265 der Endredaktion der Reformverordnung im April kaum mehr zum Zuge gekommen waren, hier jetzt außerordentlich weit. Die Baden-Badener Direction du Travail erkundigte sich in Lahr nicht nur, z. T. sogar telefonisch, nach der Ansicht des Verbandes über die Regelung bestimmter Einzelheiten ihrer eigenen Reform. 51 Der Verband entwarf von sich aus auch eine größere Zahl von Zusatzanweisungen, die über rein technische Erläuterungen weit hinausgingen. So war es der VdO, der die Beibehaltung des bisherigen Höchstbeitrages für die mit der Verdoppelung der Jahresarbeitsverdienstgrenze neu versicherungspflichtig gewordenen Angestellten vorschlug. * 58 Die Militärregierung, die ihre Reform zuletzt unter den geschilderten allgemeinpolitischen Einflüssen ausformuliert hatte, sah sich jetzt mit den techni ­ schen Fragen konfrontiert und auf die deutschen Fachleute angewiesen, weil sie selbst die schwierige Materie offensichtlich doch nicht in allen Details übersah. Sachlich stimmte das Freiburger Arbeitsministerium dem Ortskrankenkassenver ­ band zu und setzte sich in Besprechungen wie Schriftsätzen gegenüber der Militärre ­ gierung für die gleichen Punkte ein. 59 So kehrten die Vorschläge des Verbandes weitgehend als Anweisungen der Militärregierung an ihre Autoren zurück. 60 Die Rolle des Verbandes ging jedoch noch weiter. Mit der Verordnung Nr. 39 und dem Auftrag, die Durchführung zu besorgen, hatte er das Instrument in der Hand, die Belange der Ortskrankenkassen auch im Konfliktfall durchzusetzen. Soweit ersichtlich, ging die Auflösung der Sonderkassen relativ reibungslos vor sich, 61 von zahlreichen vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen abgesehen, die aber viel ­ fach auf Lücken in den Durchführungsanweisungen zurückzuführen waren. Insge ­ samt blieb den Betriebs- und Innungskrankenkassen nichts anderes übrig, als die französischen Anweisungen zu akzeptieren in der Hoffnung auf ein Wiederauferste ­ hen der BKKen, wenn die deutschen Parlamente wieder tagen. 61 Die Ortskrankenkas ­ senvertreter ließen in den Verhandlungen ihre eigenen Auffassungen ganz in den Hintergrund treten und die Reform als reine Anordnung der Militärregierung er ­ ' Aktenvermerke in VdO Lahr Altreg. Az. 1048. 58 Vgl. eine undatierte, 15 Punkte umfässende Liste Erforderliche Genehmigungen seitens der Militärregierung Baden-Baden, wohl von Anfang Juli 1946, ebd. Am 17./18. 5. 1946 fand z. B. in Lahr eine Besprechung der Leiter der Badischen Ortskran ­ kenkassen mit Vertretern des VdO, der Militärregierungen Baden-Baden (Hesselbarth) und Freiburg (Dibourg), des Badischen Arbeitsministeriums und der Landesversicherungsanstalt Baden statt, auf der die Durchführung erläutert wurde. Bericht in VdO Lahr Altreg. Az. 1048 sowie Schreiben von Rappenecker, Bad. Arbeitsministerium, an MR Baden, 23.5. 1946, AdO Colmar Bade 2414/6. Die in Anm. 58 genannten Vorschläge gingen größtenteils fast wörtlich ein in die Ausfüh ­ rungsanweisung der Militärregierung vom 23.7. 1946, abgedruckt in VdO Rundschreiben 19/1946. Vgl. auch Berichte des badischen Arbeitsoffiziers an die Direction du Travail in Baden- Baden, 1.7. 1946, über zwei Inspektionsreisen zu den badischen Ortskrankenkassen, mit genauen Angaben über die einzelnen Kassen; AdO Colmar Bade 2414/6. So F. Dufner (AOK Freiburg) über die Grundsatzbesprechung mit den Obleuten der Be ­ triebs- und Innungskassen der Südzone in Emmendingen, am 22. 5. 1946, in Bericht an VdO Lahr, 22. 5. 1946 (Altreg. Az. 1048).