— 36 — Schrift über den Meistergesang verfaßt hat: er hat auch nahezu die dreifache Zahl von eigenen Meistertönen erfunden als Hans Lachs. (Er glaubte durch Schaffung neuer formen den verfall der Kunst aufhalten zu können. Mit Ausnahme seiner eigenen Töne (die übrigens fast alle nach Vögeln benannt sind) hat er jeden Meister- ton nur einmal benutzt) ja er scheint es als seine Aufgabe er- kannt zu haben, eine möglichst große Anzahl von Tönen durch- zuprobieren, und bei dieser systematischen Durcharbeitung hat er sich die Stoffe nach den Tönen, oder vielmehr ihren Namen, aus- gesucht. Aber so hoch Puschmanns Auffassung vom Meistergesänge war, so gänzlich unbedeutend sind seine Produktionen. Wort- getreue Versifizierungen der Lutherschen Bibel, obszöne oder ge- schmacklose Schwänke, eine in den dreizehn Meistertönen Sachsens angefertigte genaue Beschreibung des Straßburger Münsters mit seiner Geschichte'), Aufzählung der Tabulaturregeln in den „Schul- künsten", dürre religiöse Lieder mit angehängter Marals: all dies ist wohl geeignet, uns davon zu überzeugen, daß der Meister- gesang als künstlerische Erscheinung am Ende des 16. Jahrhunderts im Absterben begriffen war) selten nur, das Puschmann einmal einen lustigen Schwank zu erzählen weiß wie den von den ..Dörnern mit dem pfaffen“3), in dem er sogar die Pommern platt sprechen läßt) doch sticht auch hier die Diskrepanz zwischen epischem Ge- halt und lyrischer Form in Ghr und Buge. Auf poetische Wirkung kann höchstens das dritte Gesätz des „Elogium reverendi viri Johannis Sachsen"4) vom Jahre 1576 Anspruch erheben) die beiden ersten Gesäße — alle sind in verschiedenen Tönen gedichtet — enthalten nur Nachdichtungen von autobiographischen Liedern Sachsens sowie eine Aufzählung der Sächsischen Werke) das letzte Gesätz in der Traumweise Müglins enthält den Traum, in dem der Dichter den altersschwachen Hans Sachs, seinen verehrten Lehrer erblickt - eine gemüt- und liebevolle Schilderung, die aber in die unbeholfenste Zorm gekleidet ist, zu der der Inhalt in gar keinem Verhältnisse steht. Martin a. a. G. 2) © o e a. a. O. Nr. 2. Z. 7. 8. 11. 16. B e r I. ff s. 5. 14 ff., 25 ff.. 236 ff., 295-308. s) Botte a. a. (D. *j © oetze Nr. 13.