371 Die Internierungslager in Deutschland wurden nach 1945 oft auf dem Gelände ehe ­ maliger Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter- oder Konzentrationslager (zum Beispiel das Lager Esterwegen in der britischen Besatzungszone 8 ) eingerichtet. Im Saarland wurden nach dem Ende der Kampfhandlungen die verhafteten Personen zunächst an verschiedenen Orten untergebracht. Im Juni 1946 dienten neben den drei großen La ­ gern Binsenthal, Theley und Saarbrücken auch der Richard-Wagner-Bunker, der Po ­ lizeibunker am Befreiungsfeld, der Schmoller- und der Ulanenbunker, das Lerches- flur-Gefängnis und das Amtsgerichtsgefängnis in Saarbrücken als provisorische Un ­ terbringungsorte 9 . Anfang Juli 1945 war das Camp de Sejour Surveille Binsenthal bei Neunkirchen eingerichtet worden - es bestand bis in den Sommer 1946. Heute ein gerne besuchtes Naherholungsgebiet im Stadtteil Heinitz, hatte es bereits vor 1945 als Kriegsgefangenenlager gedient 10 . Ende September 1945 waren dort 487 Personen inhaftiert; das Lager sollte für 800 Personen Platz bieten. Die Ernährung der Inter ­ nierten wurde durch die deutsche Verwaltung, die medizinische Versorgung durch die Militärregierung sichergestellt. Die Baracken besaßen Warmwasser-Duschen und Heizung; die Internierten wurden zu Ausbesserungsarbeiten des Lagers herangezo ­ gen. Grandval berichtete im September 1945 nach Baden-Baden, daß den Internier ­ ten auch eine Bibliothek (lecture edifiante et educative) zur Verfügung stehe 11 . Ein weiteres Internierungslager wurde Anfang November 1945 in Theley (bei Tholey), auf dem Gelände eines ehemaligen Lagers für sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter angelegt 12 . Grandval beauftragte am 19. Oktober 1945 Regierungs ­ präsident Neureuter, das Lager bezugsfertig zu machen; es sollte etwa 600 Personen aufnehmen können 13 . Das dritte größere Internierungslager befand sich in Saarbrüc ­ 8 Wember, S. 81 ff. 9 Landrat St. Ingbert Grieser, 19.6.1946; LA SB LRA St. Ingbert 69. 10 Die Lagerbaracken waren auf dem Betriebssportplatz der Berginspektion VII Heinitz aufgestellt: An ­ dres, Felix: 140 Jahre Heinitz. Heinitz 1987, S. 73ff.; Volk, Hermann: Heimatgeschichtlicher Wegwei ­ ser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4: Saarland. Köln 1990, S. 94 u, 174ff. Das einzige Buch, in dem eine längere Beschreibung der Internierungslager vorkommt, ist von einem fast nationalsozialistischen Gedankengut gekennzeichnet. Dem Autor, Schulrat Johann Engel, gelang das Kunststück, in seiner Ortschronik über Theley zwar ausführlich den Schrecken des alliierten Bombenkrieges zu beschreiben, Adolf Hitler oder irgendwelche Verbrechen des NS-Regimes aber mit keinem Wort zu erwähnen. Über die Zeit nach 1945 schreibt er: Die Heimat war ein großes Gefange ­ nenlager geworden. Wo einst freie Kelten ihren Toten die Ruhestätte schufen, ... da füllte man Arbeits ­ dienstbaracken mit deutschen Männern aller Berufe in einem Konzentrationslager. Stacheldraht und Krähennester zeigten den Vorübergehenden, daß hier der Haß noch in Blüte stand. Vielhundert Fami ­ lienväter von der Saar und den Hunsrückhöhen erwarteten hier ihre Aburteilung durch ein Offiziersge ­ richt oder ihren Weitertransport nach den Baracken des Binsenthaies bei Neunkirchen-Heinitz, wo auf einem ehemaligen Schlammweiher über 600 Männer und Frauen auf ihre Freiheit warteten; Engel, Jo ­ hann: Theley einst und jetzt. Ein Heimatbuch (Im Auftrag der Gemeinde Theley). Baltersweiler 1966, S. 223f. 11 GMSA, 13.9.1945, u. GMSA, September 1945 (Anm. 5); CCFA/DGAA/DOC 1143: Bericht, 20.9.1945; AOFAA DGAP c.231 p.42 d.70. 12 Volk, S. 174ff. Ich danke Herrn Landau vom Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel und Herrn Dr. Wolfanger für ihre Informationen. 13 GMSA/DAA/IC 5117 u. 5134: Grandval an Neureuter, 19. u. 23.10.1945; LA SB Min/Innem 899.