194 gung der Entscheidung an die Deutschen. 116 Die Briten stimmten der russischen Ansicht zunächst sachlich zu, wollten aber auf deutsche Stellungnahmen Rücksicht nehmen und gegebenenfalls auch andere Lösungen akzeptieren. 216 217 Seit Anfang 1947 schlossen sich die Briten, denen der deutsche Widerstand mittlerweile deutlich geworden war, der amerikanischen Position an. 218 Die französische Kontrollratsmis- sion war in ihrem ersten eigenen Entwurf vom Juni 1946 gegen die Einbeziehung der Beamten gewesen und wesentlich unter deutschem Einfluß dann umgeschwenkt auf die Linie der anderen Alliierten. Inzwischen waren die Planungen für eine Reform des deutschen Beamtenrechts in der Zone wesentlich weiter gediehen, und so plä ­ dierten die Franzosen jetzt dafür, die Entscheidung auch hinsichtlich der sozialen Sicherung der Beamten den Zonenkommandanten zu überlassen. 21 ’ Bei diesen Posi ­ tionen blieb es im Kontrollrat im wesentlichen, auch wenn sie im Laufe des Jahres 1947 im einzelnen etwas variierten. 220 Was im Rahmen der Sozialversicherungsverhandlungen im Kontrollrat und seinen Gremien ausgesprochen wurde, war aber nur ein Teil der Problematik. Für die völlige Übertragung der Beamtenfrage in deutsche Kompetenz traten in Wirklichkeit auch die Anglo-Amerikaner nicht ein. Für alle vier Besatzungsmächte verkörperte der Beamtenstand in besonderer Weise den deutschen Obrigkeitsstaat in seinen negativen Charakteristika, und so wurde das Thema rasch zu einem Kernpunkt der Demokratisierungsauseinandersetzungen. Alle Besatzungsmächte standen der spezi ­ fischen deutschen Form des öffentlichen Dienstes mit Mißtrauen und meist auch mit Unverständnis gegenüber. 221 Nachdem die Sowjets den Beamtenstatus in ihrer Zone einseitig aufgehoben hatten, 222 war ein Fait accompli geschaffen, das die anderen 216 Amerikanisches Votum im Zivilverwaltungsausschuß, 27. 11. 1946, DIAC/CAC/Memo (46)64 Annexe A; AdO Colmar GFCC C. 829/TRA 19. 217 Ebd., Annexe B. 2,8 DIAC/M(47) 4,22. 1. 1947; AdO Colmar C. 829/TRA 19. 219 Die verschiedenen Positionen wurden am 20./21. 1. 1947 zusammengefaßt durch das Direc- toire des affaires interieures et des telecommunications: DIAC/M (47)4 sowie DIAC/Me- mo (47) 45 in AdO Colmar ebd. Die Versuche einer Reform des Berufsbeamtentums in der französischen Zone sind mit Ausnahme der deutschen Entwicklung in Rheinland-Pfalz (Springorum, Entstehung) bislang nicht untersucht worden. 220 So einigte sich das Finanzdirektorium, dem das Sozialversicherungsprojekt Anfang 1947 zugeleitet worden war, im April auf eine Stellungnahme zugunsten der Einbeziehung der Beamten; DFIN/Memo(47)57, 23. 4. 1947, in AdO Colmar GFCC C. 829/TRA 19. Weitere Protokolle und Vorlagen, aus denen die Details der Verhandlungen hervorgehen, ebd. sowie in GFCC C. 828/TRA 8, u. a. Sozialversicherungsausschuß 12. 6. 1947, DMAN/SI/ M(47)12. 221 Das Finanzdirektorium formulierte dieses Mißtrauen beispielsweise in seinem zitierten Memorandum vom 23. 4. 1947 (ebd.): ... £tant donne que les fonctionnaires occupaient des postes eleves et en consequence etaient senses avoir une plus grande valeur pour le Gouverne ­ ment allemand, il semblerait qu’une discrimination existe favorisant un groupe qui a aide l’Allemagne ä setablir dans sa position anterieure. Cette discrimination, le paiement de pen- sions plus elevees au moyen des fonds publics, pourrait etre consideree comme contraire ä la politique des puissances occupantes. 11 convient en outre de remarquer que les fonctionnaires pretaient serment defidelite au Reich pour obeir aux ordres et decrets de l'ftat. 222 Der SM AD-Befehl Nr. 66,17.9. 1945, hob das Deutsche Beamtengesetz von 1937 auf.