246 2. Erweiterte Vollmachten für die deutschen Regierungen - die Umsetzung der KR 38 2.1. Der Stand der Demokratisierung Ende 1946 Der Demokratisierungsprozeß in der französischen Besatzungszone war seit der Zu ­ lassung politischer Parteien, Gewerkschaften und Vereine im Spätjahr 1945 weiter vorangegangen. Nach den demokratischen Wahlen auf Kommunalebene konstituier ­ ten sich im Oktober 1946 in den Ländern der französischen Zone, nicht jedoch im Saarland, "Beratende Landesversammlungen" (Assemblees Consultatives), von Laf- fon als premieres pierres de la democratie nouvelle bezeichnet 1 . Laffon erläuterte in einem Schreiben an die Ländergouvemeure im November 1946 sein Demokratisie ­ rungskonzept: Les Allemands doivent bien se convaincre que le retour ä la democratie est pro- gressif et qu'ils devront, ä chaque etape du chemin que nous leur ouvrons, faire la preuve qu'ils n'ont pas oublie les responsabilites du Nazisme, qu'ils compren- nent la necessite d'aider les puissances occupantes et meriter constamment la confiance qui leur est accordee car ce qui nous ä conduit ä l'octroi de ces liber- tes, c'est precisement l'espoir que les Allemands sauront s'en servir pour le bien general 2 . Er warnte seine Offiziere davor, die Kontrolle der deutschen Verwaltungen zu ver ­ nachlässigen. Kritik an der Besatzungsmacht dürfe auf keinen Fall geduldet werden. Vorfälle in den anderen Besatzungszonen zeigten, daß die neuen Freiheiten schnell mißbraucht würden. Eine früh einsetzende Kontrolle (Intervention preventive) könne von vornherein eine derartige Entwicklung verhindern 3 . Auf der Konferenz der deutschen Verwaltungschefs am 4. Dezember 1946 in Baden- Baden - der Vorsitzende der saarländischen Verwaltungskommission war nicht ein ­ geladen worden - verlas General Koenig eine Erklärung, in der er die provisorischen Länderregierungen ermächtigte, im Rahmen der Verordnung Nr. 67 bis zum Inkraft ­ treten der Verfassungen Vorschriften mit Gesetzescharakter zu erlassen (des disposi- tions reglementaires ayant force de loi). Einschränkend fügte Koenig hinzu, daß die aus dem Besatzungsrecht hergeleiteten Vorschriften des Alliierten Kontrollrates und der französischen Militärregierung beachtet werden müßten. Es dürften daher nur Verordnungen erlassen werden, die nicht im Widerspruch zur französischen Politik stünden. Koenig äußerte die Hoffnung, daß die bisher gute Zusammenarbeit auch weiterhin erhalten bleibe. Die französische Regierung habe den Wunsch, dem deut ­ schen Volk zunehmend politische Freiheiten einzuräumen (rendre progressivement 1 CCFA: Ordonnance Nr. 67 instituant une Assemblee Consultative du Land Rheno-Palatin, 8.10.1946; JO-CCFA Nr. 41/46 (12.10.1946), S. 341 ff. CCFA/DGAA/INT/3.Sect. 4381: Laffon an die Länder ­ gouvemeure von Baden, Württemberg-Hohenzollem u. Rheinland-Pfalz, 3.12.1946; MAE Y 1944-49 d.438/175-179. Lattard, Zielkonflikte, S. 23ff. 2 CCFA/CAB/C 8655: Laffon, 27.11.1946; MAE Y 1944-49 d.438/237f. 3 Si ces libertes devaient leur permettre de prendre la tete d'une sorte de resistance politique ä notre ac- tion, nous nous verrions dans la necessite de les restreindre pour leur plus grand desavantage', ebd.