4 gewannen, welche von einer Politik der Dominanz über Deutschland zu einer Politik der Gleichberechtigung im europäischen Rahmen strebten („Integrations-“ statt „Dominanzkonzept“). 12 13 Die Bevölkerung in der Zone sah sich zu Kriegsende zunächst vor allem mit den französischen Truppen konfrontiert, vor denen die nationalsozialistische Pro ­ paganda gegen die Marokkaner-Truppen bereits im voraus Panik zu wecken ver ­ sucht hatte. Von einer zehntausendfachen Schändung von Frauen sprach Gebhard Müller noch 1982 in seiner Schilderung der Frühzeit, 11 und auch wenn Übergriffe dieser und anderer Art möglicherweise nicht ein solches Ausmaß hatten, bestimmten sie doch rasch in Teilen der Zone die Reaktionen der deutschen Bevölkerung. Die Ausgangslage war sehr unterschiedlich. Während die Marokkaner in Biberach Bon ­ bons an die Kinder verteilten, viele Besatzungsoffiziere nach den ersten persönlichen Kontakten die Not der Bevölkerung energisch zu mildern versuchten und der soziali ­ stische Rastatter Ortskommandant Wolf schon 1945 demonstrativ am 1. Mai Feiern organisierte, 14 * hatten die Kommandanten an anderen Orten noch bis Ende 1945 größte Mühe, die eigenen Truppen unter Kontrolle zu bekommen. 11 Darin spiegelte sich teilweise die Desorganisation der französischen Armee seit der Niederlage 1940. Die vor allem in Baden und Württemberg eingesetzten nordafrikanischen Truppen brachten gelegentlich ihre heimischen Kampfweisen mit nach Mitteleuropa; das französische Ziel, durch den Einsatz von Kolonialtruppen auch französische Ableh ­ nung des Rassismus zu demonstrieren, schlug damit allerdings gründlich fehl. Ande ­ re Truppen, vor allem im Raum Rheinland-Pfalz, waren unmittelbar aus den Partisa ­ nenverbänden der innerfranzösischen Resistance hervorgegangen. 16 Desorganisa ­ tionjahrelanges Leben im Untergrund und andere Faktoren, die mit der deutschen Besatzung in Frankreich zusammenhingen, wurden von der deutschen Bevölkerung 12 Loth, Die Franzosen; zur Auseinandersetzung damit vgl. Hudemann, Kulturpolitik. Loth, Sozialismus. Vgl. zum Hintergrund auch Lipgens, Innerfranzösische Kritik, und dfrs. (Hg.), Europa-Föderationspläne, sowie Schreiner. 13 Gebhard Müller, Württemberg-Hohenzollern 1945 bis 1952, in: Gögler, Richter u. Mül ­ ler (Hg.). Im Gespräch mit dem Verf. (Stuttgart, 21.7. 1980) nannte Gebhard Müller als Quelle eine Predigt des Freiburger Erzbischofs Gröber. 14 Mitteilung des ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Badischen Gewerkschafts ­ bundes, Max Faulhaber (KPD), Freiburg, 14. 4. 1982. 11 Vgl. Berichte aus den ersten Besatzungstagen in AdO Colmar CGAAA C. 2669/4-1 sowie die Darstellungen der beiden Gouverneure von Rheinland-Hessen-Nassau bzw. Rhein ­ land-Pfalz: Billotte, S. 343 ff., sowie Hettier de Boislambert, S. 465 ff. Zur Situation in Baden siehe bes. Schwarzmaier (Hg.), Der deutsche Südwesten, sowie ders. (Hg.), Lan ­ desgeschichte. Lebendige Schilderung der Wirkungen der Besetzung bei Hillel. 16 Die Geschichte einzelner Teile der Besatzungstruppen läßt sich recht genau rekonstruieren anhand der zahlreichen Ruhmesartikel, die in den Truppenzeitschriften erschienen, als die französische Armee zum 1. April 1946 völlig reorganisiert wurde und viele dieser Kriegs ­ und Resistance-Verbände aufgelöst wurden; siehe die Revue d'information des troupes framjaises d’occupation en Allemagne, Nr. 1 ff., Oktober 1945 ff., AdO Colmar. Zum Anti-Rassismus beim Einsatz der Kolonialtruppen: Forez, S. 92. Allgemein zu dem Aufbau der Armeeverwaltung siehe die bislang genaueste Untersuchung der frühen Besatzungs ­ monate durch Henke, Aspekte, hier S. 185. Überblick über neue Forschungsergebnisse zur militärischen Bedeutung der Resistance-Verbände zu Kriegsende bei Levy.