Saarkalender für das Jahr 1924. Die Teuerung im Baargedbiet. Warum sie kam und wie sſie wurde. Von Pr. Georg Krauſe-Wichmann-Saarbrücken. Köln hat seinen Dom, Saarbrücken aber hat seine Straßenbahn, so sagten böſe Mäuler mit anzüglicher Betonung, wenn sie auffallende Vorzüge beider Städte kenn- zeichnen wollten. Aber wir wollen nicht ſcherzen. Saarbrücken hat in den letzten Jahren noch andere Eigenſchaften angenommen, um die wir weniger zu beneiden sind. An Auswahl fehlt es nicht; greifen wir eine heraus: die Teuerung. Zahlen mit unzähligen Stellen wollen wir vergleichsweiſe mit andern Städten (die uns vielleicht nicht glauben wollen, denn jede im großen Deutſchland hält ſich be- kannllich für die teuerſte) nicht nennen; bis dieſe Zeilen erſcheinen, koftet alles schon wicder das 10fache und man seufzt: ach wie billig war es doch noch im Juni, als die Butter rechts des Rheins nur 15 000 Mk., im Saargebiet nur das Doppelte koſtete. Warum das Leben im unſerer Heimat so teuer wurde, weiß jedes Kind: der Franken war's ! Ja, er fraß sich gemächlich und unaufhaltſam durch, und wie das Sprichwort aus dem Land, das ihn uns brachte, sagt: „der Appetit kam ihm beim Eſſen“ und so verſchlang er nach und nach unsere deutſche Mark, bis er sie am t . " Rot ztz{put pat ürgang für unzählig Viele mit ſsich brachte, wollen wir hier nicht sprechen. Alle davon Betroffenen kosteten es ſchwerer aus, als es gesagt werden kann, und die anderen Leſer werden das Weh und Ach der Unglücklichen oft genug vernommen .haben, die der Pariser frangöſiſchen Staatspolitik zum Opfer fielen. Wie und warum die Ueberteuerung, dem Reiche gegenüber, kam. kommen mußte, und in welchen Etappen sie ſich entwickelte, soll hier kurz klargelegt werden. Was heißt das: Ueberteuerung und woran mißt man ſie? Sie iſt die Spannung zwiſchen den Lebenshaltungskoſten des Saargebietes und Deutſchlands, gemessen an der ſogenannten Teuerungszahl. Die Teuerungszahl wird nach einheitlichen Grundsätzen des Stat. Reichsamtes ſowohl in Saarbrücken wie im übrigen Deutschland berechnet und gibi in deutscher Reichsmark den durchſchnittlichen monatlichen Geldaufwand wieder, den eine fünfköpfige Familie (Eltern und drei Kinder) für ein zahlenmäßig festgelegtes Quantum notwendigster Lebensbedürfnisse, alſo Nahrung (hier sind es z. B. 14 verſchiedene Nahrungsmittel), Brennstoffe, Wohnung und Kleidung verausgaben muß. Dieſer Normal- Aufwand ist, wie wir alle wisſen, verſchieden groß und hierauf beruht die Ueberteuerung. Nehmen wir hier ein Beispiel aus der Wirklichkeit: im Dezember 1922 betrug der Teuerungsindex für den Reichsdurchſchnitt 61 1566, für Saarbrücken 99 735, dann war die Mehrteuerung 63 Prozent. Anstelle der umständlichen großen Zahlen wollen wir zzſerer Klarlegutz diese einfache Relation, die sich so leicht in Prozenten ausdrücken äßt, zugrundelegen. In Bild I iſt dieſe Beziehung von Februar 1920 bis April 1923 graphisch dargestellt; _ die 0- Linie gibt die Teuerung in Deutschland wieder, der gegenüber ſich die Teuerung im Saargebiet durch eine aufsteigende Kurve abhebt: die Ueberteuerung. Die Ursachen dieſer mit einem Blick erfaßbaren Entwicklung wollen wir nun in Kürze kennen lernen. Wir müssen da bei einer kleinen Beſtimmung des Versailler Vertrages beginnen. welche beſagte: „Der Umlauf franzöſiſschen Geldes im Saarbeckengebiet darf in keiner Weise verboten oder .eingeſchränkt werden.“ Davon machte der französische Bergfiskus, in deſſen Beſit die Saargruben im Januar 1920 übergegangen waren, Gebrauch und setzte am 1. Juli 1920 Löhne und Preise im Bergbau in Franken fest. Im Augenblick dieser Maßnahme würde da die Mark dama's ziemlich ſtabil war (der Franken koſtete :. ]) 1120 z! 131.2 . Out 21 ts mmer n H ENI U U;zehn der Umrechnung ihres Marklohnes den Franken zu einem niedrigeren Kurse angerechnet hätte, a's er der Wirklichkeit entſprach. Infolgedessen stieg plötzlich die Kauftraft ihres Lohnes um rund 50 Prozent. Die Bergarbeiterbevölkerung machte damals etwa !s der gesamten Saargebietsbevölkerung aus; die vermehrte Kaufkraſt dieser gewaltigen Konſumenten- maſſe mußte in Gestalt erhöhter Nachfrage sofort einen Druck auf die Preise ausüben, da das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, welches bekanntlich den Preis regeli, aus dem Gleichgewicht geraten wav. Und in der Tat sehen wir, daß die Teuerung Y Juli H ;! äs zriſtloesn Ruck zum ersten Male über das Teuerungsniveau im rigen Deu nd e ; : 41 ; s