— 43 — hat die geistliche Dichtung bis zum Jahr 1536 die Oberhand: dies ist die Zeit der Vibelparaphrase. Nach der Nusschöpfung dieses Stoffvorrats beginnt das vorwiegen der weltlichen Meister- dichtung (1536 - 1552, mit einer geringfügigen Schwankung 1540); in diesen Jahren werden auch die beiden episch gefärbten Töne erfunden, die jetzt wachsende Bedeutung gewinnen: die Spruch- weise (1538) und der Nosenton (1541). Im Jahr 1548 erreicht die Schaffenskraft des Dichters, speziell im Meistergesänge, den Höhepunkt, von 1553 tritt die geistliche Lyrik wieder in den Vordergrund, aber zugleich überschreiten die Spruchdichtungen zum ersten Mal die Zahl 50. Die vorwiegend weltliche Spruchdichtung löst die weltliche Meisterdichtung ab und erreicht 1562 und 1563 die höchsten Zahlen. Das letzte Lied ist vom 8. Dezember 1567, der letzte Spruch vom 15. Mai 1573 (vgl. hierzu die statistische Uebersicht am Schlüsse dieses Kapitels). Nutzer in 272 Meistertönen hat Hans Sachs in 29 hofweisen') gedichtet, von denen 16 oder 17 seine eigene Erfindung sind. Die Lieder dieser Nrt gehören zu seinen besten und ansprechendsten Gedichten, lvenn Sachs die hofweisen nicht ausgiebiger benutzt hat, obwohl sie ihm gestattet hätten, sich mit ihnen nicht nur an die Nürnberger Handwerker, sondern an das ganze Volk seiner Vaterstadt und darüber hinaus zu wenden, so liegt dies eben daran, datz auch Sachs das aristokratische Selbstbewutztsein der Meistersinger teilte, mit dem sie sich über die gemeinen volks- dichter erhoben, datz auch er zu sehr in den Nnschauungen der Schule befangen war, um eine häufigere Loslösung von ihr oder gar eine ernsthafte Kritik an ihrer Kunst als Bedürfnis zu em- pfinden. Ivo dem Dichter an einer allgemeineren Verbreitung seiner lyrischen Erzeugnisse lag, blieb ihm zudem stets der Nus- weg offen, seine Lieder in Sprüche umzuwandeln. ') Daß die dem Volksliede verwandten Fj o f t ö n e von den Meister- weisen grundsätzlich zu unterscheiden sind, folgt sowohl daraus, daß sie in den Verzeichnissen der Meistertöne nicht aufgezählt werden, wie auch aus ihrem Vau selber: er ist fast überall einfacher als der Bau der Mehrzahl der Meisterstrophen; er hat zuweilen die volksliedartige Wiederholung des letzten Wortes der Strophe mit „ja"; er ist vor allem in manchen Fällen nicht dreiteilig, sondern zweiteilig wie die Strophe des Volksliedes; die veimbildung ist etwa aabb oder aabccb oder aabxb oder auch ababcdcd (wobei die beiden Strophenhälften genKu gleich gebaut sind).