32 — und Gleichgültigkeit verkommenen geschildert, der in andern Liedern alte Motive des Volksliedes künstlerisch verwendet oder die Jung- frau Maria um Vergebung seiner schweren Sünden angefleht hatte, wurde ein engbrüstiger Meistersinger und Tendenzdichter, der für Luther Partei nahm, den katholischen Klerus angriff, den Papst bekämpfte und Friedrich den Meisen feierte. Vas einzige weltliche Gedicht aus dieser zweiten Periode ist ein Scheltgedicht gegen die falschen Zungen. heftige Polemik gegen die katholische Geistlichkeit wird überhaupt zur Mode: ein Gedicht') Niclas Manuels, schlecht gereimt und grob, aber in volkstümlichem Tone gehalten, sei als Beispiel dieser Gattung genannt. Andere Dichter wie Hans Gber^) legen in ihren Liedern populär-wissenschaftliche Bbhand- lungen religiösen Inhalts nieder, aber selten findet sich ein ori- gineller Zug wie in dem Liede von Pamphilius Gengen dach, in dem der zweite Schächer am Kreuze dem in der Hölle darbenden Adam die Erlösung der lvelt berichtet). Nur hin und wieder gelingt einem Meister ein schlichtes Kirchenlied, wie wir von Friedrich Zöllner eins besitzen, der auch sonst in religiösen Ge- dichten die Diktion und metrische Form des Thorals beherrscht). Das folgende Vierteljahrhundert brachte den Meistersingern in Nürnberg im Jahr 1540 ein Druckverbot für Meistergesänge, in Mainz gar von ca. 1536-1562 ein Singeverbot: die die Buf- sicht führenden städtischen Negierungen sahen wohl aus politischen Gründen das eifrige Eintreten der Handwerker für die Nefor- mation nur ungern^); und so sind der sicher datierbaren Meister- gesänge aus dieser Zeit noch weniger als aus den früheren Perioden. — Tin typischer Vertreter des Meistergesangs dieser Jahrzehnte war der in Magdeburg wirkendende Valentin Voigt 0 wackernage! Bö. 3 Nr. 473. h Ebenda Nr. 567. 3) p. Gengenbach, Hrsg. v. K. Goedeke, Hannover 1856, S. 39 ff-, 541 ff. 4) Neide Lieder find wahrscheinlich aus dem Jahre 1525. Berliner Hs. 5. 394 ff., 397f.; ein weiteres Lied des Verfassers s. Bert. Hs. 5. 69 ff. -') Sch norr v. Garolsfeld a. a. (D. S. 31; Noth, Atschr. f. Nulturgesch.