370 2. Internierungen im Saarland 2.1. Die Internierungslager im Saarland 1945 bis Ende 1947 Die französische Militärregierung übernahm mit der Regierungsgewalt im Saarland auch die durch die amerikanischen Truppen inhaftierten politischen Gefangenen. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Personen, die nicht unter die Intemierungska- tegorien des SHAEF-Handbooks fielen 1 . Erschwerend kam hinzu, daß die amerikani ­ schen Offiziere kaum Unterlagen zurückgelassen hatten, und der Inhaftierungsgrund daher oftmals unbekannt war 2 . Außerdem befanden sich noch viele "gefährliche" Nationalsozialisten in Freiheit, nach denen die Militärregierung jetzt intensiv fahn ­ dete: Depuis l'installation du Gouvernement Militaire de la Sarre, de nombreuses ar- restations de nationaux allemands ont ete effectuees: elles concement des individus dangereux pour la securite des troupes d'occupation ou dont les activites national- socialistes sont connues 3 . Im Dezember 1945 wurden in einer groß angelegten Fahndungsaktion 780 National ­ sozialisten verhaftet. Die Gesamtzahl der im Saarland Internierten stieg auf 1.383 Personen an. Gouverneur Grandval berichtete nach Baden-Baden, daß diese Aktion von der Bevölkerung mit Befriedigung aufgenommen worden sei (qui ont produit un excellent effet sur la population) 4 . Zur Überprüfung der Internierten wurde eine Un ­ tersuchungskommission (Commission de Triage) gebildet. Sie nahm am 25. Oktober 1945 ihre Arbeit auf und untersuchte in den ersten vier Wochen die Fälle von 202 Personen. Ab Januar 1946 tagte sie zweimal in der Woche in den Lagern Theley und Binsenthal 5 . Grandval war dennoch mit ihrer Arbeit unzufrieden. Er ermahnte Mitte Januar die Kreisdelegierten, der Sürete die gewünschten Informationen über die Be ­ troffenen vorzulegen. Zu viele unschuldige Personen säßen noch in Haft: Meme en territoire occupe, la liberte individuelle est ä respecter, et il est inadmissible qu'il soit procede ä des arrestations arbitraires et non motivees 6 . Aber auch noch einen Monat später beklagte Leroy das Fehlen der Ermittlungsakten von 122 Internierten des Lagers Binsenthal 7 , 1 So der Fall eines ehemaligen Ortsgruppenleiters der NSV, der im Mai 1945 verhaftet worden war und erst im März 1946 nach seiner Überprüfung durch die französische Militärregierung wieder freikam. Staatskommissar Manderscheid schrieb über ihn in einer Eingabe an das Landesamt Saar - Vermö- genskontrolle daß er wie eine größere Anzahl von kleineren Amtsträgem der NSDAP infolge der un ­ klaren Rechtsverhältnisse kurz nach der Besetzung von der amerikanischen Militärbehörde zu Unrecht festgenommen und längere Zeit inhaftiert war, Manderscheid, Bescheinigung, 24.11.1949; LA SB OSR 78. 2 Siehe das Kapitel B.2.1. 3 GMSA: Bericht an Laffon, 13.9.1945; AOFAA DG AP c.231 p.42 d.70. 4 GMSA: "Rapport mensuel", Dezember 1945; CCFA/SUR: Andrieu an Laffon, 14.1.1946; AOFAA DGAP c.1675 p.71 u. c.232 p.47. 5 Von den 202 Personen wurden 17 freigelassen und 74 als mutmaßliche Kriegsverbrecher der Militäiju- stiz übergeben; GMSA: "Rapport mensuel" September u. November 1945, Januar 1946; AOFAA CC POL III K 2 u. AP GG d.7-W. GMSA, 13.9.1945 (Anm. 3). 6 GMSA/DAA/IC 5662: Grandval, 21.1.1946; MAE NANTES Cab.Pol. 81/17. 7 GMSA/DAA/IC: Leroy an Kuntz, 22.2.1946; MAE NANTES Cab.Pol. 81/18.