— 41 gedruckt ist, beschränkt sich, abgesehen von dem ersten Bande seiner von Goedeke und Tittmann ausgewählten Werke, auf die paar Lände schwankhafter Meistergesänge, die Goetze und Drescher seit 1893 herausgegeben haben. Die stoffliche Einseitigkeit die- ser Auswahl läßt uns freilich keinen zutreffenden Gesamteindruck von der Meisterdichtung Sachsens gewinnen.— Hans Sachs, der zwar das Größte nicht als Meistersinger geleistet hat, wurzelt dennoch innerlich ganz und gar in Meister- sang und Meisterschule. Seiner ganzen Natur nach in der Mitte zwischen Schule und Volk stehend, fühlte er sich verpflichtet, seine in ernstem Studium oder durch gelegentliche Lektüre erworbenen Kenntnisse der Mitwelt zu vermitteln, d. h. in erster Linie den Zchulgenossen, in zweiter den breiten Dolksmassen. Sein Ziel wie das Ziel des gesamten Meistergesanges war proclesse et äelectare: religiöse Erbauung, didaktische Förderung, und Be- lustigung. Der Eharakter seiner Dichtung als Zweckdichtung ist, zusammen mit seiner Neigung, die Muse zu kommandieren, da- für verantwortlich, daß ihre erträglichen Erzeugnisse unter einem Wust von minderwertigem und totem Material fast verschwinden. Das liegt weiter aber auch an der Wahllosigkeit, mit der er seine Stoffe bearbeitete. Er hat den größten Teil seiner Lektüre in Verse gebracht: die Bibel, den Boccaccio, Üsop, Livius, plutarch, Josephus, den nordischen Historiker Ulbert Krantz, Volksbücher und Schwankgedichte. Lernte er ein neues Buch kennen, das ihm zusagte, so fertigte er zuweilen an einem Tage drei oder vier Gedichte über den eben gelesenen Stoff an; und hatte er, seiner meistersingerischen Pflicht eingedenk, zunächst ein Lied ge- dichtet, so mochte er doch auch weiteren Kreisen die Früchte seiner Lektüre nicht vorenthalten, und er nahm die Umdichtung in Neim- paare vorh. Das geschah nicht immer ganz mechanisch; beider „Wittenbergischen Nachtigall" hat er z. B. das Spruchgedicht auf Uurnb. Theaters i. 16. Iht., vierteljahrsschr. f. Lit. gefch. Vd. Z. Weimar 1890, 5. 43 ff.; Michels. 6nz. f. d. 61t. Bd. 18 (1842) S. 354; S t i e f e l. Ztfchr. d. ver. f. Volkskunde, Bd. 10, Bin. 1400, S. 74 f.; ffampe, Ueb. ff. S.' Traumgedichte, Ztfchr. f. d. d. Unterricht Bd. 10, Lpz. 1840, 5. 616 ff.; Göt- tinger ffandfchrift; Berliner ffandfchrift. ') Derartiger Doppelbearbeitungen zähle ich 455: von diesen ist bei 821 die Liedfassung, bei 55 die Spruchfassung die ältere; bei 74 liegen beide bearbeitungen vom gleichen Datum vor und hier ist das Lied stets in einer der reimpaar-ähnlichen Strophenformen abgefaßt.