80 läge der Bühne: nur der östliche Querbau» das älteste Gymna- sium, bietet als rückwärtiger Abschluß mehrere Eingänge zur Bühne und auch die in der Judith erforderlichen Fenster^ Die Bühnenlänge in der Nord-Süd-Richtung ist durch die Platzgrenzen gegeben, die Tiefe ließe sich durch die Einbe- ziehung des Brunnens bestimmen, wobei allerdings zu be- rücksichtigen ist, daß dessen ursprüngliche Lage nicht einwand- frei festgestellt werden konnte. Auf jeden Fall aber bleibt auf der westlichen Hofseite zwischen Bühne und Hofmauer reichlich Platz, um eine große Zuschauermenge unterzu- bringen^ö. Wenn die Verteilung der Türen in der frühen Zeit die- selbe gewesen ist, die sich auf den Bildern nach dem Am- bau erkennen läßt, so entsprach sie dem aus den Texten erschlossenen Verhältnis: rechts, also auf der Brunnenseite» liegen zwei Eingänge nebeneinander, links gibt es nur eine Tür. Außerdem wird man noch zu beiden Seiten des ab- schließenden Hauses Auftrittsmöglichkeiten annehmen dürfen, die besonders für Massenaufzüge (Zug des Königs in der 8u8unn3, Aufmarsch des feindlichen Heeres in der Judith) und vielleicht auch für das Auftreten des Chores^ verwendet wurden. Damit erfüllt der Spielplatz alle wesentlichen szenischen Erfordernisse der Dramen, und es liegt kein Grund vor, be- sondere Aufbauten oder Vorhangsysteme zu ergänzen. Andrer- seits wird man bei einer Bühne, die „wirkliche" Türen und Fenster, Bäume und den Brunnen einbezieht, auch eine An- deutung der übrigen Dekorationen wie Stadttor, Zelt oder Altar (Immolatio Isaac) erwarten dürfen, die für die einzelne Aufführung mit einfachen Mitteln errichtet wurden^?. 174. Die auf der Ostseite gelegene Bühne hat von den frühen Mit- tagsstunden bis gegen Abend volles Sonnenlicht, so daß eine Berücksich- tigung etwaiger Beleuchtungsschwierigkeiten, die bei einer Saalauffüh- rung eine entscheidende Rolle spielen können, hier ganz ausgeschaltet werden darf. 175. Es ist anzunehmen, daß nur für geladene Ehrengäste Sitzplätze zur Verfügung standen. Die übrigen Zuschauer blieben stehen. 176. Ehe sich über den Chor-Auftritt Näheres sagen läßt, müßte entschieden sein, ob der Chor sich aus Personen des Spiels zusammen- setzt, oder ob er eine neutrale Spielgruppe ist. Das würde einen an- deren Grad der Jllusionsbrechung darstellen. Jedenfalls wird im ein- zelnen Fall die Auffassung des Dramatikers vom Wesen der griechischen Tragödie entscheidend sein. 177. Beispiele für „Verwandlungen" innerhalb des Aktes: Judith V/5: Ozias: „Locum parate qui sit eminentior Ut ex eo dicat commo- dius.“ — Salomon V/3: Rex: . . 8el!ae duae curules . . . Huc alle- rantur.“ Paedonothia V/3: Heli: „Huc mihi feras Sellam..—