96 Zentralen); auch Konstanz, wo im April eine Zentrale den Betrieb noch wegen Unrentabilität hatte aufgeben müssen, besaß mittlerweile wieder acht Zentralen. Diese Zentralen tätigten insgesamt 11 521 Tauschgeschäfte, also im Durchschnitt 162 je Zentrale; dahinter verbargen sich allerdings teilweise bescheidene Volumina, so bei der Müllheimer Zentrale mit 13 Geschäften im Gesamtwert von 180 RM, andererseits aber auch die Konstanzer mit insgesamt 2 161 Vorgängen (47 500 RM). Der Gesamtwert der in diesen Zentralen getätigten offiziellen Tauschgeschäfte er ­ reichte im Juli 1946 160 700 RM, wofür man zu dieser Zeit auf dem Schwarzen Markt gerade 670 kg Fleisch oder gut 800 kg Zucker erstehen konnte. Der Durchschnitts ­ wert pro Tauschgeschäft variierte von 6,51 RM in Säckingen - wo auch die Schwarz ­ marktpreise am niedrigsten lagen - bis zu stolzen 28,07 RM in Offenburg; in Frei ­ burg lag er, mit 748 Geschäften, bei 25,20 RM, in Waldshut bei 10,54 RM (949 Geschäfte), in Konstanz bei 21,98 RM (2 161 Geschäfte). Im Juli 1946 erfaßte diese Statistik damit etwa für jeden hundertsten Einwohner des Landes Baden ein einziges offizielles Tauschgeschäft, dessen Wert von durchschnittlich 13,95 RM auf dem Schwarzmarkt 70 g Zucker, 87 g Fett oder 58 g Schweinefleisch erbracht hätte. Da dieser Übersicht wochenlange Vorbereitungen der Freiburger Preisaufsichtsstelle vorangingen, 6 ® es sich also nicht um eine Zufallsstichprobe handelte, kann bei aller Skepsis gegenüber der Präzision der Zahlen insgesamt doch daraus geschlossen werden, daß die ökonomische Bedeutung des offiziell organisierten Tauschhandels sehr gering war. Diese Bedeutung sank im Verlauf der Jahre 1946/47 noch ständig weiter ab, und seit 1947 betonten die Monatsberichte stets von neuem, daß der Tauschhandel im we ­ sentlichen außerhalb der offiziellen Organisation vor sich gehe. Im Dezember 1947 tätigten beispielsweise die vier Tauschzentralen in Lahr noch einen Gesamtumsatz von 867,50 RM (Schwarzmarktwert zu dieser Zeit etwa 4 kg Butter), wobei die kleinste Zentrale es auf ganze 12 RM brachte. 68 69 Diese statistisch praktisch zu ver ­ nachlässigende Bedeutung des offiziellen Tauschhandels ging einerseits auf die scharfe Überwachung durch die Preisbehörden zurück, die hier besonders leichten Zugriff hatten, weil die Orte bekannt waren; während der Jahre 1945-1947 wurden kaum je Verstöße gegen die Bewirtschaftungsbestimmungen im Rahmen der offiziel ­ len Tauschzentralen gemeldet. Vor allem hatten die Tauschzentralen aber kaum etwas zu bieten. Der Tauschhandel mit bewirtschafteten Waren - also allem, was die Bevölkerung wirklich brauchte - war verboten. Der ökonomische Fehlschlag dieses Versuchs, mit dem Mangel fertig zu werden, lag damit im System selbst begründet. Nach der Währungsreform sank die Aktivität der Zentralen mehr und mehr zu der des Trödels herab, wie der Generalsekretär der Preiskommission für die französische Zone feststellte. 70 Um so lebhafter blühte, nach eher geringen Anfängen im Jahr 1945, ab 1946 der private Tauschhandel. In den größeren Orten wurde er vor allem über Zeitungs ­ anzeigen abgewickelt, und soweit keine bewirtschafteten Waren betroffen waren, 68 Unterlagen in StA FR A 7 (1956/5) B2d4. 69 Schwarzmarktbericht für Dezember 1947. 70 Rundschreiben vom 16. 12. 1948; StA FR A 7 (1956/5) B2d4.