153 stand im Herbst 1945 nicht im Mittelpunkt des Interesses der anderen Alliierten, sondern dieses war mit den noch abzuschließenden weiteren Friedensverträgen, der Situation auf dem Balkan, in Persien und Fernost und der ersten UNO-Vollver ­ sammlung auf andere, dringender erscheinende Themen gelenkt.” Damit nahm seinen Lauf, was der Generalsekretär des französischen Außenministe ­ riums, Chauvel, sechs Wochen später gegenüber dem amerikanischen Botschafter auch auf misunderstandings zurückführte”: Die Konfrontation der Militärregierun ­ gen in Berlin, vor allem der Franzosen und Amerikaner. Im Kontrollrat nahmen Clay und Eisenhower eine eindeutige Position zugunsten deutscher Zentralverwal ­ tungen ein, und hier steigerten sich die Debatten seit der zweiten Septemberhälfte zu discussions parfois orageuses. * 54 * 56 Dies war jedoch nicht die Ebene, auf der nach Be ­ schluß der Londoner Außenministerkonferenz die Diskussion über die französi ­ schen Pläne geführt werden sollte: Frankreich hatte hierfür den Weg bilateraler Verhandlungen zwischen den Außenministerien einzuschlagen. Wenn OMGUS im Februar 1946 nach Washington berichtete: Es hat sich gezeigt, daß nur eine Lösung auf Regierungsebene zu Fortschritten . . .führen wird,” so war diese Erkenntnis richtig — nur hätte die amerikanische Kontrollratsgruppe sie bereits viereinhalb Monate früher haben können. Auf der Regierungsebene gelang es Paris im Herbst 1945 jedoch nicht, eine klare Antwort der Amerikaner zu erhalten — auf die Briten ist zurückzukommen —, und solange eine solche nicht vorlag, erhielten seine Vertreter in Berlin keine Verhandlungsvollmacht. Es ist daher Vorsicht angebracht, die wüten ­ den Reaktionen von Eisenhower und Clay in Berlin als amerikanische Position zu interpretieren; das Kriegsministerium stellte sich hinter sie, das State Department zögerte jedoch bis Anfang Dezember mit einer deutlichen Stellungnahme. 5 ® Ge ­ sprächspartner für Paris waren aber State Department und Foreign Office, nicht Clay in Berlin. Während ihrer Gespräche in London im Oktober 1945 hatten die Franzosen den Eindruck, der anwesende amerikanische Assistant Secretary of State, James C. Dünn, entziehe sich geradezu den Verhandlungen. 57 Noch am 3. November 1945 bestätigte Europadirektor Matthews bei einer Besprechung im State Depart ­ ment auf eine direkte Frage Clays, daß man auf die Franzosen in der Zentralverwal ­ 5J Hierauf hat bereits Michael Balfour (S. 123 ff.) in seinem kritischen Urteil über die alliierte Politik gegenüber den französischen Einwänden 1945 hingewiesen. Bericht Caffery’s über Gespräch am 6. 11. 1945; FRUS 1945 Bd. 3, S. 892 Anm. — Ebd. z. B. eine erneute Betonung Couve de Murvilles, die Frage sei auf Regierungsebene und nicht in Berlin zu regeln. 54 So das Bulletin d’activite du CCFA, Sept. 1945, S. 20. OMGUS, Monthly Report of Military Governor Nr. 7, 20. 2. 1946, zit. bei Bäcker, Die deutschen Jahre, S. 133. Auf die unterschiedlichen Entscheidungsebenen verwiesen die Franzosen auch in Berlin wiederholt; vgl. u. a. Koeltz im Koordinationskomitee, 27. 11. 1945, Unterlagen in MdAE Y (1944—1949) 454. 56 Korrespondenzen in FRUS 1945 Bd. 3, S. 861-925. Vermerk der Direction generale des Affaires politiques für Bidault, 28. 10. 1945; MdAE Y (1944-1949)282.