35 schickt 18 . Der Entwurf war zuvor vom Kabinettschef Koenigs, de Varreux, durchge ­ sehen und für annehmbar erklärt worden: Pas d'objections sur l'ensemble qui pre ­ sente un plan coherent 19 . Die Entnazifizierung sollte Teil umfassender demographi ­ scher Maßnahmen werden. Als Saarländer sollte nur derjenige angesehen werden, der im Saarland geboren war, von saarländischen Eltern und mindestens zwei saar ­ ländischen Großeltern abstammte und die letzten zehn Jahre im Saarland gelebt hatte. Die entsprechenden Daten sollte die geplante Volkszählung liefern (couvert sous les apparences de mesures contre le nazisme). Als Hauptpropagandisten der er ­ folgreichen prodeutschen Kampagne von 1935 wurden die in den letzten Jahrzehnten eingewanderten Bevölkerungsgruppen, vor allem die preußischen Beamten, bezeich ­ net. Das in das Saarland importierte Preußentum galt als die Hauptursache für das damalige "falsche" Abstimmungsverhalten der Saarländer 20 . Das "Beispiel" der na ­ tionalsozialistischen Volkstumspolitik im Elsaß und Lothringen aufnehmend 21 , wurde trotz der ohnehin schon angespannten Personallage die Entfernung aller Nicht-Saarländer für unerläßlich gehalten: Bis zu 150.000 Personen sollten von den Ausweisungen betroffen sein: On peut estimer que 100 ä 150.000 Sarrois devront etre atteints par une mesure d'elimination. Diese Maßnahmen sollten zeitlich gestaf ­ felt ablaufen. Es sollte alles vermieden werden, was die Betroffenen über die Aus ­ weisung hinaus schädigen könnte. Nur die Nationalsozialisten unter ihnen sollten durch zusätzliche Sanktionen bestraft werden. Die Ausgewiesenen sollten in ver ­ schiedene Regionen Deutschlands, Frankreichs und in die Kolonien geschickt wer ­ den 22 . Die dadurch an der Saar fehlenden Arbeitskräfte sollten durch neue ethnische 18 CCFA/CC/CAC 220: Koenig an das CGAAA, 16.1.1946; AOFAA CC POL III K 3 p.44; der Entwurf ist auch unter dem Briefkopf: CCFA/DGAA/CAB, o.D., vorhanden. Laffon wies Grandval darauf hin, daß ihm die Grundsätze dieses Entwurfes bekannt sein müßten: Ce sont celles qu'ont ete arretees avec nous au cours de la seance de Commission qui s'est tenue sous ma presidence le 27 decembre 1945; CCFA/CAB 80: Laffon an Grandval, 4.2.1946; AOFAA CC POL L 2 p.46. Hierzu: Hudemann, Die Saar, S. 32f. 19 De Varreux wollte nur wenige Änderungen am Text vornehmen, die vor allem die Wirtschaftspolitik betrafen. Bei den geplanten Massenausweisungen schlug er ein zeitlich gestaffeltes Vorgehen vor (mesures ä appliquer suivant un plan qui s’etalera dans le temps)\ CCFA/CC/CAC: De Varreux an Koenig, 2.1.1946; AOFAA CC POL III K 3 p.44. 20 In seiner Rede zur ersten Sitzung der Gesetzgebenden Versammlung des Saarlandes am 14. Oktober 1947 wiederholte Grandval diese Sichtweise: Alle politischen Verhältnisse, alle Beziehungen zwischen Nachbarvölkern wurden durch das Preußentum gefälscht, und das Saarland, das seinen Irrtum von 1935 teuer bezahlt hat, war auch eines der hauptsächlichsten Opfer dieser imperialistischen Umklam ­ merung; Ltag Saar l.WP Drs. 1/1, 21.10.1947, S. 2. 21 Hierzu: Kettenacker, Lothar: Nationalsozialistische Volkstumspolitik im Elsaß. Stuttgart 1973; Neigen, Marcel: Intemements et deportation en Moselle 1940-1945. Metz 1978; Wolfanger, Peter: Die natio ­ nalsozialistische Politik in Lothringen (1940-1945). Saarbrücken 1977. Yves Durand erwähnt die Äu ­ ßerung des lothringischen Abgeordneten Wiltzer, der in der außenpolitischen Debatte der Beratenden Versammlung im November 1944 die Annektion der linksrheinischen Gebiete gefordert hatte. Der sich der Französisierung widersetzende Bevölkerungsteil müsse vertrieben werde, erklärte er unter aus ­ drücklicher Bezugnahme auf den durch Hitler geschaffenen Präzedenzfall; Durand, S. 46 u. 53f. 22 Landwirtschaftliche Arbeitskräfte und etwa 40.000 Industriearbeiter sollten in Württemberg und Ba ­ den, andere Personengruppen in Frankreich angesiedelt werden. Da es sich durchweg um arbeitende Bevölkerungsgruppen handele, würden sie Frankreich von Nutzen sein. Im Umfang von 30.000 Perso ­