533 liehe bundesgesetzliche Neuordnung der Kriegsopferversorgung (Art. 74 des Grundgeset ­ zes) kann keine der jetzt bestehenden unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen die Grundlage bilden. 1 Dies entsprach der Geringschätzung der französischen Zone, welche in der Bürokratie des Bundesarbeitsministeriums vorherrschte. Tatsächlich knüpfte die Planung des Ministeriums mit der Weiterentwicklung des Systems des Reichsversorgungsgesetzes allerdings wesentlich an Prinzipien an, welche die Ver ­ sorgung in der französischen Zone zwischen 1945 und 1949 bestimmt hatten, und brach weitgehend mit den Zwischenlösungen der Bizone. Erste Überbrückungsmaß ­ nahmen wurden im Frühjahr 1950 getroffen. Sie brachten im wesentlichen eine Teuerungszulage in den Ländern der Bizone sowie eine Ausdehnung der Kranken ­ versicherung für Kriegsopfer und einen Ansatz zur Überleitung der Kriegsopferla ­ sten auf den Bund. 5 Parallel dazu liefen die Vorbereitungen zu einer umfassenden Neuregelung an, die das Bundesarbeitsministerium in Zusammenarbeit mit den Länderministerien und den Kriegsopferverbänden federführend durchführte. Das ganze Jahr 1950 hindurch waren diese Beratungen von einer Fülle von Versammlun ­ gen, Resolutionen und Demarchen der Verbände und ihrer Vertreter begleitet, die sich in der Verbandspresse detailliert verfolgen lassen. 3 4 Auf Bundesebene wurden dabei die in der vorliegenden Arbeit genauer untersuchten vier großen Verbände VdK, Reichsbund, Bund der Kriegsblinden und Bund hirnverletzter Kriegs- und Arbeitsopfer im Rahmen des am 25. Mai 1950 konstituierten Beratenden Beirats für Versorgungsrechtbeim Bundesministerium für Arbeit offiziell herangezogen. Grundsätzlich standen alle mit der Materie befaßten Stellen zunächst vor dem Dilemma, daß sich das Prinzip der einkommensunabhängigen Entschädigung für den erlittenen Schaden, wie es auch zunächst dem Reichsversorgungsgesetz von 1920 zugrundegelegt, aber schon in den 20er Jahren wieder aufgegeben worden war, 1950 nicht finanzieren ließ. Der Reichsbund forderte eine diesem Modell entsprechende einheitliche Grundrente für alle Kriegsopfer und blieb programmatisch auch dabei, nachdem er Ende 1950 damit politisch zunächst gescheitert war. Der VdK ließ sich dagegen zumindest auf der Ebene seiner Spitzenfunktionäre, die mit den im Bundes ­ tag fachlich zuständigen Abgeordneten der Parteien teilweise identisch waren, schon rasch von der Unmöglichkeit einer solchen Lösung überzeugen. Die ursprünglichen Forderungen der Kriegsopferverbände hätten einen Aufwand von rund 6 Milliarden DM im Jahr erfordert, fast die Hälfte der Bruttoausgaben des Bundes im Rechnungs ­ 3 Bundesrats-Drucks. 579/50,28. 7. 1950; StA FRA A 2/8147. 3 Vgl. im Überblick: Die Versorgung der Kriegsopfer, S. 11 ff. u. 32 f. Gesetz zur Verbesserung von Leistungen an Kriegsopfer (Überbrückungsgesetz), 27. 3. 1950, BGBl. 1950 I, S. 77; Verwal ­ tungsvorschriften vom 31.5. 1950: Bundesanzeiger 23. 6. 1950. 4 Für die vorliegende Arbeit wurden vor allem folgende Verbandspublikationen vollständig herangezogen: Der Reichsbund; Der Weg des VdK (Rheinland-Pfalz; erhalten nur für 1950); Der Kamerad (VdK Baden). Die frühen Regionalausgaben der VdK-Zeitschrift Die Fackel für den Südwesten waren nicht aufzufinden. Eine genaue Übersicht über die Daten der Gesetz ­ gebungsarbeit, auf deren Details hier nicht eingegangen wird, gibt die Bilanz des Bundes ­ arbeitsministeriums, Die Versorgung der Kriegsopfer, S. 32 ff.