74 tion drohte - ohne Nutzen für die Militärregierung (les brimades qui ne sont pas pa- yantes doivent etre evitees) -, hätte andererseits eine Entnazifizierung der Unterneh ­ merschaft vor allem einen positiven psychischen Effekt auf die deutsche Bevölke ­ rung 22 . Baumont schlug daher ein abgestuftes Vorgehen vor. Zuerst sollte das Füh- rungs- und Leitungspersonal in den wichtigsten Betrieben entnazifiziert werden. Diese Maßnahmen sollten rasch abgeschlossen werden, um den Wiederaufbau nicht zu lange zu behindern: II etait necessaire, en effet, de mettre fin ä de longues incer- titudes, source de marasme economique ... L'economie allemande ne pourra repren- dre une veritable activite que quand tous sauront ä quoi s'en tenir sans sentir tou- jours peser sur eux de lourdes menaces 23 . Als wichtigste Betriebe sollten die Firmen gelten, die mehr als 50 Personen beschäftigten oder gegen Kriegsende einen Kapi ­ talstand über 500.000 RM besaßen 24 ; für landwirtschaftliche Unternehmen sollten andere Kriterien gelten. Damit wollte Baumont der Wirtschaftsstruktur der französi ­ schen Zone gerecht werden und ausschließen, daß zu viele Firmen - zum Beispiel im Handwerksbereich - der Entnazifizierung entgingen 25 . Bei der Zusammensetzung der deutschen Entnazifizierungorgane wurden zwei Mo ­ delle diskutiert: betriebsinteme oder Vertreter gesellschaftlicher Gruppen einschlie ­ ßende Ausschüsse. Das erste Modell trug der Sorge Rechnung, daß durch betriebs ­ fremde Mitglieder politische Konflikte in die Betriebe hineingetragen werden könn ­ ten, die die Produktion gefährden würden. Zugespitzt formuliert, würden die Natio ­ nalsozialisten durch Kommunisten ersetzt werden: On eliminerait les nazis par les communistes, ce qui, sans doute, garantirait davantage l’elimination des nazis; mais ä quel prix? Für das andere Modell sprach die Sorge um den sozialen Frieden: Durch die Einbindung der Arbeitervertreter sollten Streiks vermieden werden 26 . Bis Ende Oktober arbeiteten Baumont und Amal in Abstimmung mit den verschiedenen Ab ­ teilungen der Wirtschaftsdirektion und in Absprache mit Curial die Entnazifizie ­ rungsdirektive für den Wirtschaftsbereich aus 27 . 22 Ebd.; Dönazification, 29.11.1945 (Anm. 12). 23 Ebd. 24 Für die ZFO rechnete die Militärregierung mit folgender Untemehmensstruktur: 85 Unternehmen mit mehr als 1.000 Arbeitnehmern, 700 zwischen 200 und 1.000 Arbeitnehmern, 2.300 zwischen 51 und 200, 10.000 zwischen II und 50, 16.000 Unternehmen zwischen 6 und 10 und 330.000 Unternehmen mit weniger als 6 Arbeitnehmern; ebd. 25 In der amerikanischen Zone galten als Grenzwerte 250 Arbeitnehmer oder ein Kapitalbestand über 1.000.000 RM; Rapport, 16.10.1945 (Anm. 6). Hierzu: Lacroix-Riz, Annie; La denazification 6cono- mique de la zone d'occupation americaine: la perception fran^aise du phenomene, in: Revue historique 283 (1990), S. 303-347. 26 Baumont erwähnte einen Streik von 600 Arbeitern, die in ihrem Betrieb den Beginn von Entnazifizie ­ rungsmaßnahmen gefordert hatten; Baumont, 5.9.1945 (Anm. 10). 27 CCFA/CAB/C 2516: Laffon an die Ddldgu^s Sup^rieurs, 31.10.1945; AOFAA DGAP c.3306 p.U5. Siehe das Kapitel C.1.2.