Saarkalender für das Jahr 1924. Anton v. Werner in Banarbrücken. (Nach Mitteilungen von Professor Dr. h. e. Ruppersberg-Saarbrüchken.) ſeinem Buche „Erlebniſſe und Eindrücke 187091890“ spricht Anton v. Werner auch über die Herſtellung der hiſtoriſchen Bilder im Rathausſaale zu Alt-Saarbrücken. Diese Mitteilungen des Meisters werden für die Bewohner Saarbrülſclkens gewiß von Interesse sein. I E.) Im Jahre 1876 kam v. Werner auf der Rückreise von München nach H ¿. Radolfzell, wo er Schesfel beſucht hatte, zum erſten Male nach Saar- ss ' brücken, um Lokal- und Porträtſtudien zu den Wandbildern zu A & machen. Wir lesen auf Seite 173: „Da der Bahnhof sich als unzu- reichend für die von Minister v. Michler 1870 angeregte Ausmalung erwiesen hatte, war von der Stadt Saarbrücken ein Anbau an das kleine unzureichende Rathaus der Stadt beschloſſen und inzwischen ausgeführt worden. der einen für diesen Zweck be- ſtimmten Saall von mäßigen Dimensionen enthält. Schon 1875 hatte ich kleine getuſchte Entwürfe für die Ausmalung sowohl wie für die übrige dekorative Ausſtattung, für die ich Kayser und v. Großheim (Architekten in Berlin) gewonnen hatte, dem Miniſterium eingereicht, das mich nach Anhörung der Landes-Kunsſt-Kommiſſion mit der Aufgabe betraute, zunächſt größere ausgeführte Farbenſkizzen herzuſtellen. In dem miniſteriellen CErlaſſe vom 10. Dezember 1870 war ich aufgefordert worden, mich vor meiner Ueber- ſiedelung nach Berlin nach Saarbrücken zu begeben. um „von Augenzeugen die näheren Umstände der darzuſtellenden Szene zu erfahren; denn bei einem hiſtoriſchen Gemälde aus der Gegenwart wird es mehr als in anderen Fällen der hiſtoriſchen Treue, nament- lich auch rücksichtlich der Personen, welche an dem Ereignis teil hatten, bedürfen.“ Le. Forderung war ich bei meinem diesjährigen Aufenthalte in Saarbrücken nachgekommen.“ Auf Seite 195 kommt v. Werner wieder auf Saarbriicken zu ſprechen: Bei unseren Wanderungen durch Rothenburg hatte ich Scheffel gebeten, mir als Umlſchrift um den, Reichsadler, den ich für das Mittelfeld der Deicke im Rathaussaal in Saarbrüſken worgesehen hatte, einen geeigneten Spruch zu dichten. Am 22. Juli (1877) ſchrieb mir Scheffel aus Karlsruhe: „Der Spruch für den Saarbrücker Aar ging mir lange im Kopfe herum; ich glaube, in beiliegender Faſſung wird er für Saäarbrülken und die allgemeine deutsche Anſchauung paſsſen: Erweckt durch Blitz und Kampfgefahr Und treuer deutſcher Helden Tod Sah ſieghaft hier der Kaiseraar Des Reiches blutig Morgenrot. Weiter sagt v. Werner auf Seite 197: „Jch wurde durch ein interessantes Gutachten der Landeskunſtkommission über meine in der Berliner Kunstausſtellung zugleich mit dem Proklamierungsbilde ausgestellten, sorgfältig durchgeführten Sieben-Farbenſkizzen für den Rathausſaal bei meiner Rückkehr aus den Ferien überrascht. Die vom Ministerium genehmigten Motive für die Bilder waren: „Die Ankunft König Wilhelms in Saarbrücken“, flankiert von den Porträts des Kronprinzen und des Prinzen Friedrich Karl; „Der Sturm auf den Spicherer Berg“, flankiert von den Porträts Moltkes und Bismarcks, und „Viktoria“, eine leichtverſtändliche Allegorie der Verbrüderung von Nerd- und Süddeutschland auf dem Schlachtfelde, wie sie ſpäter auch Max Baumbach als Postamentgruppe für sein Denkmal Kaiser Friedrichs auf dem Schlachtfelde von Wörth angebracht hat. Es hieß: „Die Landeskunſtkommiſssion sei einstimmig der Meinung gewesen, daß die Skizzen den ernsten Charakter vermissen ließen, welche die Darstellung dicſer vaterländischen Stoffe und hiſtorisſchen Persönsichkeiten, besonders an einer ge- ſchichtlich so bedeutſamen Stätte erforderten.“ – Und ich hatte doch mit so eifrigem Bemühen während wiederholten Aufenthaltes in Saarbrücken Land und Lerte ſtudiert, wobei mir mein späterer Schüler, Karl Röchling, als Ortskundiger freundlichst zur Hand gëgangen war; hatte mir die Vorgänge von Augenzeugen ſchildern Vaſſen und das Generalsſtabswerk gründlich ſtudiert; Hatte von der Dertlichkeit in der Stadt und am Spicherer Berg Studien gemacht, von dem, was ich an Leben in den Straßen ſah, ein ganzes Skizzenbuch vollgezeichnet, Porträtstudien von Sagarbrükker Persönlichkeiten, 122