59 2. Entnazifizierung in der SHAEF-Phase im Saarland, Hessen-Pfalz und Rheinland-Hessen-Nassau 2.1. Die Übernahme des Besatzungsgebietes zum 10. Juli 1945 am Beispiel des Saarlandes Am 10. Juli 1945 übernahmen französische Truppen auch diejenigen Teile ihrer Be ­ satzungszone, die bisher von der amerikanischen Militärregierung verwaltet worden waren. Während sich die Offiziere der oberen Kommandoebene mit ausgeprägter Höflichkeit begegneten, gab es bei der Übergabe des Besatzungsgebietes auf Kreis ­ ebene etliche Probleme. Verständigungsschwierigkeiten zwischen französischen und amerikanischen Offizieren verstärkten das bereits vorhandene gegenseitige Miß ­ trauen. So wurde französischen Offizieren bis zum offiziellen Übergabetag die Ein ­ reiseerlaubnis in den Kreis Merzig verweigert 1 . Die amerikanischen Offiziere hinter ­ ließen kaum Unterlagen: Aus St. Wendel meldete Capitaine Lindauer, daß ein ameri ­ kanischer Unteroffizier alle politischen Fragebögen und Akten der Sicherheitspolizei verbrannt habe. In Merzig sah sich Lieutenant Gassmann vor dieselbe Situation ge ­ stellt: ...et me me des documents que nous avions vu entre leurs mains ont disparu avec leur depart 2 . US-Militärs nahmen auch Mobiliar, Wertgegenstände und - nach Meinung der französischen Offiziere - politisch belastetes deutsches Personal mit. Lindauer berichtete: Lors du depart du Detachement americain, j'ai du constater que la caravane consistait en une dizaine de voitures et deux camions civils, bondes de marchandises ... et qu'ils ont amene tout un personnel allemand, compose de person- nes dont une grande partie serait certainement aujourd'hui en lieu sür, si elles etai- ent restees sur place 3 . 2.2. Die Entnazifizierung in der SHAEF-Phase In der Zeitspanne zwischen dem Ende der Kampfhandlungen und dem Erlaß neuer Entnazifizierungsrichtlinien im Herbst 1945 bestanden große regionale Unterschiede bei der Durchführung der politischen Säuberung. Selbst innerhalb der einzelnen Re ­ gierungsbezirke wichen die Maßnahmen voneinander ab 4 . Der Service Epuration in Baden-Baden benannte diese Phase nach dem alliierten Oberkommando (epuration 1 Die französische Militärregierung in Saarbrücken berichtete, daß die US-Armee antifranzösische Pro ­ paganda betrieben und zahlreiche CIC-Agenten installiert habe; GMSA/Det.E 32: Colonel Lais an Ge ­ neral Morlifcre, 6.7.1945; l£re Armee Fran?./3e Bureau: Note, 18.7.1945; AP GG d.7-W (Papiers Ter- sac); GMSA: Rapport, 13.9.1945; AOFAA DGAP c.231 p.42 d.70. 2 GMSA/Det.l Ottweiler/St. Wendel: Lindauer an Lais, 4.9.1945; D&.I Merzig: Gassmann, 2.9.1945; AP GG d.7-W (Papiers Tersac). 3 Lindauer, 4.9.1945 (Anm. 2). 4 In diesem Zeitraum hatten an manchen Orten deutsche Eigeninitiativen die Möglichkeit, eine eigene Säuberung durchzuführen. Von der Entnazifizierung in der Stadtverwaltung Mainz handelt der Artikel von Oberbürgermeister Emil Kraus im "Neuen Mainzer Anzeiger", 26.4.1946. Zur Situation im Land Baden: Wolfrum, Französische Besatzungspolitik, S. 33f.