389 gearbeitet hat, 5 * besonders im internationalen Vergleich: Während das britische Ver ­ sorgungssystem bei allen Unterschieden die gleiche Grundtendenz aufwies, war das System in Frankreich auf eine symbolische Bewahrung der nation armee und indirekt einer darin gespiegelten idealisierten französischen Gesellschaft 6 angelegt und dement ­ sprechend wesentlich stärker an militärischen Kategorien orientiert. Entscheidend im Vergleich zu den meisten früheren Regelungen war, daß die Kriegsopferversor ­ gung nunmehr voll zu einem Rechtsanspruch wurde und den Almosencharakter grundsätzlich verlor. Noch während des Krieges waren die in den einzelnen Bundesstaaten getroffenen Maßnahmen zur Wiedereingliederung der Versehrten in das Erwerbsleben und zur materiellen Sicherung der Hinterbliebenen in die Zuständigkeit entweder des Mili ­ tärs oder aber der Fürsorge gefallen, und die ersten reichseinheitlichen Maßnahmen und Institutionen wie der am 16. September 1915 gegründete Reichsausschuß für Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge, der auf freiwilliger Basis die Arbeit der verantwortlichen regionalen Stellen koordinieren sollte, bestätigten dieses Prinzip. 7 * Ebenso wie der Verwaltungsapparat der Fürsorge erwies sich die militäri ­ sche Versorgungsorganisation, die erst kurz vor Kriegsende 1918 reorganisiert wur ­ de, jedoch als überfordert bei der Bewältigung der durch den Krieg in bislang ungeahntem Ausmaß gestellten Anforderungen. Tatsächlich erfolgte die Betreuung durch eine Vielzahl von Organisationen und Behörden auf verschiedensten Ebenen. Zugleich forderten die Siegermächte 1919 eine Entmilitarisierung der Versorgungs ­ verwaltung. Langfristige Tendenzen, interne Verwaltungsschwierigkeiten und politi ­ sche Auflagen trafen damit zusammen, und vor diesem Hintergrund wurde die Verantwortung für das Militärpensions- und Versorgungswesen, von wenigen Aus ­ nahmen abgesehen, Ende 1919 dem Reichsarbeitsministerium übertragen.® Hier er ­ folgte im wesentlichen die Ausarbeitung des neuen Reichsversorgungsgesetzes, im Unterschied zu England und Frankreich, wo die Versorgungsproblematik auch die Parlamente während des Krieges ausführlich beschäftigt hatte und weniger als in Deutschland den Technokraten überlassen blieb. 9 Unter den neuen Bedingungen der Kriegführung hatten sich die alten Versorgungs ­ regelungen des Kaiserreiches als unzureichend erwiesen. So beruhte das Militärpen ­ sionsgesetz von 1871 ebenso wie das Mannschaftsversorgungs- und das Offiziers ­ pensionsgesetz von 1906, 10 auf einer Unterscheidung von Mannschaften, Unteroffi ­ zieren und Offizieren in der Versorgung. Die Unterschiede wurden vor allem damit 5 Geyer, Vorbote. ‘ So Geyer, ebd.,S. 250. Vgl. hierzu Szilagi, S. 20 ff., und Whalen, S. 101 ff. Verordnung des Reichskanzlers vom 5. 10. 1919, RGBl. 1919, S. 1784. Koordinierende Funk ­ tionen waren dem Reichsarbeitsamt bereits durch die Verordnung über die soziale Kriegsbe ­ schädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge vom 8. 2. 1919 (RGBl. 1919, S. 187 ff., abge ­ druckt bei Szilagi, S. 29 ff.) zugewiesen worden, welche dem Reich die Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge übertrug und Regelungen für ihre Durchführung durch die Länder traf. Ich folge hier der Darstellung von Geyer, Vorbote, bes. S. 251 ff. 10 Gesetz vom 31.5. 1906; RGBl. 1906, S. 565 ff. u. 593 ff. Siehe Nitsche, S. 16 f.