Saarkalender für das Jahr 1924. als ebenſoviele Paſchaliks, die es ſeinen Janit- scharen preisgab, und in denen es seine Günſt- linge anſiedelte.“ Nach mehr als 22ijiähriger Fremdherrſchaft schlug im Anfange des Jahres 1814 die Stunde der Befreiung. In der Neujahrsnacht überſchritt Blücher bei Kaub den Rhein, und am 7. Januar erſchien der Vortrab des Yorkſchen Korps, schwarze Huſaren und Kosaken, an der Alten Brücke in St. Johann, die alsbald von den ſtzresfen geſprengt wurde. Doch nach kurzem iderſtand mußte sich der Feind zurückziehen, und am 11. Januar zog Fürſt Blücher unter dem Jubel der Bewohner in Saarbrücken ein. Das Saargebiet wurde nun dem Gouvernement des Mittelrheines angegliedert, welches dem Staatsrat Juſtus v. Gruner unterſtellt war. Dieser richtete am 2. Februar 1814 folgenden Aufruf an die Bevölkerung: „Bewohner dieser deutschen, lange unterjochten Länder, als ein Deutſcher komme ich zu Euch, den teuer ver- mißten, teuer wiedererkämpften Brüdern, Euch im Namen großer, hochherziger Monarchen Freiheit, Selbſtändi gk eit, Ehre un d Glück zurückzugeben. Zeigt Euch ſo großer Geſchenke würdig! Verdient das Blut, welches für Euch gefloſſen! Bringt- willig die Opfer des Augenbl.css zur Befestigung einer ehrenvollen, glücklichen Zukunft! Was die ſieg- reichen verbündeten Heere Euch gegeben, das ſuchet zu verdienen und zu erhalten! Ge - d enk et d es gr o ß en Reichs ver b an- des und d er ge m e in ſam e n Sprache, die Euch auf ewig mit uns verbin- d e t! Be we iſt Euch wür dig, Deutſſche au. sein,. und bleiben!“ Diese Worte fanden einen lebhaften Wider- hall in den Herzen der Bewohner, deren deut- scher Sinn, mit Gewalt unterdrückt, jetzt kräf- tig wieder auflebte. Der Sieg Blüchers bei La Rothière am 1. Februar wurde in den Städten Saarbrücken und St. Johann mit einem Dant- feſt gefeiert, und nachdem die verbündeten Monarchen in Paris eingezogen waren, wurde am 17. April 1814 abermals ein Feſt gefeiert, um, wie es in dem Erinladungsſchreiben des Kreisdirektors Haupt heißt „dem allmächtigen Gott den fleierlichten Dank dafür dar- zubringen, daß er nach zwanzigjährigem namen- loſen Elend uns endlich dem Kummer entrissen, tn. gr ſerem uten. peut [- f 5. Eletc ohne Beiſpiel die gewisse Hoffnung geschenkt hat, nicht mehr von demſelben getrennt und an .: fremdes V olk g ok ett et zu . werden.“ Aber die Hoffnungen der Saarbrücker wur- den grauſam getäuſcht. In dem Frieden von Ihr. werdet . es Paris (30. Mai 1814) erhielt Frankreich die Grenzen vom 1. Januar 1792, einem Tage, an dem Saarbrücken noch deutſch geweſen war, aber durch das politiſche Ränkespiel der ver- bündeten Mächte, bei denen Kaiser Alexander von Rußland das entſche:dende Wort ſprach, wurden die Kantone Saarbrücken und St. Ar- nual bei Frankreich belaſſen. Das hatte der gewandte französische Unterhändler Talleyrand in seinem eigenen und dem franzöſiſchen Intereſſe an den Saarkohlengruben durch- 4 38 gesetzt. –~ Darob herrſchte große Trauer im Saarbrücker Lande, und das Mitgefühl mit den von dem Mutterlande verlaſſenen Saarbrückern war in Deutſchland allgemein. Damals dichtete Friedrich Rückert das rührende Lied „A r m Sa ar v ö glei n“. Zum Glück für die Bewohner der Saar- gegend war der Frieden von Paris nicht von Dauer. Am 1. März 1815 landete Napoleon von Elba aus an Frankreichs Küſte und wurde mit Jubel aufgenommen, aber bei Waterloo (18. Juni 1815) erblich sein Stern für immer, und die Heere der verbündeten Mächte über- [ſr t" Urotrutlke vis Gurt Et. Uohutre Pie von französiſchen Nationalgardiſten verteidigt wurde, von bayriſchen. Truppen erſtürmt. Am 10. Juli kam der preußiſche Staatskanzler, Fürſt Hardenberg, auf der Reiſe nach Paris in Saarbrücken an. Eine Abordnung der Bürger- ſchaft, an deren Spitze der patriotiſche Heinrich Böcking ſtand, sprach dem Staatskanzler den Wunſch der Bevölkerung aus, mit Deutſchland und zwar mit Preußen vereinigt zu werden. Der Staatskanzler verſprach, dieſe Bitte bei den verbündeten Monarchen zu befürworten; er wurde der Gegenſtand begeisterter Huldi- gungen, und in einer eilig berufenen Verſamm- lung gelobten in den damals noch ganz gering bevölkerten Städtchen 348 Bürger, mit allen Mitteln für die Lostrennung von Frankreich und die Wiedervereinigung mit Deutſchland zu wirken. Die Bürger von Saarbrücken begnüg- | ten sich nicht mit dem Versprechen Hardenbergs, sondern sandten zwei Abgeordnete, Böcking und Leukhardt, nach Paris, um ihren Wunſch dort bei den Monarchen und Staatsmännern nach- drücklich zu vertreten. – Und ihre Bemühungen wurden von Erfolg gekrönt. Durch den zweiten Frieden von Paris (20. November 1815) wurde die ganze ehemalige Grafschaft Saarbrücken und das Gebiet von Saarlouis mit Preußen vereinigt. Segensreiche Friedensjahre erlebe nun des J Land unter dem Schutze des preußiſchen Adlers. Aber das Verlangen der Franzoſen nach dem Saargebiet erloſch nicht. Im Jahre 1840 wurde bei der orientaliſchen Verwickelung in Frank- reich der Ruf nach der Rheingrenze laut. In Deutſchland antworteten ihm zwei Dichter. Nikolaus Becker mit dem Rheinlied „Sie sollen ihn nicht haben“ und Max Schneckenburger mit der „Wacht am Rhein“, die erſt dreißig Jahre ſpäter zum Volksgesſang werden ſollte. Dieſe Verwickelung ging zwar ohne ernſte Folgen vorüber, aber im Jahre 1860 verbrei- tete sich das Gerücht, daß Preußen, um Napo- leons III. Freundschaft zu gewinnen, das Saar- gebiet an Frankreich abtreten wolle. Zu dieſer Zeit kam der Prinzregent, der ſpätere Kaiser Wilhelm I., zu der Einweihung der Rhein- Nahe-Bahn und der Trierer Bahn nach Saar- brücken. Der Vertreter der HBuürgerschaft, Dr. Jordan, brachte bei der Begrüßung des hohen Gastes die Ueberzeugung der Saar- brücker Bevölkerung zum Ausdruck daß je d er Fuß br eit d e ut ſ ch e n Bodens, | je d e Ford erung d e ut ſchen Rechtes, je d er Puls schlag pre uß i ſ che r un d deut ſ< er Ehre gegen j e d en An-