243 wurden primär für die Zwecke der Invalidenversicherung eingesetzt. Daher wandten sich die Ortskrankenkassen scharf dagegen, gegebenenfalls die Landesversiche ­ rungsanstalten - wie es nahelag und wie es in der Reform in Hessen-Pfalz 1945 schon ansatzweise zum Ausdruck kam - zu Trägern einer alle Zweige der Sozialversiche ­ rung umfassenden Einheitsversicherung zu machen. 18 Am weitgehendsten entsprach der schließlich durchgeführten Lösung ein Konzept christlicher Gewerkschaftler und AOK-Vertreter aus Württemberg, das der Gesund ­ heitsdirektor der Baden-Badener Militärregierung, Sarramon, Ende Februar bei einer Besprechung mit AOK-Vertretern in Reutlingen anforderte. 19 Es spiegelt die Schwierigkeit christdemokratischer Reformpositionen zwischen dem Streben nach einheitlichem Leistungsniveau einerseits und der Ablehnung anonymer Massen-Or- ganisationen andererseits wider. Diese Ablehnung, kristallisiert im Schlagwort der Nähe zum Versicherten, wurde in den folgenden Jahren zu einem der Hauptargumen ­ te im Kampf gegen die Einheitsversicherung. Eine auf Länderbasis organisierte, sämtliche Versicherungszweige erfassende Landesversicherungsanstalt, wie sie der Kontrollrat zur gleichen Zeit plante, wurde aufgrund der Zentralisierung, der unter ­ schiedlichen Risiken in Kranken- und Rentenversicherung und der Gefahr der Zweckentfremdung von Krankenkassenbeiträgen zur Sanierung der Rentenversiche ­ rung abgelehnt. Eine landeseinheitliche Krankenkasse, welche der Unfall- und der Rentenversicherung ihre Eigenständigkeit belasse, führe gleichfalls zur zentralisti ­ schen Bürokratisierung und spare nicht einmal Verwaltungskosten, da dann örtliche Verwaltungsstellen eingerichtet werden müßten. Die Berücksichtigung regionaler Besonderheiten in der Wirtschaftsstruktur werde unmöglich. Die Selbstverwaltung werde ausgeschaltet, und die Entfremdung zwischen Kasse und Versicherten drohe die Kasse zu einem Ausbeutungsobjekt der Versicherten werden zu lassen. Als Lösung der Probleme erscheine die Einheitskasse in Form der Bezirkskasse nach Versicherungsamtsbezirken, mit eigener Finanzhoheit und Selbstverwaltung. Sie sei einfach zu organisieren, da sie lediglich die Auflösung der Ersatz- und Betriebskas ­ sen sowie der einzigen, mitgliederschwachen Württemberger Innungskasse und ihre Überführung in die Ortskrankenkassen erfordere. Eine solche Einheitskasse schaffe den gerechten und vollkommenen Risikoausgleich, auf den die Ortskrankenkassen ein moralisches Recht haben, und gleiche das Leistungsniveau im lokalen Rahmen an. Allerdings seien einige Argumente, die für die Erhaltung der Betriebskassen ange ­ führt würden, anzuerkennen: die mißbräuchliche Ausnutzung der Einheitskasse sei Ebd. In den Akten des VdO, vor allem Az. 103 und 1048, finden sich zahlreiche weitere Memoranden, Protokolle und Briefe, welche die Argumentation der Ortskrankenkassen detailliert zu verfolgen erlauben. Vgl. insbesondere Bericht der AOK Donaueschingen an die MR Konstanz, 8. 10. 1945, sowie die unten S. 264 ff. zitierten Berichte über die Durchfüh ­ rung der Reform. Der spätere Landtagspräsident Gengier und Doberneck, Leiter der AOK Rottwei! bzw. Reutlingen, waren federführend für den Bericht in den Fragen I. Einheitskasse für die Kran ­ kenversicherung, II. Erhaltung und Ausbau der Leistungsfähigkeit der Krankenkassen vom 5.3. 1946, der am 7.3. in einer leicht gekürzten Fassung nach Baden-Baden ging; beide Fassungen in StA SIG Wü 180/451.