81 Die angenommene Bühnenanlage erledigt zugleich auch die Frage nach der Errichtung eines Bühnenpodiums: die Einbeziehung der Türen und des Brunnens ins Spiel kann nur dann einen praktischen Wert haben, wenn die Höhe des Bühnenbodens der normalen Bodenhöhe entspricht. Gegen ein Podium sprechen dann auch die direkten und indirekten Angaben, aus denen hervorgeht, daß Pferde auf die Bühne gebracht wurden (Judith II/4, Joseph V/3). In Anglei Hang an Schweizer Spielverhältnisse wird man diese Angaben un- bedingt wörtlich zu nehmen haben. Im ganzen stellt sich also der Spielplatz als ein Abschnitt des Hofes dar, der einen Brunnen und einige Bäume um- faßt, und den eine Hauswand mit drei in ungleichem Abstand verteilten Türen nach rückwärts abschließt. Die Grundgestalt der Bühne entspricht dem von Borcherdt festgelegten Renais- sancetyp: schmales Rechteck mit flachenhaftem Rückabschluß, dessen Breitseite dem Zuschauer zugekehrt ist* 178 179. 2. Das Gtilproblem 1. Raum. Einzelnen Ansicherheiten und Anklarheiten dieser Bühnen- Hypothese steht ein starkes positives Moment gegenüber: das ist die innere Wahrscheinlichkeit. Die gestaltenden Elemente: mittelalterliche Formtradition und das neugewonnene Renais- sancegefühl, die im Augsburger Schultheater zur Vereinigung drängen, führen fast zwangsläufig zu dieser Mischform, die einen Aebergang vom alten Prinzip der Reihung zur orga- nischen Verschmelzung aller Glieder darstellt. Die Summe der Einzelbühnen im mittelalterlichen Spiel war ohne ein- heitliche, auf den Betrachter bezogene Richtung, sie war nur auf sich selbst bezogen, geschlossener Organismus ohne Ein- beziehung der Außenwelt. Die Wandlung zum Reuen, die Reihung in einheitlicher Richtung, wird zunächst auf die Man- sionen der alten Bühne angewandt (Valenciennes), dann werden die Häuser aus dem Sichtbaren „hinter die Bühne" gedrängt, es bleiben nur noch die Türen, Raumgrenze zwischen Innen und Außen (Terenzbühne)i^. Trotz dieser schon ganz Es handelte sich stets um den letzten Akt: man braucht die Stühle etc. vor Schluß des Spieles nicht mehr fortzuschaffen. 178. Borcherdt, H. H., Der Renaissancestil des Theaters. Halle 1926. S. 11. 179. Aus dieser Entwicklung ergibt sich als Bewertung für die Terenzillustrationen, daß sie keinesfalls als primär, als theoretische An-