143 5. Entnazifizierung in Hessen-Pfalz 5.1. Der Service Epuration Lieutenant-Colone! Thiallet, der bisherige Leiter des 5 e Bureau unter General Bou- ley, blieb bis zum Winter 1945 für die Entnazifizierung zuständig. Seit Mitte August 1945 arbeitete der Elsässer Rene Schneider als stellvertretender Leiter des Service Interieur et Cultes unter ihm. Schneider übernahm Ende Dezember 1945 die Leitung des neu eingerichteten Service Epuration. Der Geographie- und Französischlehrer Schneider war nach seiner Entlassung aus deutscher Kriegsgefangenschaft im Früh ­ jahr 1941 wieder an seine Schule in Phalsbourg zurückgekehrt. Nachdem er Anfang August 1945 aus dem Dienst des Unterrichtsministeriums ausgeschieden war, wurde er vierzehn Tage später in das Korps der ASTO aufgenommen und in der Pfalz ein ­ gesetzt. Obwohl er sich bald allgemein-politischen Fragen zuwandte, blieb Schneider bis 1950 der Verantwortliche in der Militärregierung für die Entnazifizierung. Sein Vorgesetzter, der Chef du Service des Affaires Administratives, Robert Magniez, übte keinen entscheidenden Einfluß auf die Entnazifizierung aus. Der Jurist und Po ­ litikwissenschaftler Magniez war bereits von 1919 bis November 1925 als französi ­ scher Besatzungsoffizier in der Pfalz gewesen 1 . Institutionell war der Service Epuration dem Service des Affaires Administrati- ves/Section de l'Interieur et Cultes untergeordnet. Er umfaßte neben der eigentlichen Entnazifizierungsabteilung ein umfangreiches Archiv: 40.000 Parteiakten und 600.000 Gestapo-Karteikarten dienten zur Verifizierung der Angaben in den politi ­ schen Fragebögen. Schneider standen zahlreiche Mitarbeiter zur Verfügung: Im Ja ­ nuar 1946 waren es 18 französische und 13 deutsche Angestellte, die er allerdings nicht für ausreichend hielt, um den Erfordernissen einer zügigen Entnazifizierung ge ­ recht zu werden 2 . Folgende Aufgaben mußten erfüllt werden: Beantwortung von An ­ fragen, Entwurf von Richtlinien und Verordnungen, Anfertigung von Statistiken und Karteien, Überprüfung der Angaben in den politischen Fragebögen und der deut ­ schen Sanktionsvorschläge 3 . Die Entnazifizierung ging in der Pfalz zügig voran. Im August 1946 sprach Amal seine Anerkennung für die Leistungen des Service Epuration aus 4 . Wenig später 1 Magniez galt als Förderer und Beschützer des deutschen Leiters der Entnazifizierung, Koch, und als "starker Mann" der Militärregierung. Tatsächlich jedoch fanden seine antiquierten politischen Vorstel ­ lungen (u.a. Unterstützung des pfälzischen Separatismus) dort keinen Widerhall; so die Aussage Rene Schneiders im Gespräch mit dem Verfasser am 5. April 1991 in Strasbourg. Siehe auch die Litera ­ turangaben in der Einleitung, Anm. 40. 2 GMPA7AA/INT: "Epuration du Personnel Allemand", 4.1.1946; AOFAA DGAP c.233 p.51. 3 Von jedem Betroffenen wurden drei Karteikarten für die nach Alphabet, Verwaltungen und nach Sanktionen geordneten Karteien angefertigt; im Februar 1946 wurden täglich 700 Karteikarten erstellt; ebd.; CCFA: Bericht von Pierre Grappin über seine Reise in die Pfalz, 18./19.2.1946; AOFAA DGAP c.233 p.51. 4 Amal erreichte bei der zuständigen Stelle die Freigabe bestimmter Waren für die Mitarbeiter Schnei ­ ders. Es handelte sich dabei um 15 Kilo Mehl, 5 Kilo Butter und Zucker, 50 Eier, 10 Liter Milch, 40 Flaschen Wein und 20 Flaschen Champagner, die an das Personal des Service Epuration verteilt wer ­ den sollten; CCFA/CAB: Amal, 8.8.1946; AOFAA DGAP c.233 p.51.