70 — 3m Bar, der fast stets aus einer ungraden Zahl von Ge- sätzen oder Strophen besteht, ist die Strophe die größte äußere und innere Einheit. Bber ebenso wenig wie für den Bar als Ganzes zeigte die Mehrzahl der Meistersinger für eine innere Gliederung der Strophe Verständnis'). Eine gute Einteilung wird zuweilen, besonders in Schulkünsten, dadurch erreicht, daß jeder Strophe ein bestimmter Ltoffabschnitt zugeteilt wirdh. Holz kennzeichnet in einem Gedicht jede neue Strophe durch Zuführung einiger lateinischer Worte (Nr. 34), Sachs durch stets erneuten Hinweis auf die (Quelle^). Buch ein ironischer widerruf des Gesagten am Ende jedes Gesätzes kann diesem Zwecke dienen'). Bei dialogischen Gedichten lag es nahe, die Partner von Strophe zu Strophe abwechseln zu lassen '). Die strophische Einheit findet sich auch dort gewahrt, wo eine bestimmte Bnzahl von Ein- heiten zu einem Liede zusammengefaßt wurde: die sieben Herz- leiden Mariä bei wurgenbock') oder bei Sachs die zehn Gebote, die drei Könige, die nie von Gott abfielen, oder auch drei ver- schiedne Schwänke, wobei denn zuweilen jede Strophe ihre eigne Moral hath. häufiger ist aber eine gänzliche Vernachlässigung der Stro- pheneinheil vor allem Beheim verfährt oft ohne jede Rück- sicht auf die Zarin, sowohl in Liedern allgemeinen Inhalts) wie in politischen und Kirchenliedern^). Hans Zolz (Nr. 12. 23) und ') Lines der seltenen Leispiele solcher Gliederung s. b. 3 i n g e r l e, Sitz.ber. d. wiener Nk. Vd. 37, heft l (1861) S. 365. vorzüglich gegliedert ist auch das 2. Gesätz des Liedes „Lob der Nacht" bei G ö r r e s, Volks- u. Meisterlieder S. 105 ff.; überhaupt bieten die älteren Lieder der Nolmarer h s. wie auch die Lieder Jörg Graffs und die politischen Gedichte Veheims mehr Beispiele der Nrt. widmann a. a. ffi. S. 39 f,; Goetze Laus. Mag. S. 121 ff. ') Verl. Hs. 155-157. 4) in einem Gedicht Hans Sigels bei IVackernagel Vd. 2 Nr. 1306. '■’) so Schade a. a. (D. 5. 466 ff.; § oIz Nr. 52. c) wackernagel Bd. 2 Nr. 1028. ") ebenda Vd. 3 Nr. 102; h. Sachs bei Go ez Vd. 2 S. 104ff.; Drescher, Stud. II S. 85 ff.; Gött. Hs. bl'—62'; 145—147; 182'—186'; 211—212. *) wh. wa ckernagel.NItd.Lesebuch. 5. klufl. (Basel 1873)5p.l414ff Philipp wackernagel vd. 2 Nr. 854—861. 874 f.