— 39 — kurzen Meisterstrophen, das ein wandernder handwerksbursche, der das Singen und das Arbeiten als Beruf empfindet, beim Fortgang aus der Stadt, in der er eine Zeitlang sein Brot ver- dient hatte, seiner Liebsten zum Abschiede sang. Die Lieder über den Meistergesang drücken wiederum den exklusiven Stolz auf die holdselige Kunst aush. Aber auch die rührend kindliche Bescheidenheit einer Novizen lernen wir kennen") wie andererseits den Entschluß eines Sängers, der die eigene Un- zulänglichkeit fühlt, trotz allem Spott seiner Kunst, die ihn be- seligt. treu zu bleiben^). Einige Tiersabeln des 16. Jahrhunderts teilt Wilhelm Grimm mith, während unsere Kenntnis der schwankhaften Liedliteratur auch für diese Zeit in der Hauptsache auf den Veröffentlichungen Voltes beruh?). Die ganze Epoche des 16. Jahrhunderts (außer Hans Sachs), die doch den Meistergesang von Grund aus umgestaltet hat, bietet keine einzige starke Dichterpersönlichkeil, die unser Interesse zu fesseln vermochte; kaum treffen wir hier und da auf ein religiöses Lied, das einem warmen Herzensbedürfnis entsprang, kaum aus -ein paar Schwänke, die gut und witzig erzählt und in der Form nicht allzu verfehlt schienen, nur ganz vereinzelt auf ein Liebes- lied oder ein Lied über die Meisterkunst, das uns einige Anteil- nahme abnötigte; überall sonst nur platteste Reimerei, mechanische Silbenzählung, herzlose Geschwätzigkeit. Die Gründe für diesen künstlerischen Rückschritt sind bereits dargelegt worden; erschreckend ist aber der Unterschied zum 15. Jahrhundert. Db das 16. Jahr- hundert in seiner Gesamtheit vom Ltandvunkte der ästhetischen Wertung seiner Meisterdichtung mit dem fünfzehnten auf gleiche Stufe wird gestellt werden können, wird lediglich davon abhängen, ob die Meisterpoesie des Hans Sachs den ohne ihn gewaltigen Unterschied auszugleichen vermag. h" 5767 ff. h S. 207 ff. 3) S. 163 f. 4) ID. Grimm, Tierfabeln bei den Meistersängern, Nbh. Bd. erl. Hk. d. wiss.. 1855 — 1856 S. 1-27. &) B o 11 e in Montanas, flnf). tlr. 38, Schumanns Nachtbüchlein (Tüb. 1893), Nnh. Nr. 8. 9; Forsch, z. Branbenb. u. preuß. Gesch. Bb. 11 (1898) S. 201—205; Unser Lgerland, 1. Iahrg. (1897) 5.9 s. . Z a r n ck e i. Brants Narrenschiff (Lpz. 1854) 5. 455 f.: vgl. INones Nnz. Bd. 4 (1857) 5p. 399 f.; 3 i n g e r I e in Germania, 5. Iahrg. (1800) 5. 101—105.