Saarkalender für das Jahr 1924. Utz amd tr "§tr pur ? Zum rern uyd eine newer gern und oft angebrachte monumentale Wappen der Leyen als Dekoration zeigt. als die wenigen auf uns gekommenen Reste einer großen ſüdweſtdeutſchen Reſidengz. Erhalten hat ſich die Hofkirche auf der Anhöhe weſtlich vom ehemaligen Schloſſe, wo ſchon der Graf ein weitläufiges Franziskanerkloſter angelegt hatte, wähvend die dabei gelegene und von den Franziskanern bediente Kirche erſt unter seiner Witwe errichtet wurde. Der Originalplan zu ihr vom 6. Dezember 1782 ,so aber nicht im ganzen befolget worden“ hat ſich erhalten. Der entwerfende Architekt iſt der gräfliche Bau- inſpektor L. Reheis, der im Schematismus der ganz erstaunlich großen Beamtenreihe des Hauſes vom Jahre 1784 — 107 Beamte sind mit Namen aufgeführt von dem Regie- rungsdirektor Philipp von Döring abwärts + als Cameralbaumeiſter erſcheint. Nach ſeinen Riſſen wurde aber nur der Grundriß der Kirche angelegt, dann setzt auch hier die beliebte kollektionistische Bautätigkeit rheiniſch-fränkiſcher Lande ein, und der Aufbau verrät eine ganz andere Hand, wie ein Vergleich mit den Reheisſchen Formen dieses Planes und seines Riſſes zur katholiſchen Kirche in Reinheim bei Blieskastel restlos erkennen läßt. Und dieſe Formen ſtellen sich als ein merkwürdiges Gemisch von barocken und klassiziſtiſchen Formen dar, das nicht immer gerade glücklich zu nennen iſt. An der Front iſt der Klaſſiziomus mehr Herr geworden, während die Fenſter sich noch) ganz als unbeholfenere Imitationen des herrlichen Aufbaues der ſchlanken und reichverzierten Meisterwerke der Fenster an der damals vielbewunderten Saarbrücker Ludwigskirche darſtellen, ſodaß vermutet werden muß, daß der Architekt im Stengelkreis zu ſſuchen iſt und Saarbrücken hier seine Einflüſſe für den Aufbau wenigstens ausgestrahlt hat. Bei den weiteren Bauten in Blieskaſtel macht sich dann wieder die Hand und der Einfluß eines Zweibrücker Baudirektors geltend, der von Chriſtian Ludwig Hautt, der der Residenzstadt Zweibrücken ihr eigentliches Wahrzeichen in dem kraftvollen und in seinem geſchmeidigen Linienſpiel sich dem Stadtbild meisterhaft anpasſenden Turm der Alexanderkirche geschenkt und in der vornehmen Bebauung einer Vorſtadt, vor allem des Herzogsplatzes darin, sich als ein Meister ruhig-abgewogener Baumaſſen] erwiesen hat, Wirk ſie heute 106 troh aller auch hier eingeriſſenen Entſtellungen eine zwingende ung ausüben. Sein Hauptwerk in Blieskaſtel iſt das ehemalige umfangreiche Waisenhaus, das heute der städtischen Verwaltung dient, ein reichgegliederter Bau, der bis in die geringsten Details den nächsten Bezug eben zu den Bauten tn dieser neuen Vorstadt in Zweibrücken aufweiſt und nur durch die reicheren, wohl hier in Blieskaſtel zur Ver- fügung gestellten Mittel opulenter geworden iſt. . t Hautt ist denn auch ohne Frage sehr weſentlich beteiligt bei der prächtigen Häuſer- gruppe, die sich in einer überaus maleriſchen und abwechſlungsreichen Gruppierung rechter Hand den Schloßberg hinan zieht und direkt in dieser einheitlichen, glücklichen Geſtal- tung einer Straßenwand ein glänzendes Muſterbeiſpiel abgibt. Diese Hausgruppe im Verein mit dem Waisenhaus verleiht denn noch heute dem kleinen Städtchen Blieskastel „in erſter Linie jene Schönheitsnote, die ihm unter den an architektoniſchen Werten nicht gerade reichen pfälzischen Städten einen besonderen Ehrenplatz zuweisen“. ) Das oberſte Gebäude, das sogenannte „Neue Schlößchen“ errichtete Hautt für den Regierungsdirektor von Döring. Seine seitlich anschließenden Mauerarkaden tragen rechts noch |drei schöne Kinderplaſtiken, während die einst die lange Gartenmauer zur linken Seite bekrönenden wuchtigen Vaſen mit dem Leyenfchen Wappen leider heute verſchwunden ſind. Zum Teil sind sie auf den Halberg gebracht worden. wo sie den Böckingſchen Garten zierten, bis sie wieder /an den Rhein auswanderten, um in den Anlagen der „Genienau“ bei Mehlen am Rhein, eine Besitzung dieser verdienten Saar- hrücter Familie, einen Ruheplatz zu finden, und so sind sie in die alte Heimat der even Krüetgelrehrt von den Bauten bes 18. Jahrhunderts in Blieskaſtel zu ſchreiben, _ olme der Frau zu gedenken, die einen großen Anteil an ihvem Gelingen hat, der Gräfin Marianne von der Leyen aus dem Hauſe Dalberg, die, als ihr Gemahl mitten aus seiner Bauleidenſchaft durch den Sturz vom Baugerüſt geriſſen war, mit starker Hand die Zügel der Regierung an sich genommen hatte und die begonnenen Bauten weiter fortführte und neue dazufügte. Es war eine Frau mit dem Charme der ganz großen Dame, die in ihrem Auftreten ſelbſt lange Zeit die eingedrungene Revolutionsarmee zu beſchwichtigen wußte, um ihrem Sohn das Land zu erhalten, da sie so voll Mut mitten unter der wilden Soldateska in Blieskaſtel blieb und sie durch die Gewalt ihrer Persön- lichkeit so beherrschte, daß sie, als man voll Undank für alle genossene Gaſtfreundſchaft 73