56 — italienischen Künstlers und Weltmannes und des deutschen Hand- werkers, so wenn Hans Lachs das sittlich Anstößige sichtlich meidet und auch für die seine Ironie und die scharfe Satire gegen den Klerus, die er in seiner Vorlage fand, kein Verständnis hat: überall schält er lediglich den rauhen, schwankhaften Kern her- aus, und wo der Italiener Eharakter- und Zeitbilder im engsten Kähmen malt, begnügt sich der Deutsche damit, eine unschuldige oder auch grobe Knekdote lustig zu erzählen'). Die berühmte Geschichte vom Zalkem) berichtet Lachs ganz einfach in dem Keimpaar seines Kosentons und erweist ihre Wirksamkeit gerade durch die Schlichtheit des Vortrags und die schöne Schlußsentenz: ,.l)rumb ist nicht alle lieb verloren: Lieb hat oft lieb durch lieb geporen“; aber seine skizzenhafte Darstellung erzeugt doch eben nur eine gemütvolle Kührung, wo die ausführliche Motivierung und selbst Kleinmalerei Boccaccios, die Knführung der Gespräche, der Wider- streit der konventionellen Gebundenheit und des herzensbedürnisses bei Klberigo und Giovanna, die ergreifende Ironie in der voreiligen Opferung des edlen Vogels beim Hörer eine weit herz- lichere und tiefere Wirkung erzielen. Seltner greift Hans Sachs aus einer Novelle des Italieners eine einzelne Episode heraus wie in dem Schwank von den beiden Spitzbuben, die die Leiche des Bischofs berauben3); und hier wie auch sonst verlegt er der Anschaulichkeit halber die Handlung in heimisches Milieu. häufig sind die Halle, wo die radikale Kürzung der Vor- lage an sich die künstlerische Wirkung beeinträchtigte, wenn Hans Sachs die Erzählung von Gismonda und Guiscardo auf dreizehn Strophen zusammenstreicht, in denen u. a. von der langen Kede der Tochter an den Vater fast nichts übrig bleibt4); oder wenn er in 60 Versen abhandelt, was bei Boccaccio 6, 7 oder 19 Seiten füllte3), so mutzte nicht nur jede feinere Begründung ') Schw. III 22: Bocc. III 8; S dj to. III 70: B o c c. X 2. *) 5chw. III 149: Bocc. V 9. s) Schw. III 106,: B oc c. II 5. 4) Schw. III 4: Jo ec. IV 1. 5) Schw. III 153: B o cc. V 3;Schw. III >73: Bocc. X4;Schw.III 190: B oc c. VIII 7.