538 Kompromiß, der weitgehend den zuvor in der amerikanischen Zone praktizierten Lösungen entsprach und für Teile der französischen Zone aus Sicht der Betroffenen wiederum einen Rückschritt bedeutete. Die Pflichteinstellungsquote wurde auf 8% festgelegt, für öffentliche Verwaltungen, Banken und Bausparkassen auf 10%. Ein ­ bezogen wurden Schwerkriegsbeschädigte sowie Opfer des Nationalsozialismus und Zivilblinde; Minderbeschädigte ab 30% Invalidität konnten in besonderen Fällen berücksichtigt werden. Die kleineren Verbände hatten sich allerdings insoweit we ­ nigstens teilweise durchgesetzt, als Kriegsblinde und Hirnverletzte sowie Beschädig ­ te ab 80% Invalidität in angemessenem Umfang zu berücksichtigen waren und eine Sonderfürsorge für diese Gruppen damit zumindest grundsätzlich aufgenommen war. Die Forderung der Verbände nach völliger Gleichstellung von Kriegs- und Zivilbehinderten, in der das seit 1945 durchgesetzte Mischverbandsprinzip zum Ausdruck kam, erfolgte in der Bundesrepublik jedoch erst mit dem Schwerbehinder ­ tengesetz von 1974. Mitte* 1953 waren mit dem Schwerbeschädigtengesetz und mit den Sozialwahlen die Sonderwege des Südwestens nach 1945 größtenteils zu Ende gegangen. Nur wenige günstigere Regelungen der ehemaligen französischen Zone blieben über die Zeit hinaus erhalten, etwa in einigen Bestimmungen der Wiedergutmachung. Weshalb die Bundesrepublik ihren Kriegsopfern keine großzügigere Versorgung zugestehen konnte, wird auch am internationalen Vergleich deutlich: Die Kriegsopfer waren in Deutschland erheblich zahlreicher als in den meisten anderen Ländern. 1953 schätzte der Weltfrontkämpferbund, ohne allerdings die osteuro ­ päischen Länder einzubeziehen, die Anteile der Kriegsopfer an der Bevölkerung verschiedener Länder auf folgende Sätze: Tabelle 26 ANTEIL DER ANERKANNTEN KRIEGSOPFER AN DER BEVÖLKERUNG IM INTERNATIONALEN VERGLEICH 1953 Bundesrepublik 8,8 % Österreich 7,2 % Finnland 5,5 % Frankreich 3,3 % Italien 2,7 % Großbritannien 2,1 % Belgien 2,0 % Vereinigte Staaten 1,37% Kanada 1,36% Jugoslawien 1,3% Japan 0,9 % Norwegen 0,31 % Quelle: Gerd Brinkmann, Grundrenten - Renten ohne Grund? in: VdK-Mitteilungen 4 (1954) S. 193-198, hier S. 195 f., nach Berechnungen des Weltfrontkämpferbundes. Diese Zahlen geben nur Anhaltspunkte, da, wie beschrieben, nicht alle Betroffenen in den offiziellen Statistiken erscheinen. Zudem sind die Definitionskriterien, insbe ­ sondere für Schwerbeschädigte, in den einzelnen Ländern sehr verschieden. So wurde der Verlust der rechten Hand 1956 in der Bundesrepublik mit einer Erwerbs ­ minderung von 50% bewertet, in Österreich, Kanada, England, Finnland und Hol ­ land mit 60 %, in Belgien mit 65 %, in den USA und Jugoslawien mit 70 %, in Italien und Neuseeland mit 75 % und in Frankreich mit 85 %. 24 Auch in der Bewertung der individuellen Kriegsfolgen nahmen die deutschen Kriegsopfer im internationalen Vergleich damit eine besonders ungünstige Stellung ein. 24 Donner, S. 15.