95 c) Tauschhandel und Hamsterwesen Parallel zum Rückgang der Geldliquidität in weiten Teilen der Bevölkerung, zum Wachsen des Mißtrauens gegenüber der Währung und zur Verschlechterung der Versorgungslage besonders nach dem harten Winter 1946/47 61 * * gewann der sich seit dem Zusammenbruch entwickelnde Tauschmarkt stetig an Gewicht, bis er seit etwa Mitte 1947 zum beherrschenden Parallelmarkt wurde. War Geld als Tauschmittel nicht mehr vorhanden oder nicht mehr akzeptiert, so mußten andere Objekte an seine Stelle treten. Auch der Tauschmarkt bestand, grob gesehen, aus drei verschiedenen Teilmärkten, die sich trotz der gelegentlich verschwimmenden Grenzen grundsätzlich deutlich unterscheiden lassen: dem offiziellen Tauschmarkt, dem illegalen oder halblegalen privaten Tauschmarkt außerhalb der offiziellen Tauschzentralen und dem großen, teilweise illegalen gewerblichen Kompensationsmarkt. Offizielle Tauschzentralen für nicht bewirtschaftete, gebrauchte Waren waren während des Krieges eingerichtet worden, um die Versorgungslücken der Bevölke ­ rung etwas zu mindern.“ Sie arbeiteten nach offiziellen Vorschriften und festen Preisrelationen, die allgemein bekannt waren. Vielfach ist ihnen eine erhebliche Rolle für die Versorgung der Bevölkerung zugemessen worden. Trotz des hier bereits häufig betonten Chaos in der Wirtschaftsstatistik der Nachkriegsjahre läßt sich dies zumindest für den Südwesten eindeutig verneinen. Wenngleich die Militärregierung feststellte: Der Austausch gebrauchter Waren stellt eine rückschrittliche Form wirtschaftlicher Betätigung dar, den man normalerweise nicht unterstützen sollte, 61 ordnete Baden-Baden im Januar 1946 die zonenweite Wieder ­ aufnahme der Tauschzentralen zumindest in Orten mit mehr als 2 000 Einwohnern an. 64 Die Tätigkeit der amtlichen Tauschzentralen in Baden läßt sich für den Monat Juli 1946 beispielhaft auch quantitativ erfassen. 65 Die Freiburger Preisaufsicht gab für diesen Monat eine Übersicht über die Geschäfte von 71 Zentralen in 17 Orten, 66 Da die städtischen Zentralen auch das Umland versorgten, kann angenommen werden, daß - mit Ausnahme von Baden-Baden - der größere Teil des offiziellen badischen Tauschhandels hier erfaßt ist. 67 Über die meisten Zentralen verfügte Waldshut (elf 61 Detailliert dazu Rothenberger, Hungerjahre, S. 141 ff. Boelcke, Die deutsche Wirtschaft, S. 344. So in der detaillierten Anweisung der Freiburger Militärregierung zur Reglementierung von Tauschzentralen in Baden, 4. 3. 1946; StA FR A 7 (1956/5) B2d4. Anweisung Laffons an Landesmilitärregierungen, 21. 1. 1946, ebd.; Truppenangehörigen war die Beteiligung an diesem Handel untersagt. Schwarzmarktbericht vom 25. 9. 1946. Die Übersicht erfaßte Bühl (1 Zentrale), Donaueschingen (4), Emmendingen (3), Freiburg (4, davon 1 geschlossen), Konstanz (8), Lahr (3), Lörrach (7, davon 1 für Schuhe), Müllheim (1), Neustadt/Schw. (4), Offenburg (2), Rastatt (2), Säckingen (3), Stockach (3), Überlingen (5), Villingen(5, davon 1 für Schuhe), Waldshut (11), Wolfach (5). Ob in Baden-Baden zu dieser Zeit eine Zentrale existierte, geht aus den Unterlagen nicht hervor.