Saarkfalender für das Jahr 1923 Hurra, der Franken ſoll leben! as Täfelchen wird gewechſelt. =- Er iſt geſtiegen! =- Sehr gut! = Soll ich nun umtauſchen, ſoll ich nicht! = J< glaub, ich ſoll... Hinein alſo! = Sie drängen, haſten, ſchieben. „Heilge Flamme, glüh . . .1!“ Tieftraurig geht der Fremde weiter. Er windet ſich durch den Verkehr hindurch, biegt ab; dann weiter draußen wohnt ein Freund, den er von einem früheren Aufenthalt her kennt. Treu und wohlmeinend hat er ihn befunden. Da liegt das kleine, hübſche Häushen. Er zieht die Klingel. Sieh da, ein fremd Geſicht! „Wohnt hier mein Freund, Herr Ehrlich, nicht?“ „Ah ſo, den ſuchen Sie. Sie finden ihn nicht mehr. Der Herr, dem das Haus früher gehörte, bewohnt nun eine Villa drüben im anderen Viertel. Seine Geſchäftsräume liegen in einer der Hauptſtraßen. Reicher Mann, aber =“ 4er fremde Mann glaubte etwas wie Wucherer und Schieber zu vernehmen. Oder hat er ſich verhört. Die Tür klappt zu. Die Villa. Reich ausgeſtatteter Vorraum, teppichbelegte Treppen. Ein Diener. Herr Ehrlich kommt aus dem Frühſtückszimmer, weingerötet. „Ah, Sie ſind's!“ Recht befangen klingt's. Dann aber zieht er den Fremden mit hinein an den vollbeſetzten Tiſch. Die Gnädige, noch jung, noch ſchön, reichlich ausgeſc<hnitten, ſeidengeſc<mückt, ein wenig un- gnädig der Störung wegen. Ein Derr; j<on bejahrt, beleibt, mit höchſter Eleganz gekleidet | Entſchuldigungen flüſtert Herr Ehrlich dem düſter blikenden, einſtigen Freund zu und. dabei wirft er einen bedeutungsvollen Seitenbli> auf das unverhohlen weiter liebelnde Paar: „Wiſſen Sie, der große, ſchwerreiche =.“ Der Fremde hört ſeine Worte nicht bis zum Ende an. „Das goldene Kalb!“ klingt8 ſ<hmetternd von den Wänden wider. Betroffen ſtarren drei die Tür an, durch die der Störenfried das Zimmer verlaſſen. Der aber verſpricht ſich, den Herrn Ehrlich nicht wieder aufzuſuchen. Tiefſte Weihe des Daſein38, Himmelsſtaffel, Gotte8geſchenk! Beethoven, Mozart, Wagner, Bach! Großes Konzert. Berühmte Gäſte, verſtärktes Orcheſter. Es ſtrömt durch die Pforte, Roben ſchillern, Perlen bliten, Nacken blinken, Rauſchen, Lachen, Shwatßzen. Der ſchwarze, bleiche Fremde ſchiebt ſich dur<38 Gedränge. Jm Reich der Töne will er Erhebung gewinnen. Da überfliegt ſein Bli> die Menge. Nur wenige ſind zu ſehen von den alten, bekannten Geſichtern, die geiſterfüllt harrten, von Gefühlen ſprachen. Er weiß ſie zu ſcheiden. Menſchen anderer Art. Aber ſie wiſſen, was ſich ſchickt. - Konzert! Beethoven, Mozart, Wagner, Bach! =- Auch wenn es eine Marter iſt, jo lange zu ſiken und zuzuhören. Guter Ton. Beethoven, Mozart, Wagner, Bach! Habt ihr darum gelitten, geſtritten, geſchaffen, gelebt? Zurückdämmt die Flut wallenden Geflüſters vorm Taktſto> des Kapellmeiſter3. Nun die erſten Takte. Dritte Symphonie: Eroika. Der Fremde kann ſie nicht anhören, in dieſer Umgebung nicht. Er geht, nachdem kaum der erſte Satz verklungen. Bald zieht ihn, weiß nicht wie, ein Geigenton an =- ihn, der Muſik eben erſt zürnend ver- laſſen. Zögernd folgt er der neuen Lo>ung. | Eine Bar. Schmaler, länglicher Raum, Weiber. Feiſte und weniger feiſte; weißpudrige Geſichter, jchwarzgeränderte Augen, fiebrige Blike, eine Luft wie Luſt und Sinnlichkeit, ſchwanger von Alfohol und Menſchenſcheuſaldunſt . .. Künſtlerkapelle, Szardas8, Niggerdanz. Verenkte Glieder, Kniewippen, Knieſtoß, die Hunderter fliegen . . . Verlumpte Gewiſſen, verlodderter Geſchmack. 109 Bezzera ere m een