159 prägte die Gewerkschaftspolitik der Franzosen grundlegend, 81 obwohl sie die Ge ­ werkschaften als politische Kraft zu fördern suchten, wie zu zeigen sein wird; die anderen Mächte erklärten im Koordinationskomitee, die Gewerkschaften müßten gerade als anti-nazistische Kraft übergreifend organisiert werden. Auf französischer Seite förderte dies intern allerdings zugleich die Furcht von einer auch kommunisti ­ schen Unterwanderung. 82 Nicht nur in der Sozialpolitik, wo dies genauer zu verfolgen sein wird, arbeiteten die Franzosen im Kontrollrat im Herbst 1945 mit, wenngleich die Einzelheiten der Kontrollratsarbeit noch einer genaueren Untersuchung harren. 83 Sogar in dem Aus ­ schuß, der die Organisation der Zentralverwaltungen vorzubereiten hatte, waren französische Vertreter, nachdem Paris im Oktober zunächst eine Beteiligung unter ­ sagt hatte, spätestens am 1. November zumindest als observateurs wieder vertreten. 84 Trotz der amtlichen Reserven beteiligte die französische Gruppe sich auch an techni ­ schen Vorbereitungen für die Zentralverwaltungen. 85 * 87 Gegenüberseinen Botschaftern stellte der Quai d’Orsay im Oktober fest: Le Gouvernement fran^ais ne met pas en cause leprincipe de l’administration conjointe; ilreclame seulement que conformement ä la declaration quadripartite du 5 juin, cette administration reste entre les mains des Allies. 66 Gegen den Vorwurf, die deutsche Wirtschaftseinheit zu verhindern, setzte Paris sich auch mit dem Hinweis zur Wehr, entscheidend seien hier die Sowjets, die sich weigerten, den zum 31. Oktober 1945 erwarteten Außenhandelsplan vorzulegen, bevor die Reparationsfrage geklärt sei. 81 In der Zentralverwaltungsfrage wurden die französischen Kompromißansätze, die sich zum Konzept der bureaux «///es entwickelten, den vorliegenden Quellen zufolge im Herbst 1945 offenbar nicht genauer ausgelotet, und zwar vor allem aufgrund des amerikanisch-französischen Gegensatzes. Rückblickend bestätigte dies indirekt im Februar 1947 auch der Bericht des Kontrollrates für die Moskauer Außenminister ­ konferenz, wenn er die gescheiterten Zentralverwaltungsprojekte schlicht noch ein ­ mal auflistete. 88 Die unterschiedlichen Tendenzen, die sich einerseits im Vergleich von Paris und Berlin und andererseits zwischen politischen und wirtschaftspoliti ­ schen Planungsstellen feststellen lassen, tragen aber nicht nur zur Erklärung dessen bei, was zunächst als Widersprüche in der französischen Politik erscheint. Zur prak ­ tischen Wirkung kamen die Differenzierungen, als die später zu untersuchende Koordinierung der Besatzungspolitik mit den Kontrollratsplanungen einsetzte. 81 Hierzu ausführlich Lattard, Syndicalisme. 82 Vgl. dazu u. a. Memorandum Koenigs für Rene Mayer, 20. 3. 1946; AdO Colmar Cab. Koenig Pol. III A2. Elisabeth Krause (München) bereitet eine umfassende Arbeit zur Zentralverwaltungspolitik vor. 84 Koeltz an Berthelot (CGAAA), 1. 11. 1945; MdAE Y (1944-1949) 283. So bei den Entscheidungen über die Gebäude der zentralen Postverwaltung; DIAC/M(45) 11, 14. 11. 1945, ebd. Wie Anm. 78,20. 10. 1945. Ähnlich Vermerk von Couve de Murville, 6. 12. 1945, ebd. 87 Vermerk der Direction d’Europe, 26. 11. 1945; MdAE Y( 1944-1949) 283. Laufende Berich ­ te zur sowjetischen Blockierung der Außenhandelsorganisation ebd. 453—454. Rapport au Conseil des Ministres des affaires etrangeres soumis par le Conseil de Contröle allie pour l'Allemagne, Chapitre VI; AdO Colmar CGAAA C. 2872/8.