— 44 — Auf eine chronologische Besprechung der Sächsischen Meister- lieder kann verzichtet werden, da alle grundsätzlichen Verschieden- heiten in den Dichtungen Hans Sachsens rein stofflicher Natur sind. Diese äußere Entwicklung sei im voraus kurz bezeichnet: in den ersten sieben Jahren seiner dichterischen Tätigkeit die herkömmliche scholastisch-theologische Lyrikh, daneben einige Liebes- lieder; fast gleichzeitig Bearbeitungen aus Boccaccio'"); 1520 — 1523 Studium der Lutherschen Lehre, Aussetzen der poetischen Produktion; im nächsten Jahrzehnt Versifizierung der Luther- BibeV); allmähliches hervortreten der Schwankdichtung; 1546 — 1555 Zeit der stärksten Produktion (2461 Meisterlieder); dann Abnahme der Lied- gegenüber der Spruch-, besonders der Dramen- Dichtung. Es ist weder möglich noch nötig, die gesamte Meisterlyrik Hans Sachsens, auch nur soweit sie gedruckt vorliegt, Lied für Lied zu behandeln. Es genügt, das Charakteristische heraus- zugreifen, um Gehalt und Arbeitsweise des Dichters zu erkennen. Es sollen zunächst Hans Sachsens Ansichten über seine Kunst an der Hand einiger Gedichte ausgewiesen, sodann seine Kirchenlieder und Bibeldichtungen, ferner eine Auswahl der Schwänke ohne Nück- sicht auf den Stoff, dann seine Bearbeitungen aus Dvid und Boccaccios Decameron und schließlich seine Benutzung historisch- prosaischer (Quellen behandelt werden. Zur deutlicheren Kenn- zeichnung des Zusammenhanges von äußerer und innerer Zorm ') Über seinen verehrten Lehrer Lienhard Nunnenbeck, der ihm ein schwächliches, aber korrektes Vorbild war, vgl. yampe, L. N., llTitteil. d. Der. f. Gesch. d. Stadt Nürnb. 1895, II. ffeft, S. 173 ff., lvackernagel Bb. 2 Nr 1402. 2) Das erste religöse Meisterlied stammt aus dem Jahre 1513 die Liedfassung der Historie von Guiscardo und Gismonda ist von 1516. Sach- sens Vorbild hat die profane Dichtung der Meistersinger wieder in Auf- nahme gebracht. :t) Aus dem Alten Testament hat Sachs den Psalter, den Prediger, Jesus Sirach, das Buch Nuth (1 Mal), Esther (3 Mal), Hiob (3 Mal), Zona (6 Mal), Judith (3 Mal), Tobia (3 Mal). Susanna (3 Mal), Maccabäer Buch 3 (1 Mal) in je einem Bar vollständig versifiziert, aus dem neuen Testament das Ev. Matthäi in einer großen Nnzahl von Gedichten gleich- falls vollständig verarbeitet. Die übrigen Bücher Nlten und Neuen Testa- ments sind zwar nicht vollständig, aber doch zum größten Teil in Liedern behandelt worden; vgl. das Verzeichnis bei Goetz e Bd. 26, S. 193—230.