34 den Vvid, Dergiln, Iosephus, Erasmus und, als erster Deutscher, die 3lias ziemlich fehlerfrei in die heimischen Knittelverse übertrug, hat als Meistersinger zwar keinen eigenen Ton erfunden, die von ihm benutzten fremden aber nicht wahllos angewendet, sondern eine Beziehung zwischen seinem Stoff und dem Namen des Tones einzuhalten gesucht,- er zeichnet sich vor seinen Zeit- genossen durch sprachliche Glätte und Gewandtheit aus; fast jeder Vers ist bei ihm eine Sinneseinheit, von ihm sind einige Schwänke und eine Schulkunst gedruckt. Die Schwankliteratur dieser Zeit zeigt zum Teil humanistische Einflüsse^), vernachlässigt aber daneben auch nicht die einheimische Überlieferung: Hans Weidner be- arbeitet die Sage der Weiber von Weinsberg^), andre Lieder zeigen Verwandschaft mit der grobianischen Literatur8), wieder andre versifizieren Teile der Haustsageh. — Die Ausbreitung und reiche Tätigkeit der Meistersinger zu dieser Zeit wird uns u. a. durch das Bestehen von Meisterschulen in Mähren bezeugt?) Am erfreulichsten wirken die anspruchslosen kurzen Schwank- gedichte wie Daniel Holzmanns Lied von dem Ehezwist, der durch die Namen von Meistertönen humoristisch charakterisiert wird8), oder das Stoßgebet des Voglers, das sich in seltsamer Mischung aus den Bitten des Vaterunsers und derben Flüchen zusammensetzt), oder einige Gedichte Hans Deisingers, der um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts lebte8). h z. B. Georg vanbeckhs Lied, Montanus, Nnh. Nr. 15, oder das folgende Lied. 2) ebenda Nr. 30. s) ebenda Itr. 27 (üon Iochem Glockenthon), Nr. II. \ Zwei Lieder Friedrich Beers, Euphorion Bd. 1, 5. 787 f; Bd. 6, 5. 679 ff., abgedruckt von Holte. s) Ndolf Ritter von wolfskron, Beitr. z. Gefch. d. Nlstrgfgs. i. Mähren: Schriften der mähr.-schles. Ges. d. Ackerbaus etc., 7. heft, Brünn 1854, 5. 43-54. e) 1)artmann a. a. (D. Beilage Br. 6. In seiner Schulkunst (Jonas, Ztschr. d. hist. Ges. f. d. prov. Posen, 2. Zahrg. 1886 S. 20 ff.) zeigt sich holz- mann als Plagiator an Hans Sachs, vgl. dessen Gedicht bei tvackernagel Bd. 2 Nr. 1405. Line Bibelparaphrase Holzmanns in der Berliner Hs. S. 164 f. 7) Festschr. z. h. Sachs-Feier, Weimar 1894 S. 65 f., abgedr. v. Bolte. ") Montanus Nnh.Nr.29; weim. Festschr. 5.62.65; besonders bemerkenswert die Wendung in dem Gedicht über Luther, wo der Teufel, nicht Luther, das Tintenfaß an die wand wirft.