181 6. Entnazifizierung in Rheinland-Hessen-Nassau 6.1. Der Service Epuration Ende Januar 1946 ernannte Gouverneur Hettier de Boislambert seinen Offizier Le Carbont zum Beauftragten für Entnazifizierungsfragen 1 . Zwei Wochen später wurde er bereits durch Elie de Vassoigne abgelöst und der neu eingerichtete Service Epura ­ tion direkt dem Secretariat General unterstellt 2 . De Vassoigne hatte vor dem Krieg als Ingenieur bei den französischen Autofirmen Citroen und Peugeot gearbeitet und war bis zum Direktor der belgischen Zweigniederlassung von Peugeot aufgestiegen. Mit Hettier de Boislambert verband ihn eine alte Freundschaft 3 . Aus deutscher Kriegsgefangenschaft war er erst nach Kriegsende entlassen worden. Am 27. Dezember 1945 trat er den Dienst in der Delegation Superieure in Rheinland- Hessen-Nassau an. Im April 1946 wurde de Vassoigne zum Chef de Cabinet des Gouverneurs befördert. Auch in dieser Funktion bestimmte er weiterhin maßgebend die Entnazifizierungspolitik mit. Zu seinem Nachfolger im Service Epuration wurde der bisherige Sürete-Offizier Maurice Roy nette ernannt, der bis Ende 1949 den Ser ­ vice Epuration leitete 4 . Nach dessen Auflösung wurde Roynette stellvertretender Leiter des Service Politique beim Commissariat pour le Land Rhenanie-Palatinat. Der Pädagoge und aktive Offizier war nach Freilassung aus deutscher Kriegsgefan ­ genschaft bereits seit März 1945 als Chef de Service de la Police Generale au Con- tröle de la Sürete in Rheinland-Hessen-Nassau tätig gewesen. Der Service Epuration wurde dem Kabinett des Gouverneurs angegliedert und be ­ schäftigte im Juli 1946 neben Roynette einen Büroleiter, eine Übersetzerin, drei Schreibkräfte und zwei Angestellte. Der Hauptteil der Arbeit bestand in dem Führen der Entnazifizierungskartei und dem Überprüfen der Sanktionsvorschläge anhand der Gutachten der Militärdienststellen und der Informationen der Sürete 5 . Statistiken wurden angefertigt und Sanktionen mit den Dienststellen der Militärregierung abge ­ sprochen 6 . Auf die Ermahnungen Laffons hin wurde der Service Epuration allmäh ­ lich personell besser ausgestattet: Er umfaßte in den Monaten November 1946 bis 1 GMRH/SG 46: Hettier de Boislambert, 24.1.1946; AOFAA RP c.1089 p.30. 2 GMRH/CAB 1198: Hettier de Boislambert, 16.2.1946; AOFAA RP c.1068 p.6. 3 Hettier de Boislambert nennt ihn in seinen Memoiren mon vieil ami\ Hettier de Boislambert, Claude: Les fers de l'espoir. Paris 1978, S. 467. 4 GMRH/EPU 5: Note de Service, 1.3.1946; GMRH: "Rapport mensuel fövrier 1946"; AOFAA DGAP c.233 p.56. De Vassoigne verwendete das Personensigel "EV", Roynette "MR". 5 Für jeden Fall wurde eine Karte in der alphabetischen, in der Kreis- und in der Verwaltungskartei an ­ gelegt. Der Entnazifizierungsbescheid mußte nach der Genehmigung durch den Gouverneur an das Oberpräsidium, die betreffende Abteilung der Militärregierung und den zuständigen Kreisdelegierten weitergereicht werden; GMRH/EPU 629: "Rapport du Service de l'Epuration pour la periode mai, juin & juillet 1946", 6.8.1946; AOFAA DGAP c.233 p.56. Diese Unterlagen konnten in den französischen Archiven nicht aufgefunden werden. 6 Ebd.; Roynette mußte sich auch noch selber um den Heizvorrat für den Winter 1946/47 kümmern; Schreiben an den Service de Combustibles des Kreises Koblenz, 9.1.1947; AOFAA RP c.901 p.5.