84 Handlung einigermaßen zu verfolgen. Eben diese notwendige Rücksichtnahme auf einen Teil des Publikums, der zwar meist mit dem Stofs, nicht aber mit der Sprache der Aufführung vertraut war, bestimmt den Stil der Ausführung natürlich ganz wesentlich: er fordert Verstärkung des schauspielerischen Aus- drucks, einen Realismus, der durch die von Birck angeführten Beispiele durchaus bestätigt wird. Auch beim Passionsspiel auf offnem Markt war das Wort untergeordnet, die Geste der eigentliche Vermittler des Ausdrucks, und diese parallele Voraussetzung bringt ein starkes mittelalterliches Element in den Darstellungsstil hinein, das im Räumlichen in der Ein- beziehung realer Lokalitäten seine Entsprechung findet. 3. Kostüm und Sprache. Eine Bestätigung für die Sorgfalt, die aus die sichtbaren Bestandteile des Spieles verwandt wird, liefert die Verwendung des Kostüms: Susanna tritt verschleiert vor das Gericht (797), und Judith geht in vollem Schmuck in das feindliche Lager, nachdem sie in Sack und Asche gebetet hat (IV, 3, 4), Achior wird an seinem Gewand als Fremder erkannt (Jud. II/1), und auch die lyrischen Gesandten und das Gefolge der Königin von Saba fallen an Salomons Hof durch ihre Kleidung auf (IV/1, V/2). Das Renaissance-Element im Darstellungsstil ist insofern stärker mit dem Räumlichen verknüpft, als der Schauspieler von sich aus die Funktion des Raumabschnittes zu bestimmen hat. Das Mittel aber, das ihn zu diesem Ziel führt, ist das Wort. Die Sprache ist für die Schauspielkunst der Renaissance das Primäre. Bestimmend für die Schauspiel-Technik des Schultheaters sind also schulmäßige Bemühung um rhetorischen Ausdruck und andrerseits Notwendigkeit, auch unabhängig vom Sprachlichen die Handlung einprägsam öar3idtdlett182. 3. Beziehung zur Bildkunst Da die Dramen selbst kaum Aufschluß über Einzelheiten des Spieles geben, wäre es sehr bedeutungsvoll, wenn es gelänge, an diesem Punkte die Beziehung zur Bildkunst her- zustellen. Bei den besonderen Schwierigkeiten, die sich der Be- stimmung und Auswertung früher Theaterbilder und theatra- 182. Näheres bei H e r r m a n n S. 256 ff.