60 nen Probleme gezeigt. 49 In der amerikanischen Zone schwankten 1948 allein die offiziell für einzelne deutsche Produkte festgelegten Wechselkurse, zu denen der deutsche Export bezahlt wurde, zwischen 1,25 RM und 4,16 RM/Dollar, und tat ­ sächlich war die Spanne noch weit größer. 50 Die Franzosen haben nach eigenen Angaben für die Ausfuhr einen mittleren Umrechnungskurs von 4,16 RM/Dollar zugrundegelegt und für die Einfuhr 3,32 RM/Dollar. 51 Jerchow vermutet einen mittleren Exportkurs von 3,40 RM/Dollar. Im einzelnen bleibt dies noch genauer zu überprüfen. Gleichfalls aus dem „III. Reich“ übernommen wurden wesentliche Probleme der Außenhandelsbeziehungen, sowohl in der Form der Störung direkter internationaler Kontakte zwischen den beteiligten Firmen wie in den generellen Auswirkungen auf die Außenhandelsstruktur. Der Ausfall der oben skizzierten, während des Krieges aus den besetzten Gebieten bezogenen Zwangslieferungen mußte angesichts des beschriebenen geringen Autarkiegrades der französischen Zone automatisch die Störungen und Engpässe verstärken. 52 Zu diesen Schwierigkeiten kam jetzt die Orientierung des Außenhandels an den französischen Interessen. In einzelnen Bran ­ chen wurden bis zu 90% des Exportes oder gar der Gesamtproduktion bestimmter Güter nach Frankreich geleitet; unter anderem bezog Frankreich rund 70-80% der badischen Stromproduktion, die es teilweise allerdings durch Stromlieferungen aus den besetzten Gebieten in Österreich ausglich. 53 Wie in so zahlreichen Bereichen, standen hier deutsche und französische Interpreta ­ tionen wieder gegeneinander. Von deutscher Seite wurden die Exporte zum größten Teil als Zwangslieferungen empfunden, zumal sie offiziell nur zu 80% der Welt ­ 49 Jerchow, Außenkurs; Wandel, S. 149 ff.; Abelshauser, Wirtschaft in Westdeutschland, S. 159. Vgl. auch Röpke, Die deutsche Frage, S. 298, und Davin, Les finances, S. 322 ff., mit ergänzendem statistischem Material. Scharfe Kritik an dem im Mai 1948 festgelegten, seines Erachtens die Mark weit überbewertenden DM-Wechselkurs vom 1 DM = 30 Cents übte z. B. Edgar Salin, Währungsexperimente, S. 109 ff.; im Ausland werde die DM zeitweise unter einem Sechstel ihres offiziellen Kurses gehandelt. Als Vorbild für eine marktgerechte Wechselkurs-Bestimmung nannte Salin Israel. Positiver die rückblickende Bewertung von Rudolf Richter in seinem Kommentar zum Wiederabdruck des grundlegenden amerikani ­ schen Plans vom 20. Mai 1946: The Colm-Dodge-Goldsmith Plan Appendix N: Considera- tions Regarding the Foreign Exchange Rate for the Deutsche Mark, prepared by Lloyd A. Metzler, in: ZGSW 135(1979), S. 474-479, hier S. 478 f. 50 Umgerechnet nach Jerchow, Außenkurs, S. 267. Davin, Les finances, Tafel S. 324, konsta ­ tierte für die Ausfuhr aus Groß-Hessen zwischen Januar 1946 und Januar 1947 je nach Branche und Zielland sogar Kursdifferenzen zwischen 1 RM und 16,67 RM/Dollar. Zu deutschen Berechnungen während des Krieges: Buchheim. 51 Jerchow, Deutschland, S. 435 ff. Auf sehr unterschiedliche Außenhandelskurse deutet z. B. die Exportstatistik für Juni 1947 hin; Bulletin mensuel du CCFA, Juni 1947, S. 11. 52 Zum Vergleich der Importabhängigkeit in der deutschen Nahrungsmittelversorgung 1935/38 und 1949/50 s. die Zahlen zu den einzelnen Produkten bei Hesse, Strukturwandel, S. 267. In der Bizone sank der ernährungswirtschaftliche Autarkiegrad unter Einbeziehung der durch die Flüchtlinge gestiegenen Bevölkerungszahl von 80% vor dem Krieg auf 46% im Jahr 1947/48; Bäcker, Priming the German Economy, S. 48. 53 Zu den badischen Stromexporten s. Läufer, S. 77. Korrespondenz über die Lieferungen aus Österreich im Sommer 1946 in MdAE Y (1944-1949) 436. Die französische Regierung mußte sich nun gegen den Vorwurf der Ausbeutung Österreichs verteidigen.