vielmehr begnügen, im genannten Jahre sechs fähige junge Berglcute soweit zu unterrichten, daß sie brauchbare Grubensteiger zu werden versprachen. Eincrseits die nebenamtliche Unterrichtserteilung seitens der Bergbeamten, wodurch öfters eine Unterbrechung des Unterrichts nicht zu umgehen war, andererſeits der Mangel jedweden Lehrplanes war ſür die Heranbildung der Gruben- und Rechnungsbeamten nachteilig. Ein Lehrplan wurde erſt 1822 aufgestellte Am 7. Oktober 1822 wurde em geregelter Schulunterricht begonnen mit dem Resultate, daß im folgenden Jahre mehrere junge Feu. mit zueſtehk. zus Aſtetuns a! Grubenhcozzte entlgſen werben Korzten: E , e r ann d ah er als rün dun g s t a e r a a r- bruck er Berg ſchule im engeren Sinne Lo g o o q s Trot, der Bemühungen sowohl der vorgeſetten Behörde wie von Lehrern und Schülern, die Erfolge der jungen Bergschule zu fördern, waren die Resultate im allgemeinen mäßig. Es zeigte ſich hier wieder der Mangel an den elementarſten Kennl- nissen der zur Bergschule kommenden jungen Leute, die oft kaum lesen noch ſchreiben koennten, als auch eine mangelhaſte Ausbildung einzelner Lehrkräfte, die aus franzö- sischer Zeit übernommen waren. Hierunter litt natürlich auch die Ausbildung an der Bergschule. Erst mit der fortschreitenden Vervollkommnung der Elementarſchule wurde erſpricßliche Arbeit in der Bergschule geleiſtet. Wirkliche zufriedenstellende Resultate zeitiale die Schule in Saarbrücken, die aus zwei Klassen bestand, nach der im Jahre 1858 vorgenommenen Reorganisation des bisherigen Bergſchulweſens. Die Ausführung des Reorganisſsationsplanes übernahm der damalige Bergamtsdirektor Krauſe im Verein mit dem Privatdozenten Dr. Andrä aus Halle, welch letzterem die Oberaufsicht über dea Unterricht und die Handhabung der Schuldisziplin übertragen wurde. Während die Ober- klaſſe in Saarbrücken beſtehen blieb, gingen die dortige wie die Neunkirchener Unter- klaſſe ein; an ihre Stellen iraten sechs Vorſchulen als Vorbereitungsanſstalten für di» Saarbrücker Bergschule in den Orten: Neunkirchen, Merchweiler, Heusweiler, Dud- weiler, Völklingen und Derlen; jedoch gingen die drei Vorſchulen zu Heusweiler, Merch- weiler und die von Derlen nach Ensdorf verlegte Schule bald ein. So nahm das Berg- schulwesen unserer Saarheimat auf der durch die Neuordnung von 1858 geschaffenen Grundlage sehr bald einen erfreulichen Aufschwung. (Nach Haßlacher-Wewegter.) 135