383 3. Internierungen in Rheinland-Pfalz 3.1. Die Internierungslager in der Pfalz und in Rheinland-Hessen-Nassau 1945 bis 1947 Die französische Militärregierung fand bei der Übernahme des Besatzungsgebietes eine chaotische Situation vor. General Billotte berichtete im Juli 1945 nach Baden- Baden, daß in den von der US-Armee übernommenen Lagern die verschiedensten Personen interniert und kaum Unterlagen vorhanden gewesen waren: Les SS etaient melanges aux autres prisonniers ... et de nombreux civils se trouvaient parmi les pri- sonniers militaires, ainsi que des enfants dont certains etaient äges de 8 ans. Quel ­ ques femmes se trouvaient dans des camps ä part. Une grande partie de ces prison ­ niers, sous-alimentes, se trouvent dans un etat de misere physiologique inquietant. Die Militärregierung ließ umgehend Kinder, Schwerkranke und zahlreiche Frauen frei und trennte Kriegsgefangene von politisch Internierten 1 . Sie nahm allerdings auch Verhaftungen "verdächtiger" Personen und von NS-Aktivisten vor 2 . Am 15. Dezember 1945 befanden sich in den Lagern in Rheinland-Hessen-Nassau 3.761 Internierte 3 . Einzelne Freilassungen konnten zwar nicht auf offiziellem Wege, aber durch persönliche Vorsprache erreicht werden: Erfahrungsgemäß hat ein Gesuch um die Freilassung eines politischen Gefangenen kaum Aussicht auf Erfolg. Fast re ­ gelmäßig haben Pfarrer, die sich persönlich beim Lagerkommandanten für die Entlassung eines Pfarrkindes einsetzten, ihr Ziel wirklich erreicht 4 Das Lager Idar-Oberstein wurde zuerst vom 2 e Bureau des 2. Armeekorps unter Bri ­ gadegeneral Callies verwaltet, später wurde es von der Sürete übernommen. Im Juli 1945 befanden sich in diesem Lager etwa 4.000 Personen, arretees pour des motifs divers, wie die Militärregierung feststellte 5 . 1946 wurde das Lager aufgelöst. In Rheinland-Hessen-Nassau gab es danach nur noch das Lager Diez (Ortsteil Freien ­ diez), in dem sich im November 1946 ungefähr 3.500 Häftlinge - überwiegend ehe ­ malige hohe Parteibeamte - befanden 6 . In der Pfalz bestanden bis Mitte 1946 zwei Internierungslager: die Fort-Kaserne in Landau und das Lager Wörth. Beide Lager 1 GMRH: Billotte an Laffon, 29.7.1945; BROMMER, S. 38ff„ hier S. 47. Siehe auch: GMRP/EPU: "Rapport sur la dönazification", 23.9.1947; AOFAA DGAP c.233 p.51. 2 Hierzu: ldre Armde Fran<j./5e Bureau/GM du Palatinat: Lt-Col Thomazo: "Rapport Hebdomadaire", 17.-23.6.1945; MAE Y 1944-49 d.433/95ff„ u. die Landratsberichte aus dem Regierungsbezirk Koblenz vom August/September 1945: LHA KO 441/45357/67-75, 27-29, 59-65 u. 136-140. 3 CCFA/SUR, 14.1.1946; AOFAA DGAP c.232 p.47. 4 BO Speyer: Generalvikar Haußner an das katholische Pfarramt in Lauterecken, 5.2.1946; BSTA SP 12/4a. 5 Rapport, 23.9.1947 (Anm. 1), u. Callies: Note de Service, 25.8.1945; AOFAA RPP c.2318 p.6a. Das Lager lag in Algenroth bei Idar-Oberstein. 6 Hierzu: GMRH: "Rapport mensuel", Juli 1946; AOFAA DGAP c.233 p.56, u. der Lagebericht des Re ­ gierungspräsidenten Sommer an Boden, 27.7.1946; BROMMER, S. 182-190, hier S. 185; "Rheinischer Merkur" Nr. 71/46 (15.11.1946), S. 5.