286 praktiziert. Bahnbeamte, deren Wohnsitz nicht mit dem Dienstort übereinstimmte, mußten daher zwei Entnazifizierungsbescheide vorweisen können 8 . Mit der zunehmenden Durchlässigkeit der Zonengrenzen stellte sich immer drängen ­ der die Frage der gegenseitigen Anerkennung der Entnazifizierungsbescheide. Die Beratungen im Alliierten Kontrollrat blieben bis Februar 1948 ohne Erfolg. Baden- Baden begann daraufhin bilaterale Verhandlungen mit der amerikanischen Militärre ­ gierung, die am 15. Dezember 1948 mit der Unterzeichnung des französisch-ameri ­ kanischen Abkommens Validite interzone des jugements d'epuration endeten 9 10 . Zehn Tage später informierte Roynette Junglas über die einzelnen Bestimmungen! 0 . Jun ­ glas nahm Verhandlungen mit den benachbarten Ländern der amerikanischen Zone auf. Am 24. Januar 1949 wurde die gegenseitige Anerkennung der Spruchkammer ­ urteile mit dem Land Hessen vertraglich geregelt 11 . Die Anerkennung von Beschei ­ den aus der britischen Zone stieß dagegen nach wie vor auf große Schwierigkeiten, da hier teilweise andere Einstufungsmaßstäbe galten. In diesen Fällen mußte mit dem Landeskommissariat Rücksprache gehalten werden 12 . 7.2. Die Kritik Baden-Badens an den Ergebnissen des Spruchkammerverfahrens Mit Inkrafttreten der deutschen Gesetze im Frühsommer 1947 zog sich der Service Epuration in Baden-Baden aus der direkten Entnazifizierungsarbeit zurück, beob ­ achtete aber aufmerksam die Entwicklung in den einzelnen Ländern. Außerdem un ­ terlagen alle Entnazifizierungsgesetze weiterhin der Kontrolle der Militärregierung in Baden-Baden. Nur General Koenig konnte bereits verurteilten Nationalsozialisten Sühnenachlaß gewähren. Anfang November 1947 sah sich Laffon zu massiver Kritik veranlaßt. Durch die langsame Konstituierung der Spruchkammerorgane und die ersten, in seinen Augen erschreckend milden Urteile sei die gesamte bisher geleistete Entnazifizierungsarbeit in Gefahr. Das neue Verfahren sei von einer indulgence systematique gekennzeich ­ 8 Junglas, 28.8.1947; Anfrage der Generaldirektion der Betriebsvereinigung der südwestdeutschen Ei ­ senbahnen an Junglas, 23.2.1949; AOFAA RPc.1093 u. c.901 p.7. 9 Die US-Militärregierung hatte die Einordnung sämtlicher Entnazifizierungsbescheide gemäß der KR 38 als Voraussetzung für ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung der Entnazifizierungsbescheide genannt. Text des Abkommens: AOFAA DGAP c.3302 p.91 d.5 u. RP c.l 104. Zu den Verhandlungen siehe: OMGUS/Berlin: Hall (Section Public Security) an Delechaux (GFCC), 21.5.1948; AOFAA GMFB p.173 L 2. MAE/EU: De Leusse an Koenig, 15.9.1948; CCFA/CC/SG/AACS/INT/DENAZ 1359 u. 1775: Toumie an Koenig, 30.9.1948, u. an Tarb6 de Saint-Hardouin, 15.12.1948; AOFAA CC POL III E p.36 u. DGAP c.232 p.46. 10 GMRP/EPU 746: Roynette, 1.4.1949, mit Hinweis auf sein Schreiben vom 27.12.1948; AOFAA RP c.l 104. 11 Junglas: Rundverfügung, 24.1.1949; Ministerialblatt-RP Nr. 3/49 (2.2.1949), S. 28-31. 12 In der britischen Zone wurden auch Minderbelastete in die Kategorie IV ("Mitläufer") eingestuft; als "entlastet" galten dort auch diejenigen, denen keine direkte Unterstützung des Nationalsozialismus nachgewiesen werden konnten. Hierzu: Junglas: VA Nr. 6 u. 10, 12.2. u. 20.4.1948; LHA KO 457/26 u. AOFAA RP c.3190 p.71; Junglas: Rdverf., 21.2.1949; Min.blatt-RP Nr. 7/49 (2.3.1949), S. 62f.; Fürstenau, S. 229f.