203 Auszug der Sowjets am 20. März 1948 stellte der Kontrollrat seine Tätgkeit auch offiziell ein, und um die Wahrung eines formalen Scheins beim Begräbnis der Sozialversicherungsreform brauchte sich niemand mehr zu sorgen. Entscheidend wurden jetzt die innerdeutschen Auseinandersetzungen. Das Gesamtbild, das sich aus der französischen Tätigkeit im Kontrollrat im Zu ­ sammenhang mit der Sozialversicherungsreform ergibt, erweist die praktische Wir ­ kung der Differenzierungen, die für die ersten Monate der Besatzungszeit in den offiziellen französischen Stellungnahmen zu beobachten waren. Die Franzosen ha ­ ben nicht eine reine „Obstruktionspolitik“ betrieben, sondern zonenübergreifende Maßnahmen dann abgelehnt, wenn sie politische Konsequenzen im Sinne gesamt ­ deutscher eigenständiger Repräsentationsorgane nach sich zu ziehen schienen. Über solche Organe war eine Übereinkunft zwischen den Alliierten noch nicht erzielt, und nach Beschluß der Londoner Außenministerkonferenz vom 28. September 1945 sollten die Verhandlungen darüber auf der Ebene der Außenministerien, nicht im Kontrollrat geführt werden. Das von den Franzosen seit 1945 entwickelte und 1946 ausformulierte Ersatzinstrument einer deutschen Vier-Zonen-Exekutive unter Kon- trollratsaufsicht entsprach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens und kon ­ zeptionell auch dem in der amerikanischen Zone länderübergreifend errichteten Regional Government Coordinating Office RGCO. Daß die Franzosen das Konzept 1945 nicht eindeutiger vortrugen, ist vor allem auf die Konzentration der Pariser Planungen auf die Ruhrfrage und auf die internen Differenzen im französischen Entscheidungsapparat zurückzuführen; gegen de Gaulles bremsende Rolle stand hier vor allem das zu einer gesamtdeutschen Wirtschaftspolitik tendierende Wirt ­ schafts- und das mit ihm zeitweise verbundene Finanzministerium. Die entsprechen ­ den Ansätze in den französischen Konzeptionen sind, von einem britischen Versuch in der besonders verhärteten Situation nach dem Abbruch der Londoner Konferenz abgesehen, von den anderen Alliierten und vor allem den Amerikanern nicht aufge ­ nommen worden; relativ am weitesten näherten sich die Standpunkte dabei ab Dezember 1945 in der Frage der Außenhandelsorganisation an. Bei den Sowjets deutet ihr in jedem Einzelfall jetzt auf den verschiedensten Kontrollratsebenen eingelegtes Veto daraufhin, daß ein Interesse an solchen Zentralinstitutionen wohl nur bestand, wenn sie selbst diese kontrollierten. Clay prüfte, soweit die amerikani ­ schen Unterlagen für diese Arbeit eingesehen werden konnten, die französischen Kompromißvorschläge nicht genauer, sondern blieb bei seiner These von der franzö ­ sischen Obstruktion, die in dieser Form auch weithin in die historische Fachliteratur Eingang fand; sachlich hielt er solche Verwaltungsinstrumentarien nicht für funk ­ tionsfähig. Wie weit Clay’s Wertung und seine entsprechende Berichterstattung nach Washington dazu beitrugen, auch auf höherer Ebene die ernsthafte Suche nach praktikablen Lösungen von vornherein zu unterlaufen, läßt sich aufgrund der um ­ fangreichen publizierten amerikanischen Quellen zwar vermuten, ohne eine die Möglichkeiten dieser Arbeit übersteigende genaue Überprüfung des inneramerikani ­ schen Entscheidungsprozesses anhand der Akten aber nicht entscheiden. Angesichts der zahlreichen Differenzen der übrigen Alliierten in der Deutschlandfrage, die — wie die Franzosen zu Recht immer wieder feststellten — 1946/47 keineswegs ausdis ­ kutiert waren, erscheinen die französischen Vorschläge interzonaler deutscher Kon ­